Rezension zu „Eine Ewigkeit ohne dich“ von Jill Noll

Eine Ewigkeit
Autorin: Jill Noll
Erscheinungsdatum: 28.07.2017
Veröffentlicht über: Self Publishing
Genre: Romantasy
Reihe: Ava & Lio, Band 1
Umfang: 320 Seiten
Preis: 2,99 € (E-Book), 9,99 € (Taschenbuch)
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die-autorin

Mein Name ist Jill und ich wurde 1984 in Hamburg geboren.

Wie ich zum Schreiben kam:
Nach dem Abi habe ich zunächst eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau gemacht. Da das Kauffrauendasein für meinen Geschmack jedoch zu wenig Fantasie verlangte, zog ich weiter. Ich entschied mich für ein naturwissenschaftliches Studium und siehe da, hier war nicht nur Fantasie von Vorteil, sondern auch dringend nötig! Nur mit ihrer Hilfe kann sich ein Wissenschaftler all das vorstellen, was er zwar nicht sehen kann, aber dennoch erforscht.
Da man sich in diesem Job vor allem auf eine ganz bestimmte Fragestellung beschränkt, fühlte sich meine Fantasie offensichtlich immer noch irgendwie vernachlässigt und eingesperrt. Also bahnte sie sich schließlich ihren Weg, überfiel mich mitten in der Nacht und gab mir zu verstehen, dass hier noch nicht Schluss war.

Seit jener Nacht, seit diesem einen Traum, habe ich mit dem Schreiben begonnen. Kaum hatte ich damit angefangen, wurde mir klar, dass das Schreiben und das ganze Drumherum, genau das ist, wonach ich immer gesucht habe, was meine wahre Leidenschaft ist.
Seitdem kann ich nicht mehr aufhören zu schreiben. Vielmehr breitet es sich aus, wie ein euphorischer Virus, weshalb ich im September 2016 meinen ersten Roman „Zwischenwelt – Die Welt zerbricht“ veröffentlichen konnte.
Quelle

inhalt
Ein altes Wesen … eine junge Liebe … unüberwindbare Hürden

Bevor eine zunächst harmlose Nacht für die 17-jährige Ava zu einem schrecklichen Albtraum werden kann, tauch ein mysteriöser Retter auf. In seiner Gegenwart erwachen Gefühle in Ava, die sie noch nie zuvor gespürt hat. Und auch Lio, ihren Retter, scheint es immer wieder in ihre Nähe zu ziehen. Doch obwohl sie beide es mehr wollen als alles andere, können sie nicht zusammen sein. Denn ein Geheimnis steht zwischen ihnen. Größer und älter als Ava es sich jemals ausmalen könnte.

meine-meinung
Lange bin ich um dieses Buch herumgeschlichen. Das wundervolle Cover und die sehr sympathisch wirkende Autorin haben mich neugierig gemacht. Jill Noll hat lange Zeit intensiv über ihren Weg zur Autorin gebloggt und einige wertvolle Tipps zusammengetragen. Vielleicht hatte ich daher zu hohe Erwartungen an ihren zweiten Roman, die leider nicht erfüllt werden konnten. Doch von vorne …

Die Gestaltung des Taschenbuches ist wirklich toll gelungen. Vom Cover, das ein wahrer Eye-Catcher ist, bis hin zum Klappentext macht der Buchumschlag einen sehr professionellen Eindruck. Auch im Inneren des Buches setzt sich dieser Eindruck fort. Auf einen Schmutztitel wurde verzichtet, ebenso auf Informationen zum Buch oder zur Autorin. Gut, das muss nicht sein, ich hätte es aber durchaus schön gefunden. Dafür hat mich der Buchsatz positiv überrascht. Kleine Grafiken zum Kapitelanfang wirken hochwertig, genauso wie die sehr gut lesbare Schriftart und -größe. Wenn man das Buch durchblättert, hat man sofort den Eindruck, etwas Wertiges in der Hand zu halten. Daumen hoch dafür!

Die Geschichte selbst plätschert bis zur Hälfte des Buches leider nur so dahin. Die Gespräche zwischen der 17-jährigen Ava und ihrer besten Freundin Jess fand ich ebenso ermüdend wie die seitenlangen Beschreibungen von den Unterrichtstagen der beiden. Zwar beginnt die Story mit einem spannenden Zwischenfall, doch dieses Tempo flaut schnell wieder ab. Als Lio auftaucht, sprühen sofort die Funken, doch so ganz nachvollziehen konnte ich das nicht. Dass sich eine 17-jährige relativ schnell verliebt mag ja sein, aber Lios Faszination für die tollpatschige Ava konnte ich nun wirklich nicht verstehen. Von Gefühlen und dem Wunsch nach einer Beziehung ist sehr schnell die Rede. Für meinen Geschmack zu schnell.
Die gesamte Story spielt in einem sehr kurzen Zeitraum, nämlich nur knapp anderthalb Wochen. Dafür ging mir die Entwicklung auf der Gefühlsebene viel zu flott vonstatten.

