Rezension zu „Vom Inder, der mit dem Fahrrad nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“ von Per J. Andersson

inder
Autor: Per J. Andersson

Erscheinungsdatum: 02.04.2015

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Umfang: 318 Seiten

Genre: Biographie

ISBN: 978-3462047479

Preis: 14,99 €

 


Der Autor:


Per J. Andersson ist Journalist und Schriftsteller mit Schwerpunkt Indien. Er ist Mitbegründer von Schwedens bekanntestem Reisemagazin Vagabond und ist in den letzten 30 Jahren mindestens einmal jährlich nach Indien gereist. Quelle

Klappentext:

Die wahre Geschichte einer großen Liebe

Pikay lernt 1975 in New Dehli durch Zufall die junge Schwedin Lotta kennen und verliebt sich unsterblich in sie. Als Lotta zurück nach Schweden geht, setzt sich Pikay kurz entschlossen auf ein altes Fahrrad und fährt ihr hinterher …

Zum Inhalt:

Diese Geschichte erzählt vom unglaublichen Schicksal des kastenlosen Pradyumma Kumar, genannt Pikay. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, kennt er nur Extreme: Mal wird der talentierte Portraitzeichner von Indira Ghandi eingeladen, um sie zu malen, mal muss er hungern und schläft auf der Straße. Eines Abends taucht neben seiner Staffelei ein blondes Mädchen auf – und eine unglaubliche Liebesgeschichte nimmt ihren Anfang. Als Lotta zurück nach Schweden geht, stehen die Chancen schlecht um die beiden – wäre da nicht ein altes Fahrrad. Damit macht sich Pikay auf den Weg, um die 7.000 km von Asien nach Europa zurückzulegen. Auch zahlreiche Rückschläge können ihn nicht aufhalten, bis er schließlich tatsächlich in der Heimat Lottas ankommt, einer völlig anderen Welt …

Um das Happy End gleich zu verraten: Heute sind die beiden seit über 35 Jahren verheiratet, haben zwei Kinder und leben auf einem alten Bauernhof in der Nähe von Boras in Schweden.
(Quelle: innerer Klappentext)

Meine Meinung:

Was für eine unglaubliche Geschichte! Der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht und auch das vorneweg verratene Ende hat mich nicht abgehalten, die Lebensgeschichte von Pikay Stück für Stück nachlesen zu wollen.
Es ist eine Geschichte wie im Märchen: Pikay wächst als armer Junge in einem kleinen Dorf im indischen Dschungel auf. Er gehört einer der untersten Kasten an, gilt als „unberührbar“ und ist in seiner streng religiös geprägten Heimat nicht mehr wert als ein Stück Dreck. Die Kinder aus höheren Kasten dürfen nicht mit ihm spielen, ihn nicht mal berühren, in der Schule wird er vom Klassenkollektiv ausgeschlossen und muss dem Unterricht von der Veranda aus folgen. Seine Mutter ist Analphabetin, sein Vater trägt die Post in einer entfernten Stadt aus und kommt nur an einem Tag die Woche nach Hause. Je älter Pikay wird, desto mehr tritt seine unbeschwerte Kindheit in den Hintergrund und er muss auf die harte Tour lernen, was es heißt, einer niedrigen Kaste anzugehören und von allen ausgegrenzt, beschimpft und verjagt zu werden. Oftmals weint er sich bei der Mutter aus, seiner einzigen Bezugsperson. Sein künstlerisches Talent, das er von der Mutter geerbt hat, ermöglicht es ihm später, auf eine Kunstschule zu gehen und das Dorf zu verlassen. Er erhält schließlich sogar ein Stipendium für eine renomierte Kunsthochschule in Neu Dehli. Zum ersten Mal ist es egal, welcher Kaste er angehört – in der pulsierenden, modernen Großstadt interessiert die Kastenzugehörigkeit niemanden mehr. Als plötzlich die Stipendienzahlungen ausbleiben, muss sich Pikay ohne Geld durchschlagen, schläft unter Brücken und auf dem Bahnhof, hungert und versucht sogar Selbstmord zu begehen. Da entdeckt er das Portraitzeichnen für sich und wird zum Touristenmagneten und gefragten Künstler. Hohe Beamte, Präsidenten und andere ranghohe Politiker werden auf ihn aufmerksam. Seine Kunst öffnet ihm die Herzen und Türen seiner Gönner. Als er Lotta kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick …
Pikays Geschichte ist in einem nüchternen Plauderton geschrieben, fast so als würde der Autor sie einem guten Bekannten erzählen. Das Buch liest sich unglaublich schnell und flüssig, geschrieben zuerst in der Vergangenheitsform und als Pikay sich schließlich auf seinem Fahrrad auf die lange Reise nach Schweden macht, in der Gegenwartsform. Im Prolog und Epilog kommt Pikay selbst zu Wort.
Der Leser erfährt viel über die Geschichte Indiens, die Bedeutung von Religion und jahrhundertealter Tradition, leidet und freut sich gemeinsam mit Pikay. Vor allem die zahlreichen herben Rückschläge, die er überwinden muss, um an seine Ziele zu gelangen, machen die Geschichte so authentisch und spannend. Pikays liebenswerte, naive Art führt zu einigen missverständlichen Situationen, über die ich beim Lesen sehr lachen musste. Die zahlreichen selbstlosen Hilfestellungen, die er während seiner Reise von Menschen aus aller Herren Ländern erhält, haben mich sehr gerührt.

„Er ist ein armer Dorfjunge und ein erfolgreicher Großstadtmensch. Er besitzt nichts, aber hat alles. (…) Sein bisheriges Leben ist ereignisreicher verlaufen, als er sich je hätte träumen lassen, und dennoch kommt er sich immer noch unerfahren vor, glaubt jedes Wort von dem, was die Leute ihm erzählen, und ist begierig, Neues zu lernen. Dreimal hat er versucht, sich umzubringen, ist fast verhungert, und dennoch ist er ein unbekümmerter, ja, glücklicher Mensch.  Er glaubt an das Schicksal und an die Tradition, doch wird er sich nur frei machen können, wenn er das Alte hinter sich lässt.“ (S. 257 – 258)

Das Buch zeigt, dass man an seine Ziele glauben muss – egal, wie unmöglich sie scheinen. Für diese einzigartige, bewegende Geschichte, die mir sehr ans Herz gegangen ist, vergebe ich vier Sterne.

4 Sterne

Fazit:

Die inspirierende Lebensgeschichte eines armen Jungen aus dem indischen Dschungel, der in seinem entbehrungsreichen Leben viele Höhen und Tiefen durchlebt, bevor er das scheinbar Unmögliche erreicht  – durch die Kraft der Liebe.

Ein Gedanke zu “Rezension zu „Vom Inder, der mit dem Fahrrad nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“ von Per J. Andersson

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