Rezension zu „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ von Sabine Schoder

 Autorin: Sabine SchoderCover

 Erscheinungsdatum: 23.07.2015

 Veröffentlicht bei Fischer Kinder- und Jugendtaschenbuch

 Umfang: 347 Seiten

 ISBN: 978-3733501518

Preis: 12, 99 €

 Genre: Realistisches Jugendbuch

 Mehr Infos: hier


Ein paar Worte vorweg:

Dieses Buch habe ich spontan gekauft, nachdem mich die vielen positiven Bewertungen im Internet neugierig gemacht haben. Nach der Lektüre ärgere ich mich, dass ich es nicht auch für die Bibliothek bestellt habe.

Die Autorin:

Sabine Schoder, Jahrgang 1982, ist studierte Grafikdesignerin und legt mit „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ ihren Debütroman vor. Momentan arbeitet sie neben ihrem Vollzeitbürojob an ihrem zweiten Buch. Ich hoffe, sie kann ihren Job bald an den Nagel hängen und sich ausschließlich dem Schreiben widmen.

Klappentext:

Optimistisch gesehen ist Vikis Leben eine Vollkatastrophe. Da kann man schon mal aus Frust ein paar Tüten zu viel rauchen. Da kann es auch passieren, dass man nach einem Konzert mit dem Sänger der Band im Bett landet, obwohl man den eigentlich total bescheuert findet.

Wirklich.
Kein großes Ding.
So was passiert.
Aber ausgerechnet ihr?
Nein!
Ganz.
Sicher.
Nicht.

Oder vielleicht doch?

Meine Einschätzung:

Ich bin mit großer Erwartungshaltung an dieses Buch herangegangen und nun schmerzlich traurig, dass es zu Ende ist. Und genau dieses Gefühl nach der Beendigung des Buches sagt mir, dass das Buch gut war, ach was sage ich: es war großartig! Doch von vorne …
Vikis Leben wünscht man niemandem. Ihre Mutter starb an Lungenkrebs, als sie sieben Jahre alt war. Seitdem lebt sie zusammen mit ihrem alkoholkranken, gewalttätigen Erzeuger (der das Wort Vater nicht verdient) in einer verdreckten Miniwohnung, in der sich um alles selbst kümmern muss. Mit einem unterbezahlten unwürdigen Nebenjob in einer Pizzeria versucht sie sich so gut es geht über Wasser zu halten und einfach nur die Zeit zu überstehen, bis sie volljährig ist und den verabscheuten Vater aus ihrer Wohnung schmeißen kann. Sie hat kaum Geld, zerschlissene Klamotten, schlechte Noten und lebt in einem schwarz gemalerten Zimmer, das eher einem Müllberg gleicht. Bis auf ihre Freunde und ihren tiefschwarzen Humor hat sie also wirklich nichts zu lachen. Wie der Klappentext schon ankündigt, landet sie in der Nacht ihres Geburtstages plötzlich mit dem Sänger und Schulschönling Jay, dessen schlechter Ruf ihm meilenweit vorauseilt und den sie deshalb abgrundtief verachtet, im Bett und kann sich später nicht einmal mehr daran erinnern. Sie will die Sache möglichst schnell vergessen, aber zu ihrem Leidwesen wird sie Jay wider Erwarten nicht wieder los. Über drei Ecken findet er ihre Handnummer heraus und sucht stetig Kontakt, den sie zuerst harsch zurückweist. Jay ist ebenso hartnäckig, wie Viki anfangs desinteressiert. Denn dass der eingebildete Mädchenschwarm der Schule ausgerechnet sie nach ihrem One Night Stand wiedersehen will, passt so gar nicht in ihr Bild von Jay und ihrem eigenen Leben. Als sie seine in Tränen aufgelöste Mutter dann eines Tages aus der Praxis eines Psychotherapeuten kommen sieht und Jay unvermittelt die Band und die Schule schmeißt, wird Viki plötzlich klar, dass irgendetwas in seiner Familie nicht stimmt.
Zwischen den beiden bahnt sich eine vorsichtige, zurückhaltende und doch intensive Beziehung an, die lange nicht benannt, sondern als Affäre eingestuft wird. Dafür haben beide verschiedene Gründe. Von Vikis Angst, wieder ausgelacht, zurückgewiesen und allein gelassen zu werden bis zu Jays Sorge, nie richtig verliebt gewesen zu sein.
Die Geschichte ist aus Vikis Sicht in Ich-Form geschrieben. Der Leser ist ganz dran an ihren düsteren Gedanken und Gefühlen, dem ewigen Hin und Her in ihrem Herzen und hat auch einiges zu lachen, denn Viki nimmt kein Blatt vor den Mund.
Viki und Jay sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Ihre Elternhäuser, Freunde, Hintergründe und Zukunftsaussichten könnten unterschiedlicher nicht sein. Eine Beziehung zwischen ihnen würde nie zustande kommen, wären die Umstände nicht genau die, die es sind und die Viki langsam, schleichend und voller Angst und Zweifel herausfinden muss. Aber es sind eben diese kleinen und großen Geheimnisse, Ängste und Sehnsüchte und vor allem diese eine große Katastrophe, die dieses einsame, unfreundliche, sarkastische Mädchen und diesen verlorenen, schmerzerfüllten Jungen zusammenbringen. Nach und nach kommt der wahre und schreckliche Grund für alles ans Tageslicht, den ich an dieser Stelle nicht verraten möchte. Das Gefühlschaos, das Hoffen, Bangen und Zittern mit den beiden soll jeder Leser selbst durchmachen.
Der Roman glänzt durch seine bildhafte, teils fast schon poetische Sprache und die bitterbösen, witzigen, frechen und schlagfertigen Dialoge, die mich oftmals lauthals loslachen haben. Er liest sich nicht locker-flockig und flüssig weg, sondern erfordert einiges an Konzentration. Dafür wird der Leser mit wundervollen und brillanten Worten belohnt.
„Eine Liebesgeschichte , so echt, dass sie weh tut – und so berauschend, dass sie süchtig macht.“ wirbt der Klappentext und dem kann ich mich nur anschließen. Zwei meiner liebste Zitate (die ich gefühlt endlos aus dem Buch herausschreiben möchte) will ich euch nicht vorenthalten:

„Ich bin das absolute Gegenteil von diesem Kerl. Er ist Licht und ich bin Schatten; wenn er die Zähne zeigt, nennt man es Lächeln, bei mir heißt es Fletschen. Zwei unvereinbare Gegensätze.“ (S. 62)

„Ich möchte etwas sagen, aber meine Gedanken passen in keine Schublade. Schließlich ist es Jay, der in die Stille flüstert, was ich mir wünsche. „Verlass mich nicht.“ “ (S. 234)

Fazit:

Dieses Buch ist eines meiner absoluten Lesehighlights in diesem Jahr. Jeder der Liebesgeschichten ohne Schmalz, aber mit einer gepfefferten Prise Sarkasmus und Realität mag, wird dieses Buch ebenso sehr lieben wie ich.

5 Sterne

4 Gedanken zu “Rezension zu „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ von Sabine Schoder

    • Vielen Dank. Wenn du das nächste Mal davor stehst, solltest du zuschlagen 🙂
      Ach naja, hätte ich es für die Bibliothek gekauft, dann hätte ich es mir nicht selbst gekauft. Und meine eigenen Bücher spende ich nicht, soweit kommt’s noch 😀 Werde ich bestimmt mal auf Arbeit für die Bibliothek nachkaufen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

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