Rezension zu „Cry Baby“ von Gillian Flynn

cry baby
Autorin: Gillian Flynn

Erscheinungsdatum: 21.05.2015

Veröffentlicht bei: Fischer Taschenbuch

Genre: Thriller

Umfang: 331 Seiten

ISBN: 978-3596032020

Preis: 9,99 €

Mehr Infos: hier

Die Autorin:

Gillian Flynn ist mit ihrem dritten Buch >Gone Girl< eine weltweite Sensation gelungen: Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste, wurde mehr als 3 Millionen mal verkauft und in 40 Sprachen übersetzt. Die 20th Century Fox verfilmte den Stoff prominent mit Ben Affleck und Rosamunde Pike. Auch die beiden Vorgänger-Bände >Cry Baby< (erhielt gleich zwei >British Dagger Awards<) und >Dark Places< waren große Erfolge und wurden ebenfalls verfilmt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Chicago. Quelle

Inhalt:

›Babydoll‹ steht auf ihrem Bein. ›Petticoat‹ auf ihrer linken Hüfte. ›Böse‹ findet sich ganz in der Nähe. ›Girl‹ prangt über ihrem Herzen, ›schädlich‹ ist in ihr Handgelenk geritzt. Camille Preakers Körper ist übersät mit Wörtern. Wörtern, die sie sich in die Haut geritzt hat. Das letzte Wort, das sie sich einritzte, hieß ›verschwinden‹. Danach stellte sie sich. Den Therapeuten, aber auch ihrer Vergangenheit. In ihrer alten Heimatstadt Wind Gap wurden zwei Teenager entführt und ermordet. Camille Preaker soll den Fall für ihre Zeitung vor Ort recherchieren. Sie findet die Dämonen ihrer Kindheit. Und die verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sondern töten auch.

Meine Meinung:

Nachdem ich von „Gone Girl“ total begeistert war, wollte ich unbedingt noch ein Buch der Autorin lesen. Erst, nachdem ich „Cry Baby“ gekauft habe, wurde mir klar, dass es sich dabei um ihren Debütroman handelt. Weil ich auch zu diesem Buch viele positive Stimmen gelesen habe, war ich sehr gespannt, ob es mich genauso fesseln würde. Dem war leider nicht so. Die Story braucht eine ganze Weile, um in Fahrt zu kommen. Der Schreibstil ist routiniert und überzeugend, trotzdem packte mich die Geschichte leider nicht so unvermittelt und stieß mich auch nicht mitten ins atemlose Geschehen, wie es bei „Gone Girl“ war. Aber der Reihe nach …

Um über den Mord an zwei Schülerinnen zu berichten, besucht Camille Preaker, Anfang 30, ihre kleine Heimatstadt Wind Gap. Widerwillig zieht sie während der Recherchen in ihrem Elternhaus ein, das einem kleinen Palast ähnelt. Camilles Mutter, Adora Crellin, ist die Inhaberin der örtlichen Schweinefabrik, die sie reich gemacht hat. Die Beziehung zwischen Camille und ihrer Mutter ist gestört, um nicht zu sagen unterkühlt. Adora gibt offen zu, Camille nie geliebt und den Tod ihrer anderen Tochter Marian nie überwunden zu haben. Die dritte Tochter, Amma, gerade einmal 13 Jahre alt, scheint zwei Gesichter zu haben: zu Hause mimt sie das liebe Püppchen, das die Mutter sich wünscht, in der Schule hat sie das Sagen, quält und schikaniert ihre Mitschüler, kleidet und benimmt sich wie eine Schlampe. Camille, die zu der jungen Halbschwester so gut wie keine Beziehung hat, schwankt zwischen Faszination und Abscheu, war sie doch in ihrer Jugend ein ähnlicher Wildfang.
Während ihrer Recherchen, mit denen sie nur mühsam voran kommt, lässt sie sich auf den ermittelnden Detective aus Kansas ein. Richard ist gutaussehend und verrückt nach Camille. Trotzdem bekommt sie kaum brauchbare Informationen aus ihm heraus. Es sind ihre ehemaligen Mitschüler und alten Freundinnen, die sie langsam auf die richtige Fährte bringen. Während die halbe Stadt den trauernden Bruder des einen Opfers für den Täter hält, keimt in Camille langsam ein ungeheurer Verdacht. Nicht nur in Bezug auf die Morde an den beiden Mädchen, die gar nicht so brav waren, wie alle behaupten, sondern sie beginnt auch an der Todesursache ihrer verstorbenen Schwester Marian zu zweifeln. 

Camille ist eine zwiegespaltene Person. Das ungeliebte Kind, das den Tod ihrer Schwester nicht überwinden kann, sich selbst verletzt, bis kaum ein Zentimeter unversehrter Haut übrig bleibt, die Frau, die allen gefallen will – all diese Facetten spiegeln sich in ihr wider. Einsamkeit, Alkoholsucht, die schier unerfüllbare Sehnsucht nach Liebe ziehen sie immer tiefer in die Verwicklungen des Falles hinein, bis sie selbst vor intimen Beziehungen zum ermittelnden Detective und dem Hauptverdächtigen keinen Halt mehr macht.
Camille ist eine gebrochene Frau, die selbst nach der Aufklärung der Morde keine Ruhe findet. Es grenzt an ein Wunder, dass es am Ende doch noch irgendwie gut für sie ausgeht. Man wünscht ihr die ganze Zeit das Leben, das sie verdient, weiß aber doch, dass es aufgrund ihrer Kindheit kaum möglich sein dürfte.
Der Spannungsbogen baut sich langsam auf, doch wer dran bleibt, wird belohnt.
Gewalt ist das zentrale Thema dieses Thrillers: sowohl unkontrollierbare körperliche Gewalt, als auch psychische Gewalt, gegen andere und sich selbst gerichtet. Über all den grausamen Taten, die im Schoß der Familie Preaker / Crellin begangen wurden, schwebt die Frage: Ist Gewaltpotential vererbbar? Und wie viel Schuld hat die Erziehung bei der Entwicklung von ebendiesem Gewaltpotential?

Gillian Flynn zeichnet das Psychogramm einer kaputten Familie, bei der es schwer ist, Schuld von Unschuld und Täter von Opfern zu unterscheiden. All das Gute und Böse geht fließend ineinander über und lässt den Leser nur schwer wieder los. Diese Geschichte hallt noch lange nach, ähnlich wie die Bücher von Sebastian Fitzek, der von sich selbst sagt, er schreibt Familiengeschichte.
Einzig das Ende wurde mir etwas zu schnell abgehandelt. Nachdem sich die Autorin für den Anfang so viel Zeit ließ, hätte der Schluss ruhig noch etwas ausgebaut werden können.

Für „Cry Baby“ vergebe ich 4 Sterne.

4 Sterne

Fazit:

Ein ruhig erzählter Thriller über eine kaputte Familie, in der man niemandem trauen kann. Die Grenzen zwischen Tätern und Opfern verschwimmen, bis am Ende nur noch die kaputte, vom Leben gezeichnete Protagonistin übrig bleibt, deren verstörende Geschichte noch lange nachhallt.

Ein Gedanke zu “Rezension zu „Cry Baby“ von Gillian Flynn

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