Rezension zu „Du neben mir – und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon

Du neben mirAutorin: Nicole Yoon

 Erscheinungsdatum: 17.09.2015

Veröffentlicht bei: Dressler

Umfang: 331 Seiten

Genre: Realistisches Jugendbuch

ISBN: 978-3791525402

Preis: 16,99 €

Mehr Infos hier.

Die Autorin: 

Nicola Yoon, geboren 1972, ist auf Jamaica und in Brooklyn groß geworden. Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann, der das Artwork zu ihrem Buch gestaltet hat, und der gemeinsamen Tochter in Los Angeles. »Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt« ist ihr literarisches Debüt. Quelle

Klappentext:

Ich lasse den Blick durch mein weißes Zimmer schweifen. Das alles ist sicher und vertraut und ändert sich nie. Ich denke an Olly. Er ist das genaue Gegenteil von all diesen Dingen. Er ist nicht sicher. Nicht vertraut. Ständig in Bewegung. Er ist das größte Risiko von allem.

Wenn ihr Leben ein Buch wäre, sagt Madeline, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern: Heute ist genau wie gestern und morgen wird sein wie heute. Denn Madeline hat einen seltenen Immundefekt und hat ihr Leben lang nicht das Haus verlassen. Doch dann zieht nebenan ein Junge ein – geheimnisvoll, anziehend und mit Augen so blau wie der Ozean.
Und Madeline weiß plötzlich, sie will alles: das ganze große, echte, pulsierende Leben – und sei es nur für einen Tag! Und sie ist bereit, dafür alles zu riskieren.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Da wäre zum einen das Cover, das aussieht wie die kunstvoll bemalte Seite aus einem Notizheft. Die vielen verschiedenen Motive in bunten, knalligen Farben repräsentieren das Leben, das Madeline aufgrund ihrer Krankheit nicht haben kann. Ein schönes Detail: Auch der blanke Buchdeckel unter dem Schutzumschlag ist genauso schön gestaltet. Das kenne ich normalerweise nur in schwarz / weiß. Ich habe diese Art von Cover hier zum ersten Mal gesehen und war total begeistert. Ein kleines Kunstwerk, das sich auch im Inneren des Buches fortsetzt. Denn auch wenn die Geschichte überwiegend im Präsens von der Ich-Erzählerin Madeline geschildert wird, so handelt es sich hier keineswegs um einen „klassischen“ Roman, wie ihr und ich ihn kennen. Zwischen den angenehm kurzen Kapiteln finden sich viele weitere Zeichnungen, außerdem gibt es Listen, Auszüge aus Krankenakten, fotokopierte Seiten von Notizheften und noch vieles mehr zu entdecken. Mir gefallen die geradlinigen, einfachen und doch sehr professionellen Zeichnungen sehr. Durch die graphischen Unterbrechungen des reinen Fließtextes war die Lektüre dieses Buches war so angenehm anders und ich habe das sehr genossen.
Und auch inhaltlich hat diese außergewöhnliche (Kranken)geschichte eine ganze Menge zu bieten. Die 18-jährige Protagonistin ist klug, witzig, sympathisch und optimistisch. Trotz ihrer seltenen Krankheit, die ihr Leben auf den Umgang mit nur zwei Personen (ihre Mutter und ihre Vollzeitkrankenschwester) beschränkt, verliert sie weder den Mut noch den Lebenswillen. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist das Lesen. Bis der attraktive Nachbar Olly nebenan einzieht, lebt Madeline ziemlich genügsam.
Die sich langsam und auf sehr witzige Weise anbahnende Liebesgeschichte konnte mich sofort überzeugen. Aus pantomimischen Unterhaltungen von Fenster zu Fenster werden E-Mail-Korrespondenzen und schließlich erlaubt ihre Krankenschwester Madeline sogar einige, streng reglementierte Besuche von Olly im Haus. Die beiden sind völlig unterschiedlich und dennoch fühlen sich sofort voneinander angezogen. Obwohl Ollys Besuche eigentlich viel zu gefährlich für Madeline sind, halten beide daran fest und kommen sich schließlich näher. Doch dann kommt es, wie es kommen musste: die geheimen Treffen fliegen auf, Madelines Mutter verbietet ihr den Umgang mit Olly, kappt ihr das Internet – und Madeline leidet. Und hier kommt auch schon mein einziger Kritikpunkt: an dieser Stelle war mir die Protagonistin zu ruhig, zu vernünftig und zu verständnisvoll ihrer Mutter gegenüber. Für eine 18-jährige, der man gerade den Kontakt zu ihrer ersten großen Liebe verbietet, fehlt mir hier der Zündstoff (der kommt aber später noch).
Nachdem sie einmal erfahren hat, was es heißt verliebt zu sein und wie schön die Welt sein kann, will Madeline mehr. Hier wird die Geschichte so richtig spannend. Und das Ende hat mich dann völlig umgehauen. Es gibt eine Wendung, die für mich absolut nicht vorauszusehen war und mich gleichermaßen verblüfft wie schockiert hat. Es ist auf jeden Fall richtig gut gelungen.
Die Hauptaussage der Geschichte lautet: Das Leben ist ein Geschenk. Abgesehen von dieser Botschaft gibt es viele weitere kleine und große Lebensweisheiten, die Madeline entdeckt. Und diese Wahrheiten, erkannt von einem kranken, eingeschränkten Mädchens haben mich persönlich tief berührt und einige Dinge überdenken lassen. Manchmal braucht es ein solches Buch, um die eigenen kleinen und großen Geschenke des Lebens mal wieder wertzuschätzen.

Hier kommen einige meiner liebsten Zitate:

Ich stelle mir außerdem vor, wie ich hoch über der Erde schwebe. Vom Rand des Alls aus kann ich die ganze Welt auf einmal sehen. (…) Ich sehe die Unendlichkeit. Zum ersten Mal seit langer Zeit will ich mehr, als ich habe. (S. 93)

Er stemmt sich mit seiner üblichen mühelosen Grazie in den Handstand. Wieder bin ich überwältigt, wie friedvoll er in der Bewegung wirkt. Sein Körper ist sein Fluchtweg aus dieser Welt, während ich in meinem gefangen bin. (S. 130)

Alles, was ich über die Welt weiß, habe ich aus Büchern. Aber die Beschreibung eines Baums ist kein Baum und tausend Küsse auf Papier sind nicht dasselbe wie das Gefühl von Ollys Lippen auf meinen. (S. 178-179)

Wir wissen, dass ich krank bin. Dass ich das Haus nicht verlassen darf, weil ich dann sterbe. Das habe ich immer gewusst. Das ist es, was mich ausmacht. (S. 290-291)

Für dieses außergewöhnliche schöne Buch gebe ich volle Punktzahl.

5 Sterne

Fazit:

Ein wunderbares Buch und außerdem ein kleines Kunstwerk, das dem Leser nicht nur eine scheinbar unmögliche, sehnsuchtsvolle Liebesgeschichte bietet, sondern ihn gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Unbedingt lesen!

5 Gedanken zu “Rezension zu „Du neben mir – und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon

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