Rezension zu „Was auch immer geschieht“ von Bianca Iosivoni

Was auch immer geschieht

Autorin: Bianca Iosivoni

Erscheinungsdatum: 01.07.2016

Veröffentlicht bei: Lyx

Genre: New Adult

Umfang: 332 Seiten

Preis: 6,99 € (E-Book) bzw. 10 € (Taschenbuch, erscheint am 11.11.2016)

Mehr Infos hier.

Die Autorin:

Schon seit frühester Kindheit ist Bianca Iosivoni, geb. 1986, von Geschichten fasziniert. Mindestens ebenso lange begleiten diese Geschichten sie durch ihr Leben. Den Kopf voller Ideen begann sie als Teenager mit dem Schreiben und kann sich seither nicht vorstellen, je wieder damit aufzuhören. Quelle

Inhalt:

Sieben Jahre ist es her, seit Callie und Keith sich zuletzt gegenüberstanden. Damals, kurz nach Callies dreizehntem Geburtstag, war ihr Vater bei einem schrecklichen Autounfall ums Leben gekommen – einem Unfall, an dem Keith die Schuld trug. Callie konnte ihrem Stiefbruder nie verzeihen. Noch heute leidet sie unter den Erinnerungen an das schreckliche Ereignis. Doch als sie für den Highschoolabschluss ihrer kleinen Schwester in das Haus ihrer Stiefmutter zurückkehrt, begegnet sie Keith zum ersten Mal nach all den Jahren wieder. Sofort flammen ihre Wut und ihr Hass auf ihn auf. Aber auch die gefährlichen Gefühle, die Keith schon damals in ihr ausgelöst hat …

Meine Meinung:

Die guten Bewertungen dieses New-Adult-Romans haben mich neugierig gemacht. Ich habe mich gefreut, als das E-Book über Netgalley zur Verfügung stand und nicht lange gezögert. Vielen Dank an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar.

Kurz zum Inhalt: Die Protagonistin Callie muss einen schweren Schicksalsschlag überwinden, mit dem sich auseinanderzusetzen sie in den letzten Jahren völlig verdrängt hat. Auch ihr Highschool-Schwarm und Stiefbruder Keith war sieben Jahre lang aus ihrem Leben und ihren Gedanken verschwunden, bis sie ihm am Flughafen begegnet und zunächst nicht wiedererkennt. Sofort sprühen die Funken zwischen Callie und dem attraktiven Unbekannten, doch als sich herausstellt, dass es Keith ist, der ebenfalls den Sommer über nach Hause zurückgekehrt ist, fährt Callie ihre Scheuklappen wieder hoch und schaltet sofort in den Verdrängungs- und Hassmodus. Ihre Devise lautet: bloß nicht mit der Vergangenheit beschäftigen, sondern alles schön unter den Teppich kehren. Lieber hält sie an den Erinnerungen an ihren Vater fest und studiert ihm zuliebe sogar Medizin, obwohl das Studium sie aufzehrt und nicht glücklich macht.

Callie ist nicht so eine weichgespülte Protagonistin, wie man sie in manchen NA-Romanen findet, sondern geht ihren eigenen Weg und kann auch ganz schön stur sein. Sie hat in ihrem jungen Leben bereits ihre zwei Elternteile verloren und leidet noch immer sehr darunter. Ihre Schwester Holly und ihre Stiefmutter Stella bedeuten ihr alles.

Keith kommt zunächst wie der typische Badboy rüber: verdammt gut aussehend, immer ein überhebliches Grinsen im Gesicht, mit einer gehörigen Portion Arroganz ausgestattet und natürlich kein Kind von Traurigkeit. Dennoch liegt mehr unter seiner harten Schale und auch er kämpft mit den Geistern der Vergangenheit. Er ist ein vielschichtiger Protagonist, den ich von Anfang an mochte, mehr sogar als Callie.

Zwischen den beiden sprühen die Funken und sie haben große Mühe, sich voneinander fernzuhalten. Denn obwohl Callie sich irgendwann eingestehen muss, dass ihre kleine Schwärmerei für Keith viel mehr ist, quälen sie zwei Probleme:
1. Er ist Schuld am Tod ihres Vaters und das kann sie ihm niemals verzeihen
2. Er ist ihr Stiefbruder und ihre Gefühle füreinander haben in diesem Quasi-Verwandtschaftsverhältnis nichts zu suchen.

Bianca Iosivoni hat einen tollen, bildhaften Schreibstil. Ich habe es richtig genossen, ihre Worte in mich aufzunehmen und habe das Buch wie einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen sehen. Bitte mehr davon!
Am besten haben mir die Dialoge gefallen. Die sind auf den Punkt gebracht und unglaublich gut gelungen. Treffende Dialoge zu schreiben ist eine Kunst, die nicht jeder Autor beherrscht. Hier stimmt einfach alles, es gab keine Ausschweifungen und auch keine Knappheiten.
Geschichten über Stiefgeschwister scheinen gerade wieder in zu sein, trotzdem ist dieses Buch etwas anderes und bietet noch mehr Tiefgründigkeit, als nur das eine Problem: Stiefbruder und Stiefschwester verlieben sich verbotenerweise ineinander. Die gesamte Handlung mit all ihren Wendungen und allen Nebenfiguren, die zum Verlauf beigetragen haben, hat mir sehr gut gefallen.

Kritisieren muss ich leider das komplette zweite Drittel des Buches, das sich für mein Empfinden endlos gezogen hat. Callie verliert sich in ihren Gedanken und stellt sich immer wieder die gleichen Fragen. Der innere Monolog hat so sehr überhandgenommen, dass diese ständigen Wiederholungen meine Lesefreude drastisch geschmälert haben. Ich empfand die ganze Story im zweiten Drittel als viel zu sehr in die Länge gezogen. Das hat dazu geführt, dass ich das Buch zwischenzeitlich abgebrochen und ein anderes gelesen habe, was ich sonst so gut wie nie tue. Wäre dieser lange, unspannende Part nicht gewesen, würde meine Bewertung besser ausfallen. Wirklich schade.

Dafür hat mir die Geschichte ab ca. 80% wieder gefallen. Das Ende empfand ich als gut gelungen und mitreißend gestaltet. Sprachlich hat die Autorin hier noch mal alles herausgeholt und mich sehr gefesselt, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. Das hätte ich vorher nicht mehr für möglich gehalten.

Für den Epilog dagegen hätte ich gewünscht, dass er zu einem späteren Zeitpunkt einsetzt, weil er für meinen Geschmack noch zu viele Fragen offen lässt. Sicher ist es so gewollt, dass der Neubeginn im Vordergrund steht und das finde ich auch vollkommen in Ordnung, nur leider habe ich mich viele Dinge gefragt, die nicht (mehr) geklärt werden, obwohl sie vorher angeschnitten wurden.

3_1_2 Sterne

Fazit:

„Was auch immer geschieht“ ist eine insgesamt gut gelungene New-Adult-Geschichte, die positiv aus dem sehr überladenen Genre heraussticht. Der leichte, bildhaft schöne Schreibstil und die sympathischen Charaktere haben mir gut gefallen. Leider gab es innerhalb der Geschichte viele Längen und für meinen Geschmack zu viel inneren Monolog, die meine Lesefreude über einen längeren Zeitraum drastisch geschmälert haben. Trotz dieser kleinen Schwächen hat mich das Ende versöhnt. Wenn ihr gefühlvolle New-Adult-Stories mit Tiefgang sucht, solltet ihr hier zugreifen.

Ein Gedanke zu “Rezension zu „Was auch immer geschieht“ von Bianca Iosivoni

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