Rezension zu „Dreißig Gründe, mit den Haaren zu knirschen und sich die Zähne zu raufen“ von Frank Goldammer

Autor: Frank Goldammergoldammer

Erscheinungsdatum: 15.09.2015

Veröffentlicht bei: Zwiebook

Umfang: 179 Seiten

Genre: Kurzgeschichten / Satire

ISBN: 978-3943451207

Preis: 10 €

Mehr Infos: hier

Der Autor:

Frank Goldammer wurde 1975 in Dresden geboren, wo er noch immer lebt. Mit Anfang zwanzig begann er zu schreiben und hat bis heute mehrere Romane, Krimis und Kurzgeschichten veröffentlicht. All seine Werke haben einen Bezug zu seiner Heimatstadt Dresden.

Klappentext:

Ist es nicht furchtbar? All diese Sorgen jeden Tag! All dieser wiederkehrende Krimskrams, der Ihnen die Lebensfreude raubt! Erschöpft fallen Sie abends auf die Couch, doch wenn man Sie fragt, was denn so schlimm ist, dann wissen Sie sich gar nicht auszudrücken. Denn es ist alles und doch nichts. Kinder, Arbeit, Urlaub, Verkehr, Rentner, Nachrichten, Telefon … Ist es nicht herrlich, dass jemand da ist, der sich die Zeit nimmt und mit spitzer Feder beschreibt, was Sie tagtäglich auslaugt? Frank Goldammer verschafft Ihnen ein Ventil. Er zeigt: Sie sind nicht allein! Und er sagt Ihnen, wie man mit schwarzem Humor alles überstehen kann.

Meine Meinung:

Manchmal hab ichs gern kurz und knackig – und dann greife ich gerne mal zu einem Kurzgeschichtenband. Ich habe schon einige gelesen, auch von namenhaften Autoren, die mich jedoch meist nur mäßig begeistern konnten. Zu gewollt, zu überheblich, zu arrogant, zu langweilig – war alles schon dabei. Als ich dann gehört habe, dass mein Lieblingssachse zwei satirische Kurzgeschichtenbände im Zwiebookverlag veröffentlicht, wollte ich sie unbedingt lesen. Ich mag derbe Sprüche, bösen Humor, trockenen Humor und spitze Zungen. Bei Frank Goldammer konnte ich mir sofort vorstellen, dass er viel Humorvolles zu erzählen hat. Woher ich das weiß? Unter anderem von seiner Facebookseite. Wer diese noch nicht kennt, sollte sie sich unbedingt mal ansehen. Dort gibt es nicht nur tolle Gewinnspiele (ich war auch schon eine glückliche Gewinnerin!), sondern vor allem super wackelige Handyvideos in bestem Dresdner Dialekt. Seitdem ich in Oberfranken wohne, weiß ich den guten alten sächsischen Dialekt noch mehr zu schätzen und vermisse ihn schwer. Somit bringen Franks Handyvideos ein Stückchen Heimat zurück in mein neues tristes Kleinstadtleben. Und auch in seinen Geschichten fällt mal das ein oder andere sächsische Wort („auf die Gusche fallen“, „nüscht“ usw.), was mich immer sehr freut.
So, genug der Vorworte. Kommen wir zum Buch. Ich fange mal mit den äußeren Werten an: ich hatte ja schon einige Verlagsprodukte in der Hand, deren Qualität nicht annähernd so gut war wie diese schlanke Broschur mit Klappen. Da gibt’s also schon mal gar nix zu meckern. (Ja, ich bin ein oberflächlicher, optischer Mensch – ich gebe es gern und bereitwillig zu.)
Aber nun zum wirklich Wichtigen, dem Inhalt: als Vater von Zwillingen im Vorschulalter, aufmerksamer Beobachter der Umwelt und Analytiker der kleinen und großen Ereignisse des Alltags lässt der Autor uns an seinen ganz persönlichen Gedanken und Erfahrungen teilhaben. In vielen Geschichten habe ich mich selbst wiedererkannt und fast immer gibt es was zum Schmunzeln. Sehr sympathisch finde ich, dass er sich selbst nicht zu ernst nimmt und sogar seine eigene Familie „ihr Fett wegkriegt“, vor allem die Kinder. Es gab keine Geschichte, die mich gelangweilt hätte, sogar wenn es um Fußball geht, und das will schon was heißen. An andere Kurzgeschichtenbände habe ich wie gesagt weniger gute Erinnerungen.
Meine Lieblingsgeschichte ist übrigens „Von wegen – nur mal kurz einkaufen“ (S. 26 – 31), in der der alltägliche Wahnsinn im Supermarkt sehr anschaulich beschrieben wird. Vor allem der gedankliche Schlagabtausch zwischen dem gehetzten Einkäufer und der bitterbösen Kassiererin haben mich sehr zum Lachen gebracht. Aus dieser Geschichte habe ich ein hübsches Zitat herausgesucht:

