Rezension zu „Wovon du träumst“ von Kira Gembri

Wovon du träumst
Autorin: Kira Gembri
Veröffentlicht: August 2017
Genre: Jugendbuch
Umfang: 328 Seiten
Preis: 3,99 €
(momentan E-Book only, erscheint im November 2017 im Arena-Verlag, Preisänderung für die E-Book-Ausgabe vorbehalten)
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Kira Gembri wurde 1990 als zweitältestes von fünf Kindern in Wien geboren. Dieser schönen Stadt blieb sie auch nach dem Abschluss ihres Masterstudiums der Vergleichenden Literaturwissenschaft treu. Wenn sie nicht gerade Tandem fährt, Cello spielt, ihrem Kater – einem charakterlichen Doppelgänger von Simon’s Cat – hinterherjagt oder in einem der Bücher schmökert, die sich in ihrer Wohnung stapeln, gilt ihre Leidenschaft dem Schreiben humorvoller und romantischer Geschichten.

inhalt
Emilia führt eine Liste von besonderen Träumen: Sie möchte Klavierspielen lernen, ein Konzert besuchen oder einfach nur wissen, wie der Regen klingt. Hinter jedem dieser Punkte steckt für sie jedoch eine große Herausforderung, denn Emilia ist nahezu taub. Dass der Zufall sie ausgerechnet auf Nick treffen lässt, erscheint ihr wie ein schlechter Scherz. Schließlich zeigt der Junge mit dem schiefen Grinsen viel mehr Interesse an Partys als an Musik. Doch während Emilia ihren Träumen nachjagt, begegnen sich die beiden immer wieder – und wie es scheint, sind Nicks laute und Emilias stille Welt gar nicht so weit voneinander entfernt …

meine-meinung
Kira Gembris neuer Roman entführt uns in eine Welt voll scheinbarer Gegensätze. Die gehörlose Emilia trifft auf den Stargeiger Nick. Seine Kindheit verbrachte er in vollen Konzertsälen und wurde als Wunderkind der Klassik gefeiert. Emilia hingegen wünscht sich nichts sehnlicher, als Musik als solche wahrnehmen zu können. Es gibt eine Operation, die es ihr ermöglichen würde, zu hören, doch die Risiken sind hoch. Ganz abgesehen davon, dass ihre Eltern, ebenfalls gehörlos, wenig Verständnis für ihren Wunsch zeigen. Emilia versteckt ihre Gehörlosigkeit vor ihrer Umwelt und gibt sich lieber als hörend aus. Sie kann Lippenlesen und ist auch selbst nicht auf den Mund gefallen. Flapsige Sprüche sind dank einer ausgiebigen Sprachtherapie in ihrer Kindheit kein Problem für sie. Doch ihre Gehörlosigkeit lässt sich nicht immer verbergen. Mehr als einmal gerät sie im Alltag in schwierige Situationen. Und auf einmal ist da Nick, der attraktive Junge mit dem schiefen Grinsen und dem zerzausten schwarzen Haar. Als er im Affekt eines ihrer teuren Hörgeräte zerstört, fühlt er sich dazu verpflichtet, Emilia bei der Abarbeitung ihrer Wünsche-Liste zu unterstützen. Doch aus reinem Pflichtgefühl wird bald mehr …

Zwischen den beiden entsteht eine tiefe Freundschaft. Stück für Stück bauen sie ihre Vorurteile, die sie anfangs gegeneinander hegten, ab. Je näher sich Emilia und Nick kennenlernen, desto mehr begreifen sie, dass ihre Welten doch nicht so weit voneinander entfernt sie, wie sie anfangs dachten. Der vermeintliche Aufreißer und Partyhengst entpuppt sich bald als echter Freund, auf den sich Emilia immer verlassen kann. Und auch sie ist für ihn da, als er ihre Hilfe braucht, um zu erkennen, was er wirklich will. Beide unterstützen sich dabei, ihre Träume zu verwirklichen und gehen dabei über ihre Grenzen hinaus.

„Wovon du träumst“ besticht, wie auch Kira Gembris andere Bücher, durch einen tollen flüssigen und sehr bildhaften Schreibstil. Nicht umsonst zählt sie zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Sie schreibt so grandios, dass die knapp 300 Seiten auf dem Kindle nur so verfliegen. Die angenehm kurzen Kapitel lassen keine Langeweile aufkommen, genauso, wie ich es mag. Auch an humorvollen Dialogen fehlt es nicht. Flapsige Wortgefechte und schlagfertige Sprüche haben mich oftmals zum Lachen gebracht. Trotz des ernsten Themas ist dieser Roman ein absolutes Wohlfühlbuch mit Seufz- und Schmachtgarantie.
Auch Emilias Gehörlosigkeit und ihr damit verbundener innerer Konflikt, der sie zwischen ihren eigenen Wünschen und den Erwartungen ihrer Familie hin- und her taumeln lässt, wird sehr gut beschrieben. Hier merkt man, dass die Autorin intensiv recherchiert hat und in der Lage ist, dieses Thema behutsam und für die Zielgruppe interessant im Jugendbuch umzusetzen.

Mir hat „Wovon du träumst“ sehr gut gefallen. Als kleines Schmankerl gibt es auch ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren aus Kiras anderen Büchern. Da wären zum einen Flocke („Wenn du dich traust), der sich als wahrer Kumpel für Emilia und Nick erweist und immer für ein kleines Schmunzeln im Mundwinkel sorgt und die flippige Kris („Wir beide in Schwarz-Weiß„), die vorübergehend mit Emilia zusammenwohnt. Aber auch ohne Kiras andere Bücher zu kennen, kann man sich voll und ganz auf „Wovon du träumst“ freuen, da alle Bücher in sich abgeschlossen sind und unabhängig voneinander gelesen werden können.

4 1_2 Sterne
Von mir gibt es 4,5 Sterne. Trotz dessen, dass ich das Buch wahnsinnig toll fand, muss ich leider einen kleinen Abzug machen, da ich beim Lesen einfach gemerkt habe, dass mir „Wenn du dich traust“ und Ein Teil von uns etwas besser gefallen haben. Die beiden Geschichten konnten mich insgesamt mehr mitreißen.

fazit
Kira Gembri hat es wieder geschafft: In „Wovon du träumst“ schafft sie eine Welt voll scheinbarer Gegensätze und entspinnt daraus eine tolle, mitreißende Story.
Als die gehörlose Emilia auf den Stargeiger Nick trifft, prallen Welten aufeinander. Und doch entwickelt sich zwischen den beiden eine tiefe Verbundenheit, die sie füreinander einstehen lässt. Mit gewohntem Humor und dank tiefgründiger Recherche schafft es die Autorin, das Thema Gehörlosigkeit spannend und behutsam in ihrem neuen Jugendroman zu verarbeiten. Dank ihres wunderbar bildhaften und locker-flüssigen Schreibstils ist das Buch viel zu schnell zu Ende.
Wieder ein rundum gelungener Kira-Gembri-Roman. Absolute Empfehlung!

Ein Gedanke zu “Rezension zu „Wovon du träumst“ von Kira Gembri

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