Rezension zu „Überall bist du“ von Gerhild Stoltenberg

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Autorin: Gerhild Stoltenberg

Veröffentlicht am: 11.04.2017

Verlag: Atlantik

Genre: Gegenwartsliteratur

Umfang: 272 Seiten

Preis: 20,00 € (gebunden)

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Gerhild Stoltenberg, geboren 1979 in Hamburg, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Überall bist duist ihr erster Roman. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Quelle

inhalt
Wenn Martha geahnt hätte, dass Tom vom einen auf den anderen Tag aus ihrem Leben verschwinden würde, hätte sie ihn nachts geweckt, statt ihn nur anzuschauen. Sie wäre mit Tom nur U-Bahn statt Fahrrad gefahren, dann gäbe es in der Stadt jetzt weniger Orte, die sie mit ihm verbindet. Und sie hätte versucht, viel weniger mit ihm zu erleben, damit die Liste der Dinge, die sie so sehr an ihn erinnern, jetzt nicht so lang ist. Zum Glück gibt es den fünfjährigen Oskar und seine Brüder, die ihr die unausgesprochenen Gesetze des Spielplatzes erklären und mit denen sie unbeschwerte Sommertage im Freibad verbringt. Doch wenn der Liebeskummer so schlimm wird, dass nicht mal Winnie Puuh-Pflaster helfen, weiß selbst der sehr weise Oskar nicht mehr weiter. Martha muss sich eingestehen, dass sie nicht die besten Ideen hat, um über Tom hinwegzukommen, und entscheidet kurzerhand, alles hinter sich zu lassen.

meine-meinung
Als ich zum ersten Mal von diesem Buch gehört habe, dachte ich sofort: „Das ist was für mich!“ Ich mag melancholische Bücher und auch Liebeskummer ist ein Thema, über das ich gerne lese. Der tolle Buchtitel hat sein übriges getan, um mich zu überzeugen. Vielen Dank an den Atlantik-Verlag für das Rezensionsexemplar und die tollen Goodies!

Doch so gut alles im Vorfeld klang – diese Geschichte ist ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte.
Martha ist Anfang dreißig und lebt ein eintöniges Leben, in dem sie so gut wie alles von ihren älteren Geschwistern geerbt hat: ihren langweiligen Listenjob, ihre kleine Wohnung und sogar die beste Freundin, die früher mit ihrem Bruder zusammen war. Ihren Namen erfahren wir erst in der Mitte des Buches, was eine Distanz zu der Ich-Erzählerin aufbaut.

Das Buch beginnt in Belgrad, wohin Martha Hals über Kopf geflüchtet ist. Wie und warum es soweit gekommen ist, erzählt sie detailliert von Anfang an.
Als ihre vermeintlich große Liebe Tom sie verlässt, bricht für Martha eine Welt zusammen, hätte sie doch schwören können, dass die beiden füreinander bestimmt sind und ihre Liebe ewig hält. All die kleinen Warnsignale, die im Vorfeld der Trennung aufgetaucht sind, hat sie übersehen. Nun schleppt sie sich mehr schlecht als recht durchs Leben und trauert um ihre verlorene Liebe. Nichts kann sie tun oder ansehen, ohne an ihren Verlust erinnert zu werden. Ein Gang durch ihre Heimatstadt wird zum Spießrutenlauf der Erinnerungen.
Erst als sie auf das alternde Model Stella und ihre vier Kinder trifft und spontan einen Job als Kindermädchen annimmt, kehrt die Sonne in ihr Leben zurück. Die Passagen, in denen sich die unbeholfene Martha um die altkluge Rasselbande gekümmert hat, haben mir am besten gefallen. Vor allem der 5-jährige Oskar hat sich mit seiner liebenswert-oberlehrerhaften Art direkt in mein Herzen geschlichen. Auch wenn Martha mit Kindern vorher nicht viel zu tun hatte, werden die fünf schnell zu einem eingespielten Team. Die Kinder bringen ein Stück weit Lebensfreude in Marthas tristen Alltag zurück. Doch das kleine Glück hält nicht lange – nach einer Weile wird der Kummer wieder übermächtig.

Die Autorin hat einen angenehmen, leicht poetischen, aber auch anspruchsvollen Schreibstil. Verschachtelte Sätze sind keine Seltenheit in diesem besonderen Debütroman. Dennoch liest sich das Buch wunderbar flüssig. Gerade der außergewöhnliche Stil fesselt den Leser.

Leider empfand ich die Passagen ohne die Kinder als langatmig. Vor allem die letzten Kapitel, die wieder in Belgrad spielen, haben sich sehr in die Länge gezogen. Auch wenn der Schluss überzeugend und konsequent war, hätte ich mir am Ende vielleicht noch eine Aussprache oder einen eindeutigeren Abschluss für Martha gewünscht.
Leider fürchte ich, dass außer den zauberhaften Kids nicht viel von diesem Buch bei mir hängen bleiben wird. Trotzdem wünsche ich der Geschichte zahlreiche Leser/innen.

3_1_2 Sterne
Für „Überall bist du“ vergebe ich 3,5 Sterne

fazit
„Überall bist du“ ist ein melancholischer Roman über die Trauer und das Verlassenwerden. Obwohl Martha sich alle Mühe gibt, will ihre Liebe einfach nicht enden. Dieser besondere Roman besticht durch einen anspruchsvollen, wunderbaren Schreibstil und liebenswerte Nebenfiguren. Leider empfand ich den Anfangs- und Endteil als sehr langwierig, trotzdem wünsche ich der Geschichte viele Leser.