Dass Lio ein besonders Wesen ist, erfahren wir schon im Klappentext. Die Autorin hat sich hier mal was anderes einfallen lassen, was ich sehr spannend fand. Seine Geschichte bietet auf jeden Fall Potenzial für Folgebände. In diesem Buch erfährt man leider nur sehr oberflächlich, was mit ihm und seiner Familie los ist. Viele Fragen werden angeschnitten und dann offen gelassen. Das ist sicher so gewollt, nur leider wurde meine Neugier nicht in dem Maße geweckt, dass ich nach dem Ende von Band eins weiterlesen möchte.

Ab der Hälfte nimmt die Geschichte dann endlich an Fahrt auf. Auch der Schreibstil verbessert sich merklich. Vom belanglosen Teenager-Geplapper und klischeebeladenen Fettnäpfchen gewinnt die Autorin Abstand. Die Szenen zwischen Lio und Ava werden sehr schön beschrieben. Hier habe ich eine merkliche Steigerung in Ausdruck und Satzbau festgestellt.

Leider muss ich einen ganz dicken Minuspunkt für das nicht vorhandene (professionelle) Lektorat und Korrektorat aussprechen. Auf den ersten Blick mag das Buch inhaltlich zu den besseren SP-Titeln gehören, aber ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ich, wenn ich Geld für ein Buch ausgebe, auch eine gewisse Qualität erwarten kann. Da reichen ein paar aufmerksame Testleserinnen leider nicht aus. So musste ich viele Kommafehler und etliche Grammatikschnitzer sowie Zeitformpatzer feststellen. Das stört nicht nur den Lesefluss, sondern ärgert mich persönlich sehr.
Auch inhaltlich habe ich an mancher Stelle die Stirn gerunzelt. Als Beispiele seien hier genannt: der Club, der schon um 19 Uhr öffnet, die erste Motorradfahrt, die offenbar ohne Helm angetreten wird, später fährt Lio aber selbst mit Helm durch die Gegend. Die Eltern, die sich nicht um ihre Tochter zu kümmern scheinen. Ein Vater, der bei der Polizei arbeitet, aber seine Tochter hält es nicht für nötig, ihm von ihrer Fast-Vergewaltigung zu erzählen usw.

Insgesamt muss ich leider sagen, dass das Buch äußerlich einen tollen Eindruck macht, die Qualität des Textes aber leider, gerade in der ersten Hälfte, mich nicht überzeugen konnte. Deshalb werde ich die Reihe auch nicht weiter verfolgen.

3 Sterne
Von mir gibt es deshalb drei Sterne.

fazit
Meine Erwartungen an „Eine Ewigkeit ohne dich“ von Jill Noll waren leider zu hoch. So sehr mich die professionelle Gestaltung des Taschenbuches überzeugt hat, so wenig konnte es leider der Inhalt. Die Geschichte hat mich nicht mitgerissen, inhaltliche und formale Fehler ließen mich beim Lesen oftmals die Stirn runzeln und die Gefühlsentwicklung zwischen den Protagonisten ging mir viel zu schnell vonstatten.
Wer ein günstiges E-Book aus dem Bereich Self Publishing sucht, kann mal in die Romantasy-Geschichte reinlesen, allen anderen kann ich leider keine Empfehlung aussprechen.

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Rezension zu „Love & Gelato“ von Jenna Evans Welch

Love and gelato
Originalausgabe:

Autorin: Jenna Evans Welch
Erscheinungsdatum: 03.05.2016
Verlag: Walker Books Ltd.
Genre: Jugendbuch
Umfang: 335 Seiten
Preis: 1,07 € (Kindle-Edition Englisch; Stand: 30.08.2017)

Deutsche Ausgabe:

Übersetzerin: Henriette Zeltner
Erscheinungsdatum: 12.06.2017
Verlag: HarperCollins
Preis: 16,00 € (gebunden)
Mehr Infos hier.

die-autorin

Jenna Evans Welch hat ihre Jugendjahre in Florenz verbracht, wo sie auch zur Schule ging. Aber hauptsächlich düste sie mit der Vespa durch die Toskana, badete in Brunnen und aß viel zu viel Eiscreme. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Utah und zehrt von ihren Erinnerungen an die Sommer in Italien. Quelle

inhalt

People go to Italy for love & gelato … but sometimes they discover much more.The dying wish of 16-year-old Lina’s mother was for her daughter to live in Tuscany and get to know her father, whom Lina has never met. „Howard is the best man I’ve ever known,“ her mother says, „he’ll keep you safe.“ Why did her mother wait so long to tell her about him? Lina has a happy life in Seattle and doesn’t want to leave. Shortly after she arrives at Howard’s home, Lina meets Sonya, who gives Lina a diary that belonged to Lina’s mother, the one she had kept while she was a photography student in Florence. While Lina is living her life and exploring Tuscany with her handsome neighbour, Ren, she follows in the footsteps of her mother and gets to know her as never before. She also finds out the truth about her father. Mostly she finds out about herself.