„Sollten Sie bei solch einer Gelegenheit einmal in einen Stau geraten, habe ich einen Tipp, wie Sie sich die Zeit vertreiben können: Vertauschen Sie einfach ein paar Waren in den herrenlos herumstehenden Wagen und beobachten Sie die Verwirrung, die dadurch entsteht. Achten Sie dabei aber auch auf Ihren eigenen Einkaufswagen; nicht nur einmal bin ich mit zwei Packungen Damenbinden oder einer CD der Wildecker Herzbuben nach Hause gefahren.“ (S. 27)

Lernen kann man bei der Lektüre auch noch so Einiges. Zum Beispiel, wie man mit kleinen Kindern umgeht (oder auch nicht), warum bei einem Reh, das die Fahrbahn kreuzt, Obacht geboten ist, wie die Verständigung in Schweizer Restaurants funktioniert und was es bedeutet, wenn man in London angehupt wird.

„Wenn in Deutschland jemand hupt, heißt das meist: He, du Blödmann! Du Idiot! Die Ampel ist sein einer Zehntelsekunde grün! Und außerdem ist dein Auto viel hässlicher als meins und ich kann viel besser und schneller fahren! Und außerdem habe ich sowieso immer recht, weil ich nämlich in meinem Auto sitze!“ (S. 43)

Sehr unterhaltsam fand ich auch ein Kapitel über den (ganz normalen) Shopping-Wahnsinn seiner Lebensgefährtin, die erst gefühlte zehn Läden abklappern muss, bevor sie dann doch das Teil aus dem ersten Laden kauft. Kennen wir doch alle oder? Aber unsere armen Männer … Ich kann ihn ja schon verstehen, den Frank.
Überhaupt gibt er sehr viel Persönliches preis, jedenfalls kommt das beim Leser so an und das macht ihn noch sympathischer. So mangelt es auch nicht an Ratschlägen über das Verhalten kurz nach einer Scheidung. Nicht schön, aber pragmatisch und tragisch-witzig allemal.
Insgesamt habe ich die Geschichten fast komplett am Stück verschlungen und wurde dabei rundum gut unterhalten. Für meinen Geschmack hätte es ruhiger noch ein bisschen spitzer und bösartiger sein können, aber da lasse ich mich mal vom Nachfolgeband „Achtung! Kann Spuren von Zynismus enthalten“ überraschen, der ja genau das verspricht. Um noch ein bisschen Luft nach oben zu lassen, gebe ich dem Buch deshalb 4,5 von 5 Sternen und möchte noch anmerken, dass es bestimmt bei dem ein oder anderen aus meiner Familie dieses Jahr unter dem Weihnachtsbaum landen wird.

4 1_2 SterneFazit:

Rundum unterhaltsame Geschichten zu Gedanken und Beobachtungen über all die kleinen und großen Dinge, die unseren Alltag bestimmen. Mal bitterböse, mal nachdenklich stimmend, immer selbstironisch. Klare Empfehlung!

3 Gedanken zu “Rezension zu „Dreißig Gründe, mit den Haaren zu knirschen und sich die Zähne zu raufen“ von Frank Goldammer

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