Rezension zu „For Good“ von Ava Reed

for good

Autorin: Ava Reed

Erscheinungsdatum: 29.11.2015

Veröffentlicht bei: Booklover Verlag

Genre: Drama / Liebe

Umfang: 237 Seiten

Preis: 9,99 € (Taschenbuch) bzw. 2,99 € (E-Book)

ISBN: 978-3981755039

Die Autorin:

Die unter dem Pseudonym schreibende Ava Reed, Jahrgang 1987, lebt in Frankfurt am Main, wo sie vor kurzem ihr Lehramtsstudium beendete. Schon während ihrer Kindheit hat sie das Schreiben für sich entdeckt. Mit „Spiegelsplitter“ veröffentlichte sie 2015 ihren ersten Roman bei Carlsen-Impress. Sie hat sich auf romantisch-fantastische Geschichten spezialisiert.

Klappentext:

For Good
Like always

Was würdest du tun, wenn Du das verlierst, was Deinem Leben einen Sinn gab? Das, was Du mehr als alles andere auf dieser Welt geliebt hast. Würdest Du aufgeben?

Nach dem Tod ihrer großen Liebe Ben beginnt Charlie in Trauer zu versinken. Immer wieder erinnert sie sich an die vergangenen Zeiten, in denen sie ihn kennen- und lieben lernte. Doch der Verlust droht sie zu ersticken und blind zu machen für das, was das Leben ausmacht. Charlie zieht sich völlig zurück und beginnt zu verstehen, dass nichts je wieder so sein wird wie es einmal war.

Meine Meinung:

Ich habe mich für die Printversion des schmalen Büchleins entschieden und es an einem Tag gelesen. Der neu gegründete Booklover-Verlag hat sich auf dramatische, romantische und erotische Geschichten spezialisiert, die man für kleines Geld als E-Book erstehen kann. Die Printversion wird über Amazon als Print-On-Demand vertrieben, was ich vorher nicht wusste, doch die Qualität des Buches konnte mich positiv überraschen. Vom Buchsatz über die Schriftgröße lässt sich auch das gedruckte Buch angenehm lesen und von der merkwürdigen Schriftart für die Kapitelkapitelüberschriften und der diletantischen Formatierung der Seitenzahlen mal abgesehen, ist dies eines der wenigen POD-Bücher, die sich angenehm lesen lassen.
Die Geschichte wird aus Charlies Sicht erzählt und setzt fünf Wochen nach Bens Tod ein. Die Kapitel wechseln zwischen den Erinnerungen an die gemeinsame Zeit – vom ersten Treffen bis zu Bens plötzlichem Tod – und der Gegenwart hin und her. Besonders gefallen haben mir die kurzen Gedichte, die den Gegenwarts-Kapiteln vorangestellt sind und von Trauer, Liebe und Sehnsucht erzählen. Sie verleihen Charlies düsteren Gedanken und ihrem tief empfundenen Schmerz eine besondere Tiefe.
Über das Alter der Protagonisten wird zwar nichts verraten, doch sie müssten ungefähr Mitte zwanzig sein, sodass ich das Buch eher dem Genre „Junge Erwachsene“ als dem Jugendbuch zuordnen würde.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Ava Reed formuliert treffend und trifft den Leser mitten im Herz. Die Themen Trauer und Tod werden in all ihren dunklen, hoffnungslosen und schmerzhaften Facetten gut abgebildet. Dazwischen sorgen Charlies Erinnerungen an die glücklichen Zeiten für Aufheiterung, Hoffnung und Nostalgie.
Der Schreibstil hat mich ein wenig an Nicholas Sparks erinnert. Die Protagonisten gehen extrem höflich miteinander um, die Dialoge – gerade in der Kennenlernzeit – kommen für mich nicht wirklich authentisch rüber, sondern wirken sehr überlegt und steif. Auch habe ich mich gefragt, warum zwei junge Menschen, die sich auf dem Unicampus begegnen, siezen? Der Roman spielt im englischsprachigen Raum (ist wohl gerade Mode bei deutschen Autoren), warum siezen sie sich da überhaupt? Manche Formulierungen kamen etwas holprig daher, ab und an sind Zeitformen durcheinander geraten, was bei mir für kurzes Stirnrunzeln sorgte. Aber insgesamt bin ich der Meinung, dass Ava Reed wirklich toll schreibt und ein großes Talent für das Erzählen romantischer Geschichten hat. Ich glaube, dass sie sich in ihrem Schreibstil noch steigern kann und wird – und darauf freue ich mich.
Das Ende war für mich zwar vorhersehbar, aber das schmälert das gelungene, hoffnungsvolle Ende der Geschichte nicht. Bei dramatischen Liebesgeschichten muss man eben auch mit einigen Klischees rechnen.
Wem „P. S. ich liebe dich“ gefallen hat, der sollte sich auch „For Good“ nicht entgehen lassen.
Ein besonderes Schmankerl ist das Zusatzkapitel am Ende, das die Kennenlerngeschichte zwischen Charlie und Ben aus seiner Sicht erzählt. Als persönliches Highlight empfand ich neben den vielen tollen Gedichten übrigens auch die persönliche Playlist der Autorin am Buchende. Wer – wie ich – auf traurige Songs steht, wird sie lieben!
Für diese traurige, aber gleichzeitig schöne Geschichte vergebe ich 3,5 Sterne.

3_1_2 Sterne
Fazit:

Ein kurzweiliges Lesevergnügen für melancholische Stunden. Wer traurige Liebesgeschichten mag, sollte hier zugreifen und die Taschentücher parat halten.