Meine Rezension zu „Das Juwel – Die Gabe“ von Amy Ewing


Autorin:
Amy EwingBuchcover

Erscheinungsdatum: 20.08.2015

Veröffentlicht bei Fischer Jugendbuch

Umfang: 444 Seiten

Genre: Jugendbuch / Dystopie / Fantasy

ISBN: 978-3-8414-2104-3

Preis: 16,99 €

Mehr Infos hier

Die Autorin:

AMY EWING ist in einer Kleinstadt in der Nähe von Boston aufgewachsen und hat in New York Kreatives Schreiben studiert. Die Autorin wohnt im New Yorker Stadtteil Harlem und verbringt ihre Zeit mit Schreiben, Käse essen und gelegentlichem Schauen von »Vampire Diaries«-Folgen. Quelle

Klappentext:

„Darf ich dir eine Frage stellen, Nummer 197?“, sagt Lucien leise. „Willst du dieses Leben?“

Prunkvolle Schlösser, schöne Kleider, rauschende Feste. Stell dir vor, du wirst aufgrund deiner Begabung für ein solches Schwelgen im Luxus ausgewählt. Du darfst im Palast der Herzogin wohnen. Aber was passiert, wenn du ihr trotz deines herausragenden Talents und deiner außergewöhnlichen Schönheit nicht geben kannst, was sie verlangt?

Hinter den glänzenden Fassaden des Juwels lauern Manipulation, Gewalt und Tod.

Zum Inhalt:

Eine Insel im tosenden Meer, irgendwann in der Zukunft: Die Überlebenden leben in der „Einzigen Stadt“, die in fünf voneinander getrennte Kreise aufgeteilt ist:
– Der Sumpf: dort leben die meisten Bewohner der Insel in sehr ärmlichen Verhältnissen
– Der Schlot: dort befinden sich die Fabriken der Stadt, von Rauch übersät, die Arbeit ist sehr gefährlich
– Die Farm: riesige Landwirtschaftsfläche, auf der die Nahrungsmittel angebaut werden
– Die Bank: gehobener Kreis, in dem die Kaufleute ihren Geschäften nachgehen
– Das Juwel: Sitz des Adels, der die Stadt beherrscht

Violet Lasting ist 16 Jahre alt und ein sogenanntes Surrogat. Da die adligen Damen des Juwels selbst keine gesunden Kinder zur Welt bringen können, sind sie auf die besonderen Fähigkeiten der Surrogate angewiesen. Jedes Jahr findet eine Auktion statt, bei der die adligen Damen auf 200 Surrogate bieten können und sie somit kaufen. Diese werden dann künstliche befruchtet und tragen die Kinder ihrer Herrscherinnen aus, dabei sind sie durch ihre speziellen Fähigkeiten in der Lage, Aussehen, Gesundheit und Charaktereigenschaften des Babies zu formen.
Nachdem sie vier Jahre in einer sogenannten Verwahranstalt gelebt hat, in der ihre besonderen Fähigkeiten ausgebildet wurden, wird Violet als eines der zehn begehrtesten Surrogate bei der diesjährigen Auktion von der Herzogin vom See ersteigert. Das Haus vom See ist eines der vier Gründungshäuser des Juwels, die Herzogin somit besonders einflussreich und mächtig. Ihre Familie und Freunde sieht Violet nie wieder, sie verliert ihren Namen und ihre Identität und geht als deren Eigentum in den Besitz der Herzogin über. In ihrem neuen „Zuhause“ mangelt es Violet zwar an nichts Materiellem, doch sie merkt schnell, dass sie die Herzogin besser nicht verärgern sollte, denn hinter den Türen des Palastes herrschen Kälte, Gewalt und Demütigung. Nicht immer ist sie in der Lage diese stillschweigend hinunterzuschlucken und so lernt sie mehr als einmal die dunkle, gefährliche Seite ihres neuen Lebens kennen.
Auf der Tagesordnung stehen schmerzhafte medizinische Untersuchungen und dazu im Gegensatz ausschweifende Feste und Empfänge, bei denen sich Violet stumm und demütigend geben muss. Die einzigen Hoffnungsschimmer in Violets Leben sind Lucien, Zofe der Fürstin, der ihr helfen will und Ash, Gefährte der Nichte der Herzogin, in den sie sich Hals über Kopf verliebt …

Meine Meinung:

Die Geschichte um Violet zieht den Leser sofort in ihren Bann. Viele Aspekte sind zwar nicht neu (zukünftige, aufgeteilte Gesellschaft, Identitätsberaubung der Protagonistin, Aufbegehren, Gewalt …), wohl aber der Kontext, in dem die Geschichte spielt: Leihmutterschaft, adelige Kreise und prunkvoller Luxus.
Die schier endlosen Beschreibungen der vielen Gemächer und Paläste sind lebendig und ausschweifend (Harald Glööckler hätte seine helle Freunde daran), aber für mich waren sie auch oftmals ermüdend und wiederholten sich gefühlt ständig. Im Nachhinein kann ich die verschiedenen Adelshäuser immer noch nicht gut auseinanderhalten oder wiedergeben, was diesen von jedem Palast nun unterscheidet.
Die Charaktere hingegen sind allesamt überzeugend. Ihre starken Motive und daraus resultierenden Handlungen waren für mich als Leser stets nachvollziehbar, auch die Namen sind unglaublich gut und sehr passend gewählt. Über jeden Charakter erfährt man etwas Persönliches und so erscheinen selbst die „Guten“ oder die „Bösen“ nicht nur schwarz oder weiß. Auch die Nebencharaktere (z.B. die anderen Surrogate der Herrscherinnen) bleiben nicht farblos oder flach, obwohl man über sie sehr wenig erfährt.
Der Schreibstil ist locker und flüssig, der Satzbau meist kurz und knapp und somit nicht besonders anspruchsvoll, aber eben angenehm leicht zu lesen.
Besonders hat mir die Liebesgeschichte zwischen Violet und Ash gefallen. Die beiden dürften natürlich gar nicht zusammen sein, geschweige denn überhaupt miteinander reden. Ash ist ausgebildeter Gefährte, also eine Art Verführer und Casanova für die reichen Damen, denen er beibringen muss, wie sie sich korrekt verhalten müssen, um einem Mann zu gefallen (merkwürdige Vorstellung, ich weiß). Genau wie Violet hat er im Grunde keine eigene Identität mehr, er wird ebenfalls „gekauft“ und nach getaner Arbeit an die nächste Damen weitergereicht. Wie Violet wird von ihm erwartet, seinen Körper zur Verfügung zu stellen und auch er hat seine Familie verloren. Die beiden haben viel gemeinsam und das macht ihre Liebe so wertvoll und gleichermaßen zerbrechlich. Auch wenn Ash für meinen Geschmack zu plötzlich in der Geschichte erscheint und Violet sich Hals über Kopf, vor allem in sein Äußeres, verliebt, bevor sie sich erst näher kennenlernen, gibt diese verbotene Liebe Violets ganzem Handeln eine völlig neue Richtung. Durch Ash lernt sie selbst neue Seiten an sich kennen, lernt, was Liebe bedeutet und was es heißt, sie zu beschützen.
Ich muss zugeben, die ersten 300 Seiten waren nett, richtig umgehauen hat mich das Buch bin dahin jedoch noch nicht. Richtig spannend wurde es erst im letzten Viertel der Geschichte. Sie entwickelt sich von da an zügiger, es gibt endlich einige (wenn auch durchaus vorhersehbare) Wendungen, bis es schließlich zum großen Showdown und wirklich gemeinen Cliffhanger am Schluss kommt.
Ich bin sehr gespannt, wie es in Band zwei (bis jetzt nur auf Englisch erschienen) weitergehen wird. Die Autorin hat auch bereits „Ableger“ zur eigentlichen Buchserie herausgebracht, die dann wohl ähnlich wie bei Selection als Kurzgeschichten erscheinen werden.
Wer die „Shatter me“-Reihe von Tahereri Mafi mochte und nichts gegen Prunk, Glamour und Luxus einzuwenden hat, dem könnte „Das Juwel – Die Gabe“ auch gefallen. Das gleiche gilt für „Alles was wir geben mussten“ von Kazuo Ishiguro, einem von mir sehr empfohlenen Buch mit ganz ähnlichem Grundthema.

Fazit:

Eine gelungene, etwas andere Dystopie mit einer starken, mutigen Protagonistin, die sich nicht nur auf sich alleingestellt in einem prunkvollen Albtraum zurechtfinden muss, sondern dabei auch nicht vergessen darf, wer sie ist, was sie ausmacht und wen es zu schützen gilt.

4 Sterne

5 Gedanken zu “Meine Rezension zu „Das Juwel – Die Gabe“ von Amy Ewing

  1. Hey 🙂

    Ehrlich gestanden war für mich die Liebesgeschichte eines der schwächsten Elemente des Buches. Bis Ash auftauchte, hat es mir nämlich durchaus gefallen. Ab Auftritt Ash allerdings verhält sich Violet dumm, dümmer, am dümmsten …

    Hals über Kopf verlieben, okay, aus Verliebtheit Dummheiten machen, auch okay, aber in Summe hätte ich Violet trotzdem für klüger gehalten. Wenn man in so einer Welt aufwächst, sollte einem doch bewusst sein, was man tun und was lieber vermeiden sollte (Gerade bei der Sex-Szene hätte ich ihr was erzählt, gebe ich zu 😉 ) …

    Trotzdem habe ich mich dabei ertappt, dass ich wissen möchte, wie es weitergeht. Vielleicht wird es ja mal für das englische E-Book einen Sonderpreis geben. Das erste war ja mit 36 Cent fast geschenkt.

    Liebe Grüße
    Ascari

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