Rezension zu „Echo Boy“ von Matt Haig

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Autor: Matt Haig

Veröffentlicht am: 09.12.2016

Verlag: dtv

Genre: Jugendbuch / Science-Fiction

Umfang: 398 Seiten

Preis: 11,95 € (Taschenbuch)

Mehr Infos hier

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Matt Haiggeboren 1975 in Sheffield, hat bereits eine Reihe von Romanen und Kinderbüchern veröffentlicht, die mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet und in über zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Quelle

inhalt

»Vor zwei Wochen wurden meine Eltern getötet. Seitdem hat sich alles verändert. Absolut alles. Das Einzige, was immer noch wahr ist: Ich bin immer noch ich. Ein Mensch namens Audrey Castle.«

Audrey lebt in einer Welt, die von moderner Technik bestimmt wird und in der künstliche Menschen, die sogenannten »Echos« , darauf programmiert sind, jeden Befehl ihres Besitzers auszuführen. Eines Tages passiert das Unfassbare: Ein scheinbar defekter Echo tötet Audreys Eltern. Mit knapper Not kann sie entkommen und findet Unterschlupf bei ihrem Onkel. Dort trifft sie auf Daniel.

Daniel ist ein Echo – und er fühlt sich zu Audrey hingezogen, etwas, das eigentlich nicht sein kann. Doch er will sie beschützen. Denn Audrey schwebt noch immer in Lebensgefahr…

meine-meinung
Auf Echo Boy aufmerksam geworden bin ich durch Nicole von Trallafittibooks, die das Buch als eine der Ersten in den Händen halten durfte. Ich mag Science-Fiction und außergewöhnliche Liebesgeschichten und habe mich sofort in das traumhaft schöne Cover verliebt. Deshalb habe ich nicht lange gezögert und mir Echo Boy in der Buchhandlung meines Vertrauens bestellt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Audrey und Daniel erzählt, die ihre Erinnerungen in einem Gedanken-Buch, einer Art Tagebuch, festgehalten haben. Sie erzählen in der Vergangenheitsform und geben hier und da kleine Hinweise darauf, was später passiert. Audreys Perspektive ist häufiger vertreten, aber Daniels fand ich am interessantesten.

Audrey ist erst 15 Jahre alt, als sie ihre Eltern durch eine defekte Haushalts-Echo verliert. Ihr Vater war der größte Gegner ihres Onkels Alex Castle, dem Castle Industries gehört, eines der führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Echo-Produktion. Als Audrey mangels Alternativen bei ihrem Onkel leben muss, findet sie sich in ihrem persönlichen Albtraum wieder: das Haus voller Echos, ihr zehnjähriger Cousin ist ein sadistischer Psychopath und ihr Onkel hat zwei Gesichter. Er spannt sie für seine Zwecke ein und das macht Audrey Angst. Und dann ist da noch der Echo Daniel. Dieser Echo ist anders alle anderen. Er hat wache Augen, stellt Fragen und widersetzt sich den Befehlen seines Herrn. Bald erkennt Audrey, dass er sie beschützen will und Gefühle empfinden kann. Und auch Audrey, die sich in ihrem Leben nichts sehnlicher gewünscht hat als einen realen Freund, fühlt sich zu Daniel hingezogen. Doch als ihr Onkel herausfindet, dass seine Nicht ihm mehr Ärger als Nutzen bringt und Daniel für ihn wertlos ist, steht plötzlich beider Leben auf dem Spiel.

Der Roman spielt im Jahr 2115. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Weite Teile der Erde wurden durch Klimakatastrophen verändert, heutige Metropolen existieren nicht mehr bzw. wurden neu errichtet. Die Zahl der Menschen ist rasant gestiegen und mit ihnen die ihrer vielen Helfer – den sogenannten Echos. Maschinen, die menschlich aussehen und aus künstlichem Fleisch und Blut hergestellt wurden, einzig und allein, um den Menschen zu dienen. Künstlich ist auch die treffende Bezeichnung für den Alltag im Jahr 2115. Ausflüge, Unterricht, Urlaub, Spiele und Treffen – alles spielt sich in einer virtuellen Realität ab, die mittels sogenannter Pods besucht wird.
Die Menschheit ist in Arm und Reich geteilt. Nur wenige können sich Echos überhaupt leisten. Polizei, Armee und Sicherheitskräfte wurden durch Echos und ältere Roboter-Modelle ersetzt. Es existieren gefährliche Waffen, die ihr Ziel in Antimaterie umwandeln und somit vollkommen auslöschen können.
Matt Haig hat eine erschreckende Welt geschaffen. Und doch kann man sich spielend leicht in diese Zukunft hineinversetzen, denn sie könnte so oder so ähnlich tatsächlich eintreten. Viele Anzeichen aus unserem heutigen Alltag sprechen bereits dafür.

Wer eine tiefe Liebesgeschichte erwartet, wird vielleicht enttäuscht werden. Echo Boy ist in erste Linie ein rasant erzählter, spannungsgeladener Science-Ficiton-Roman, der Fragen aufwirft und zum Mitdenken anregt. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen ebenso wie die Frage nach Schuld und Unschuld. Audrey und Daniel nehmen uns mit in eine Welt, die gleichermaßen faszinierend und schockierend ist. Ich kann mir Echo Boy sehr gut als Film vorstellen und hoffe, dass der Roman eines Tages tatsächlich verfilmt werden wird.

Echo Boy bietet Denkanstöße und setzt sich mit moralischen Fragen auseinander, die jeder Leser für sich selbst beantworten muss. Viele Szenen enthalten psychische und physische Gewalt, sie halten dem Leser einen Spiegel vor und fordern ihn zum Hinterfragen des eigenen Verhaltens auf.
Matt Haig beschenkt den Leser vor allem in Form von Daniels Gedanken mit vielen kleinen und großen Lebensweisheiten. Am liebsten hätte ich mir pausenlos Notizen gemacht und Zitate herausgeschrieben. Dieses Buch steckt voller Schätze, die in Worte verpackt wurden.

4 1_2 Sterne

Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

fazit

Echo Boy ist so viel mehr als nur ein spannungsgeladenes Science-Fiction-Jugendbuch. Der Autor entführt uns in die gleichermaßen erschreckende und faszinierende Welt des Jahres 2115, in der die 15-jährige Audrey und der einzigartige Echo Daniel um ihr Überleben kämpfen. Auf der Flucht vor einem übermächtigen Feind lernen die beiden ungleichen Protagonisten, wofür es sich zu leben lohnt, wenn die eigene Freiheit auf dem Spiel steht.
Diese Geschichte steckt voller kleiner und großer Lebensweisheiten. Ich hätte mir am liebsten pausenlos Zitate herausgeschrieben, damit ich sie immer wieder lesen und verinnerlichen kann. Nicht nur für Science-Fiction-Leser eine wahre Bereicherung!

3 Gedanken zu “Rezension zu „Echo Boy“ von Matt Haig

  1. Pingback: Mein Lesemonat Dezember | Nicoles Bibliothek

  2. Pingback: Rezension: Matt Haig – Echo Boy – Trallafittibooks

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