Rezension zu „Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)“ von John Green

Buchcover

Autor: John Green

Erscheinungsdatum (Taschenbuch): 01.06.2010

Veröffentlicht bei dtv, Reihe Hanser

Umfang: 297 Seiten + Anhang

Genre: Realistisches Jugendbuch

ISBN: 978-3423624497

Preis (Taschenbuch): 9,95 €

Mehr Infos hier

Ein paar Worte vorweg:

„Die erste Liebe …“ ist das vierte Buch, das ich von John Green gelesen habe. Nachdem mich „Margos Spuren“ leider ziemlich enttäuscht hat (dafür hat mir die Verfilmung umso besser gefallen), dachte ich, es wird Zeit, dem Autor eine neue Chance zu geben. Und siehe da: Es hat sich gelohnt!

Der Autor:

John Green, Jahrgang 1977, lebt mit seiner Familie in Indianapolis, USA. Eigentlich wollte er Pastor werden, doch er brach seine Ausbildung ab und wurde stattdessen Literaturkritiker für eine US-Zeitschrift. Parallel zu seiner Arbeit schrieb er seinen Debütroman „Eine wie Alaska“ (2005), für den er international mehrfach ausgezeichnet wurde. Zwei seiner Romane wurden verfilmt: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (2014), für das er den Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury erhielt, und „Margos Spuren“ (2015).

Klappentext:

Liebe ist keine Wissenschaft – oder doch?

Katherine V. fand Jungs eklig.
Katherine X. wollte, dass sie nur Freunde bleiben.
Katherine XIX. brach ihm das Herz.

Zum Inhalt:

Colin Singleton ist ein Wunderkind, dessen größte Angst es ist, niemals ein wahrhaftiges Genie zu werden, nie etwas wirklich Großartiges zu erfinden oder zu vollbringen und irgendwann in Vergessenheit zu geraten. Er hat eine Schwäche für Anagramme und für Mädchen namens Katherine – bereits 19 (!) Freundinnen mit diesem Namen haben ihm im Laufe seines 18jährigen Lebens verlassen. Colins einziger Freund Hassan ist ein gemütlicher, fauler, nicht besonders gläubiger Moslem. Gemeinsam machen sie sich nach Colins jüngster Trennung von Katherine XIX., seiner ganz großen Liebe, auf den Weg zu einer Fahrt ins Blaue, um den Kopf frei zu kriegen, Colins Liebeskummer zu überwinden und die freie Zeit vor dem College zu genießen. Außerdem will Colin eine mathematische Formel entwickeln, die die Haltbarkeit von Beziehungen voraussagen kann. Sie landen in dem kleinen Provinznest Gutshot in Tennessee, wo angeblich der österreichische Erzherzog Franz Ferdinand begraben liegt, und lassen sich von der Aushilfe des örtlichen General Stores, Lindsey Lee Wells, zur Gedenkstätte des Toten führen. Auf dem Weg dorthin verletzt sich Colin, als er über ein Stein stolpert und wird von Lindsey, glücklicherweise Krankenschwester in Ausbildung, erstversorgt. Und ehe sie sich versehen, sitzen Hassan und Colin fest in Gutshot und der rosaroten Villa von Lindseys Mutter, der die örtliche Textilfabrik gehört (die übrigens Tamponfäden herstellt) und haben zum ersten Mal in ihrem Leben einen richtigen  Job …

Meine Einschätzung:

Die Freundschaft zwischen Colin und Hassan wird durch ihre Reise zwar auf eine harte Probe gestellt, aber auch gefestigt, als die beiden ungleichen Jungen mehr Verständnis für ihre Macken und Ängste gewinnen. Die Dialoge der beiden sind oftmals zum Brüllen komisch. Sie kennen sich wie ein altes Ehepaar in- und auswendig und hauen Sprüche raus, die einfach Spaß machen. John Green versteht es, seinen Charakteren Tiefe zu geben, indem er sie mit Ängsten und Sehnsüchten ausstattet, die im Laufe der Geschichte aufgedeckt und überwunden werden. Natürlich darf auch ein taffes, attraktives Mädchen mit einer großen Klappe nicht fehlen: Lindsey hat zwar einen Freund (ebenfalls namens Colin, genannt: der andere Colin, DAC), wird aber im Laufe der Geschichte zunehmend interessanter für Colin – obwohl sie nicht mal Katherine heißt.

Colins Mangel an Sozialkompetenz, gepaart mit seinem Zwang zu logischen Denkmustern haben mich oftmals schmunzeln lassen. Hier ein kleiner Einblick in seine Gehirnwindungen:

„Colin blieb häufig an der Stelle hängen, wo er eigentlich das Mädchen küssen müsste. Er hatte zu diesem Thema sogar eine Theorie aufgestellt, die er die Theorie zur Minimierung des Zurückweisungsrisikos nannte (MZR): Da der Akt des In-den-Arm-Nehmens und Küssens ein erhöhtes Risiko der Zurückweisung birgt, sollte derjenige Teilnehmer beim Küssen die Initiative übernehmen, bei dem die Gefahr des Zurückgewiesenwerdens am geringsten ist.“ (S. 108, 109)

Die Idee mit der ungewöhnlichen Obsession für den Namen Katherine hat mir sehr gut gefallen. Im Laufe der Geschichte erfährt man schließlich auch, wie alle „Beziehungen“ abgelaufen und letztendlich gescheitert sind. Zum Thema Katherine hier noch ein schönes Zitat:

„Natürlich trank sie ihren Kaffee schwarz. Alle Katherines tranken ihren Kaffee schwarz. Katherines mochten ihren Kaffee so, wie sie ihre Exfreunde mögen: bitter und unbekömmlich.“ (S. 110)

Natürlich kommt Colin irgendwann über K-19 hinweg und ihm eröffnen sich plötzlich völlig neue Einsichten ins Leben und die Aussicht auf die Zukunft mit einer Freundin, die zur Abwechslung mal nicht Katherine heißt.

Weil wir alle Buchliebhaber sind, hier noch ein schönes Zitat zum Thema Bücher im Kontext der Geschichte:

„Ohne Katherine und ohne das Theorem und ohne die Hoffnung, je etwas Wichtiges zu leisten, war nicht viel übrig. Wenigstens die Bücher waren ihm geblieben. Bücher waren die ultimativen Sitzengelassenen: Leg es weg und es wird immer auf dich warten; schenk ihm Aufmerksamkeit und es liebt dich immer zurück.“ (S. 155)

Es gibt noch mehr tolle Zitate, aber das führt hier doch zu weit – sonst schreibe ich noch das halbe Buch ab.

In 81 Fußnoten werden übrigens viele Fakten erläutert und Dinge erklärt, die Colin in seinem Wunder-Gehirn gespeichert hat – so lernt man tatsächlich noch etwas beim Lesen.

Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen, nicht nur wegen der originellen Idee, der skurrilen Figuren, dem tragisch-komischen Helden der Geschichte, sondern auch wegen den vielen eingestreuten Lebensweisheiten und der darin enthaltenen Alltagsphilosophie.
Noch eine kleine Warnung: Im Buch taucht immer mal Mathematik auf, die muss man nicht verstehen, wird aber sehr witzig und geduldig u. a. im Anhang von einem mit dem Autor befreundeten Mathematikprofessor erklärt. So macht Mathe tatsächlich Spaß! Und wenn ich das sage, will das was heißen, denn ich war immer, ich betone IMMER eine Matheniete.

Fazit:

Ein typischer John Green: witzig, herzlich, philosophisch. Bei der Lektüre lernt man sogar noch etwas für’s Leben. Klare Empfehlung!

4 Sterne

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