Rezension zu „Let’s Play – Verspieltes Herz“ von Jennifer Wolf

lets-play
Autorin: Jennifer Wolf

Erschienen: 05.01.2017

Veröffentlicht bei: Carlsen Impress

Genre: Liebesroman

Umfang: 291 Seiten

Preis: 3,99 € (E-Book only)

Mehr Infos hier

die-autorin
Jennifer Wolf lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in einem kleinen Dorf zwischen Bonn und Köln. Aufgewachsen ist sie bei ihren Großeltern und es war auch ihre Großmutter, die die Liebe zu Büchern in ihr weckte. Aus Platzmangel wurden nämlich alle Bücher in ihrem Kinderzimmer aufbewahrt und so war es unvermeidbar, dass sie irgendwann mal in eins hineinschaute. Als Jugendliche ärgerte sie sich immer häufiger über den Inhalt einiger Bücher, was mit der Zeit zu dem Entschluss führte, einfach eigene Geschichten zu schreiben.

inhalt
Die wahre Liebe kennt kein Game over…

Seit der 22-jährigen Helena Sorrento das Herz gebrochen wurde, weiß sie, dass die Liebe kein Spiel ist und dass das Herz ein Organ darstellt, das es ganz besonders zu schützen gilt. Alles, was sie ihren Gefühlen jetzt noch erlaubt, ist das Eintauchen in dramatische Liebesromane und der Nervenkitzel beim Zuschauen von Let’s Playern – Online-Gamern, die einen direkt in ihre Spieler-Welten mitnehmen. Wie Tausende anderer Frauen schwärmt sie dabei vor allem für den charmanten Let’s-Player Aiden, dessen Stimme alles in ihr zum Stillstehen bringt. Zu gerne würde sie wissen, welcher Mann sich hinter den humorvollen und doch stets so tiefsinnigen Kommentaren verbirgt – und warum er sich seinen Fans nie zeigt …

meine-meinung
Auch wenn ich selbst mit der Gamer-Szene nicht viel am Hut habe, interessierte mich die Umsetzung des Themas sehr. Die vielen guten Rezension der Blogger haben außerdem dazu beigetragen, dass das Buch gleich zum Erscheinungstermin auf meinem Kindle einziehen durfte.

Nach der wunderschönen Jahreszeiten-Reihe war mein Interesse an der Autorin geweckt. Jennifer Wolf schafft es, mit einfachen Mitteln spannende Geschichten zu erzählen, die alles bieten, was das Leserherz begehrt: Romantik, Drama, scheinbar ausweglose Situationen und Selbstzweifel, bis am Ende die Liebe über alle Hindernisse siegt. So ist auch Let’s Play aufgebaut, doch mit dieser Geschichte hatte ich ein paar Probleme. Aber der Reihe nach:

Die Geschichte wird aus der Sicht der 22-jährigen Helena Sorrento erzählt. In der Vergangenheit musste sie viel mitmachen, was sie bis heute verfolgt und dazu geführt hat, dass sie keine Ausbildungsstelle nachweisen kann oder eigenes Geld verdient. Sie lebt kostenfrei in der WG ihrer Freunde Jean und Emilie. Alle sind die glühende Anhänger des TouTube-Stars Aiden, der mit seinen Let’s Plays ein Millionenpublikum begeistert. Wie er aussieht, ist unbekannt, doch seine Stimme, sein Humor und sein gutes Herz haben Helena durch eine schwere Zeit begleitet. Emilie ist sehr verliebt in Aiden und teilweise richtig fanatisch. Das führt später zu einigem Konfliktpotential.
Vor ihrer Vergangenheit in München ist Helena nach Köln geflüchtet, doch auch hier findet sie keine Ruhe. Ein Job oder eine Ausbildung scheinen meilenweit entfernt, stattdessen verbringt sie ihre Freizeit in der Bibliothek, wo sie das Lesen für sich entdeckt hat. An dieser Stelle muss ich (als Bibliothekarin) leider das Bild einer zeitgemäßen Bibliothek kritisieren. Auch scheint die Autorin sich nicht richtig informiert zu haben. Senioren-Dienstag, an dem alle Personen Ü-60 kostenlos in der Bibliothek verweilen dürfen? Totaler Quatsch! Eine Bibliothek ist eine öffentliche Einrichtung, die aus Steuergeldern finanziert wird und generell jedem offen steht. Zum Schmökern und Umsehen braucht man überhaupt keinen Leseausweis. Auch das Bild der mürrischen, stets schlecht gelaunten Bibliothekarin hat mir nur ein müdes Augenrollen entlockt. Bitte, liebe Autoren und Autorinnen, lasst solche Klischees in Zukunft weg oder besucht vorher selbst mal eine Bibliothek. Als Dienstleister im Öffentlichen Dienst sollte man eine gewisse Freundlichkeit an den Tag legen und meiner Erfahrung nach ist das in den meisten Bibliotheken auch der Fall. Von der gelangweilten Bibliothekarin, die an der Theke sitzt und Bücher oder Zeitschriften liest (Hallo, Klischee! Wir haben ja auch sonst nichts zu tun) will ich wirklich nichts mehr lesen.
Aber das nur am Rande …
In der Bibliothek triff Helena auf einen attraktiven Unbekannten, der ihre Nähe zu suchen scheint, auch wenn die beiden noch nie ein Wort miteinander gewechselt haben. Er kauft ihr sogar eine teure Fantasy-Sammler-Ausgabe, die sich im Flohmarktverkauf befindet (sehr unwahrscheinlich, dass sich solche Ausgaben in super gutem Zustand in einer Bibliothek befinden).

