Rezension zu „Mein Herz und andere schwarze Löcher“ von Jasmine Warga

herz schwarze löcher

Autorin: Jasmine Warga

Erscheinungsdatum: 23.04.2015

Veröffentlicht bei: Fischer Sauerländer

Genre: Realistisches Jugendbuch

Umfang: 379 Seiten

ISBN: 978-3737351416

Preis: 16,99 €

Mehr Infos hier.

Die Autorin:

Jasmine Warga lebt und schreibt in einem kleinen Dorf in Ohio. Sie glaubt daran, dass Ehrlichkeit das Allerwichtigste im Leben ist, und diese Ehrlichkeit kann jeder in ihren Texten spüren. Mit ›Mein Herz und andere schwarze Löcher‹ hat Jasmine Warga ein Debüt vorgelegt, das wie ein heller Stern am Himmel leuchtet. Quelle

Klappentext:

„Ich küsse ihn. Wir küssen uns! Ich versuche, mich nicht zu fragen, ob das nun richtig oder falsch ist. Mein Herz hämmert, und ich hoffe, dass sein Herz genauso wild klopft. Ich weiß, dass die Menschen einander seit tausend Ewigkeiten küssen, aber jetzt, in diesem Augenblick, fühlt es sich an, als wäre das Küssen ein Geheimnis, das nur Roman und ich kennen.“

Eine Geschichte über zwei, die den Tod suchen und die Liebe ihres Lebens finden

Mehr zum Inhalt:

Wenn dein Herz sich anfühlt wie ein gähnendes schwarzes Loch, das alles verschlingt, welchen Sinn macht es dann noch, jeden Morgen aufzustehen? Aysel will nicht mehr leben – sie wartet nur noch auf den richtigen Zeitpunkt, sich für immer zu verabschieden. Als sie im Internet Roman kennenlernt, scheint er der perfekte Komplize für ihr Vorhaben zu sein. Und während die beiden ihren gemeinsamen Tod planen, spürt Aysel, wie sehr sich auf die Treffen mit Roman freut, wie hell und leicht ihr Herz sein kann. Und plötzlich ist der Gedanke, das alles könnte ein Ende haben, vollkommen unerträglich … Aysel beginnt zu kämpfen. Um ihr Leben. Um sein Leben. Und um ihre gemeinsame Liebe.

Meine Meinung:

Anfangs war ich skeptisch, wie die Themen Depression und Selbstmord in einem Jugendbuch umgesetzt werden sollten, aber nachdem ich die Geschichte beendet habe, bin ich sehr beeindruckt.
Das Buch beginnt Mitte März, 26 Tage vor dem Datum, an dem Aysel und Roman ihren gemeinsamen Suizid planen. Die Geschichte wird aus Aysels Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Aysel ist eine Ausgestoßene, sie fühlt sich sogar fremd in ihrer eigenen Familie, kämpft mit ihrer Vergangenheit und ihren Schuldgefühlen und sieht keinen Sinn mehr darin, weiterzuleben. Trotzdem ist sie witzig und interessiert an der Welt, sie hört leidenschaftlich gern klassische Musik und liebt Physik. Dennoch kreisen ihre Gedanken unaufhörlich um den Tod und die Energie, die dabei freigesetzt wird. Aysel ist eine vielschichtige Protagonistin, deren Vergangenheit und die damit verbundenen Gründe für ihren Wunsch zu sterben, erst langsam aufgedeckt werden. Sie leidet an schweren Depressionen, die gut nachvollziehbar und sehr bildlich beschrieben werden. Sie nennt ihre Krankheit „die schwarze Qualle“, die alle positiven Gefühle in ihr auffrisst. Wer sich noch nicht mit dem Thema befasst hat, bekommt hier einen guten Eindruck von der Gefühlswelt eines Depressiven. Ihre Beweggründe und düsteren Gedanken sind stets nachvollziehbar, als Leserin habe ich mit ihr gelitten und gehadert.
Erst als Aysel Roman kennenlernt, lernt sie, was es heißt, (das Leben) zu lieben. Die sich langsam entwickelnden Gefühle zwischen den beiden sind wie eine zarte, zerbrechliche Pflanze. Obwohl beide glauben, dass es egal ist, was zwischen ihnen passiert, weil sie sowieso gemeinsam sterben werden, hofft der Leser bis zum Schluss, dass sich das Unvermeidliche doch noch abwenden lässt.
Die Sprache ist jugendlich, aber anspruchsvoll. Aysels Liebe zur klassischen Musik und Physik sind zwei Leidenschaften, die für mich im Jugendbuch neu waren und mich sehr berührten.
Obwohl man durch den Klappentext schon von einem guten Ausgang der Geschichte ausgehen kann, gibt es kein klassisches Happy-End. Mich hat der Schluss überzeugt, eben weil er nicht aalglatt und in „Alles wird gut“-Manier daher kommt. Insgesamt wirkt die Geschichte sehr realistisch und damit auch tief bedrückend.

Lieblingszitate:

Ich wette, wenn man mir den Bauch aufschneiden würde, dann käme die schwarze Qualle der Depression herausgekrochen. Schulpsychologen sagen immer: „Man muss nur positiv denken“, aber das ist unmöglich, wenn man etwas in sich hat, was jedes bisschen Glück sofort abwürgt, noch ehe man es richtig spüren kann. Mein Körper ist eine sehr effiziente Maschine zu Vernichtung schöner Gedanken. (S. 59)

Manchmal frage ich mich, ob mein Herz wie ein schwarzes Loch ist – eine Masse, so dicht, dass dort kein Raum für Licht bleibt. Aber das heißt trotzdem nicht, dass das schwarze Loch mit nicht aufsaugen kann. (S. 156)

Ich merke, dass ich ebenfalls anfange zu lächeln. Meine Wangenmuskeln fühlen sich anders an – sie sind wie ein Zimmer, in das seit Jahren kein Licht mehr gedrungen ist, und plötzlich werden alle Rollläden hochgezogen, und die Sonne scheint mit ganzer Kraft herein. (S. 285)

Ja, ich bin kaputt. Und er genauso. Aber je mehr wir darüber sprechen, je mehr wir über unsere Traurigkeit reden, desto mehr wage ich zu glauben, dass es eine Möglichkeit geben könnte, uns zu helfen und uns zu reparieren. Eine Möglichkeit, dass wir einander retten. (S. 290)

Für „Mein Herz und andere schwarze Löcher“ vergebe ich 4 Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus.

4 Sterne
Fazit:

Ein wichtiges Buch mit einer ernsten Message. Die fesselnde Story, die beiden kaputten, liebenswerten Protagonisten und der leise Schimmer Hoffnung, der durch die dunklen Ecken der Geschichte scheint, machen das Buch zu einem absoluten Must-Read.

2 Gedanken zu “Rezension zu „Mein Herz und andere schwarze Löcher“ von Jasmine Warga

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