Rezension zu „Are you finished? – No, we are from Norway“ von Sophie Seidel

are your finished

Autorin: Sophie Seidel

Erscheinungsdatum: 20.04.2015

Veröffentlicht bei: Blanvalet

Genre: Humorisitisches Sachbuch

ISBN: 978-3734100536

Preis: 8,99 €

Mehr Infos: hier

Die Autorin:

Sophie Seidel ist Autorin und Journalistin. Sie schreibt in verschiedenen Genres unter Pseudonym. Zusätzlich zu ihrer publizistischen Tätigkeit arbeitet sie seit Jahren als Kellnerin in der Münchner Gastronomie. „Are you finished? No we are from Norway“ ist ihr erstes Sachbuch und schildert den selbst erlebten Wahnsinn, dem eine Kellnerin täglich ausgesetzt ist. Quelle

Inhalt:

Wer Menschenkenntnis entwickeln will, sollte Psychologie studieren – oder in der Gastronomie arbeiten. Denn: Die wahren menschlichen Abgründe tun sich dort auf, wo der Mensch isst, trinkt und am Stammtisch sitzt. Als Sophie Seidel sich als Kellnerin etwas Geld dazuverdienen will, geben ihr die Kollegen keine zwei Wochen. Sie beißt sich durch, stemmt Bierkrüge und vollgeladene Teller und hört nachts zum Abreagieren Metallica. Doch schuld am täglichen Irrsinn sind weder die Kollegen noch der diktatorische Koch: Es sind die Gäste, die Sophie Seidel an den Rand des Wahnsinns treiben … Ein humorvoller Bericht aus dem Leben einer Kellnerin.

Meine Meinung:

Weil ich zwischendurch gerne mal etwas Leichtes, Lustiges lese, war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Ich habe mir vor allem heitere Passagen über bekloppte Leute erhofft – und schlussendlich viel mehr bekommen.

Sophie Seidel beschreibt ihren Arbeitsalltag im Münchner Restaurant „Bräufassl“ in kurzen Kolumnen, die unter verschiedenen Themengebieten zusammengefasst sind. Der Name des Restaurants wurde geändert, ebenso wie die Namen der Kollegen und Kolleginnen.
Das Buch beginnt, als Sophie, die vorher in verschiedenen Tagescafés gearbeitet hat, die Stelle im Bräufassl annimmt. Schnell erkennt sie, dass die Arbeit in einem urbayrischen Wirtshaus eine völlig andere Welt ist, als der Alltag in einem Café. Knallharte Schichten, schwere Bierkrüge, Stress, Druck und ein rauer Umgangston sind an der Tagesordnung. Ihre Kolleginnen trauen ihr nicht viel zu, doch Sophie hält durch und wird schließlich eine von ihnen. Je länger sie im Bräufassl arbeitet, desto mehr beginnt sie, ihren Job zu mögen. Trotzdem bleibt da die Angst im Hinterkopf, dass einer der Gäste sie kennt. Schließlich ist  „nur Kellnerin“ zu sein kein Traumjob und erst Recht kein Aushängeschild. So müssen Sophie und ihre Kolleginnen sich mit so manch überheblichem Gast herumplagen, der sie für ungebildet hält und wie eine Leibegene behandelt. Noch schlimmer sind diejenigen, die weder „Bitte“ noch „Danke“ kennen und es auch nicht für nötig halten, Augenkontakt herzustellen oder gute Arbeit etwa mit Trinkgeld zu würdigen. Alles Dinge, die selbstverständlich sind – sollte man meinen. Stattdessen ist mir durch dieses Buch einmal mehr klar geworden, dass Menschen, die im Servicebereich arbeiten, oftmals wie der letzte Dreck behandelt werden. Jeder kennt die Sprichworte: „Behandle andere stets so, wie du selbst behandelt werden möchtest“ oder „Wie jemand mit einem „Untergebenen“ umgeht, verrät viel über den Charakter“. Und so wird auch hier deutlich, was sich eine Kellnerin tagtäglich bieten und gefallen lassen muss und dabei angehalten ist, stets freundlich zu lächeln.
Aber trotz der Aufklärung des gemeinen Lesers über den Arbeitsalltag und die Schwierigkeiten dieses Berufes steht im Buch doch der Humor im Vordergrund.

Die im Buch enthaltenen Kolumnen behandeln Themen wie erste Dates, witziges Englisch, Möchtegern-VIPs und ihre Allüren, typisches Verhalten ausländischer Touristen und männliches vs. weibliches Restaurantverhalten. Am Ende der Kapitel gibt es nochmal eine Top 5 Zusammenfassung der skurillsten oder schönsten Erlebnisse mit diesen Gästen.
Das Buch liest sich weg wie nichts und ist genau das Richtige, um nach einem langen Arbeitstag einfach mal die Füße hochzulegen und mit einem Grinsen im Gesicht zu entspannen.

Ich habe durch die vielen kleinen Geschichten ein tiefes Verständnis für die schwere Arbeit von Kellnern entwickelt. Der Blick hinter die Kulissen öffnete mir noch einmal zusätzlich die Augen über diesen Knochenjob. Unfassbar, was Kellner/innen tagtäglich für einen Hungerlohn leisten müssen, während sie sich gleichzeitig mit Vorurteilen herumschlagen, die es ihnen unmöglich machen, so etwas wie Stolz oder Ehrgefühl für ihren Beruf zu entwickeln. Und das ist doch wirklich schrecklich. Niemand, der einen Beruf aus Überzeugung ausübt und Spaß bei der Arbeit hat, sollte sich dafür schämen, einer bestimmten Berufsgruppe anzugehören. Jedem Job sollte mit Respekt begegnet werden.

Zwar steht bei diesem Buch der Humor eindeutig im Fokus, trotzdem regt es auch zum Nachdenken an. Teilweise habe ich über die Blödheit mancher Gäste Tränen gelacht, auf der anderen Seite hingegen war ich fast selbst ein bisschen melancholisch, als die Autorin am Ende die Arbeitsstelle wechseln musste.

Falls ihr jemanden in der Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis habt, der kellnert, wird er sich sicherlich über das Buch freuen und sich auch ein Stück weit selbst wieder erkennen. Aber auch allen Nicht-Kellnern möchte ich dieses „Sachbuch“ gerne ans Herz legen.
Von mir gibt es vier Sterne.

4 Sterne

Fazit:

Kurzweilig, witzig und gleichzeitig nachdenklich stimmend ist dieses Büchlein das perfekte Lesefutter für zwischendurch. Als Geschenk für alle Kellner gerne empfohlen, aber auch die „Gäste“ unter euch, die gerne etwas Heiteres lesen, sollten zugreifen.

Ein Gedanke zu “Rezension zu „Are you finished? – No, we are from Norway“ von Sophie Seidel

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