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir diesmal leider nicht so leicht wie bei den Jahreszeiten-Büchern. Außerdem ist relativ früh klar, wer Helenas Lese-Date wirklich ist. Spätestens, als sie sich auf der Gamescom wiedersehen, auf der auch Aiden unterwegs ist, ist es allzu offensichtlich.

Die Liebesgeschichte zwischen den beiden entwickelt sich rasant, da sie sich sofort zueinander hingezogen fühlen. Zwar zweifelt Helena an sich selbst (kein Geld, keine Perspektive, etwas Übergewicht) und fragt sich, was der schöne Aiden (der auch nicht makellos ist) von ihr will, aber ihre Gefühle überwinden auch in diesem Buch jede Hürde. Das hat mir sehr gut gefallen und wurde authentisch rübergebracht. Da sprühen die Funken und klopfen die Herzen – auch beim Leser.
Es werden auch schwierige Themen verarbeitet – Helenas Vergangenheit holt sie wieder ein und droht ihr Glück zu zerstören. Dabei wird es sehr dramatisch, mehr möchte ich im Moment aber nicht verraten. Trotzdem hat mir aber das gewisse Etwas gefehlt. Auf einen Plottwist wartet man vergebens. Leider bleibt die Geschichte oberflächlich und vorhersehbar. 
Auch das Ende wurde für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt und ging zu glatt über die Bühne. Es wirkte fast, als wollte die Autorin zum Schluss kommen. Das fand ich sehr schade.

An Jennifer Wolfs Schreibstil hatte ich nur wenig auszusetzen. Mit ihrer lockeren Art und dem gut platzierten Humor fällt es ihr leicht, die Leserinnen in die Geschichte zu ziehen, auch wenn es bei mir diesmal leider nicht der Fall war. Ich habe mich sogar selbst dabei erwischt, dass ich gar nicht wirklich wissen wollte, wie das Buch ausgeht, sondern es einfach nur beenden wollte.

3_1_2 Sterne

In Anbetracht aller Kritikpunkte gibt es von mir 3,5 Sterne.

fazit
Let’s Play von Jennifer Wolf konnte mich leider nicht restlos von sich überzeugen. Trotz der gut durchdachten Story und einem Thema, das frischen Wind ins Liebesroman-Genre bringt, blieb die Geschichte oberflächlich und vorhersehbar. Mir fehlte der ein oder andere Plottwist und auch das Ende wurde für meinen Geschmack zu schnell und zu glatt abgehandelt. Die Lovestory selbst wird hingegen authentisch und liebevoll erzählt.
Für Fans der Autorin trotzdem empfehlenswert, alle anderen sollten sich selbst ein Urteil bilden.

4 Gedanken zu “Rezension zu „Let’s Play – Verspieltes Herz“ von Jennifer Wolf

  1. Hey Nicole,
    deine Rezension finde ich wirklich klasse! Mir gefällt vor allem, dass du die Darstellung der Bibliothekarin ansprichst. Darüber musste ich im Buch auch stolpern. Heute erscheint die Rezension zu dem Buch auf dem Blog von einer Freundin und mir, ich habe deine Rezi dort unter „weitere Eindrücke“ verlinkt. Ich hoffe das ist in Ordnung für dich. Falls nicht, sag einfach bescheid. Ich habe es leider versäumt, vorher zu fragen :/
    Viele liebe Grüße,
    Maria / buchworte

    Gefällt mir

  2. Pingback: „Let’s Play – Verspieltes Herz“ – Jennifer Wolf

  3. Pingback: Mein Lesemonat Januar | Nicoles Bibliothek

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s