Das Land von Gelato und Amore! Doch Lina ist nicht in Urlaubsstimmung. Sie ist nur in die Toskana gereist, um ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen. Aber dann findet sie das alte Tagebuch ihrer Mom, das von deren Zeit in Italien erzählt. Plötzlich erschließt sich Lina eine Welt aus romantischen Kunstwerken, magischen Konditoreien – und heimlichen Affären. Dabei stößt sie auf eine tragische Liebesgeschichte und ein Geheimnis, das nicht nur ihr Leben verändern wird …

meine-meinung

Auf der Suche nach einem leicht verständlichen englischsprachigen Jugendbuch bin ich über die guten Kritiken von Love & Gelato gestolpert. Die günstige Kindle-Version hat mich schließlich zum Kauf verleitet und nicht enttäuscht.

Lina ist 16, als ihre Mutter an Krebs stirbt und ihr das Versprechen abnimmt, zumindest einen Sommer in Italien zu verbringen, um ihren Vater kennenzulernen, der in ihrem Leben nie eine Rolle gespielt hat. Widerwillig lässt Lina sich auf den Deal ein und macht sich auf den Weg von Seattle in die Toskana, wo sie eine völlig neue Welt erwartet. Zum ersten Mal lernt sie den Mann kennen, der im Leben ihrer Mutter eine kleine, aber sehr bedeutende Rolle gespielt hat. Howard lebt auf einem amerikanischen Friedhof, der zu Ehren der im 2. Weltkrieg gefallenen amerikanischen Soldaten erbaut wurde. Zunächst findet Lina ihr neues Zuhause gruselig und möchte schnellstmöglich wieder zurück in die Staaten, doch schon bald lernt sie die schönen und geheimnisvollen Seiten der Denkmäler und Grabsteine zu schätzen.

Als sie ihren Nachbarn Lorenzo, genannt Ren, kennenlernt, der halb Amerikaner und halb Italiener ist, freunden sich die beiden Teenager an. Zusammen erkunden sie Florenz und besuchen Partys. In einer Welt, in der sie sich nicht richtig zugehörig fühlen, verbindet sie die Andersartigkeit.
Schnell freundet Lina sich mit Rens Freunden, die die internationale Schule besuchen, an und verguckt sich in den attraktiven Thomas. Doch nicht nur er hat es ihr angetan, auch Ren wird bald zu mehr als nur einem guten Freund. Für wen schlägt Linas Herz?

Neben den wundervoll idyllischen Landschaftsbeschreibungen und dem außergewöhnlichen Setting des Friedhofes hat mir besonders gut gefallen, wie Linas Familiengeschichte Stück für Stück aufgedeckt wird. Während sie ein altes Tagebuch ihrer Mutter entdeckt, erfährt sie die Wahrheit über ihren Vater und die Vergangenheit ihrer Eltern. Gemeinsam mit Ren besucht sie die Orte, die im Tagebuch beschrieben werden und lernt so Italien und ihre verstorbene Mama besser kennen. Nichts ist so, wie es anfangs scheint und bald lernt Lina, was Familie wirklich bedeutet.

Ich fand die Geschichte toll. Sommerlich leicht und gleichzeitig durch die Hintergrundgeschichte der Familie mit einer Tiefe versehen, die ich so nicht erwartet hätte. Für junge Mädchen, die von der ersten Liebe träumen oder als (verspätete) Ferienlektüre genau das Richtige. Man kann gar nicht anders, als sich gemeinsam mit Lina in das Land und den Jungen ihrer Träume zu verlieben. Italien steht jetzt jedenfalls ganz oben auf meiner Urlaubswunschliste.

Der einfache, aber sehr bildhafte Schreibstil hat mich nur so durch die virtuellen Seiten fliegen lassen. Lina ist ein tolle Protagonistin, die sich innerhalb kürzester Zeit in der Fremde zurechtfinden und mit der Trauer um ihre Mama umgehen muss. Dabei verliert sie nie ihren Humor und lernt sich Stück für Stück selbst besser kennen. Es macht großen Spaß, ihr dabei zu folgen, wie sie den Sommer ihres Lebens und die erste große Liebe erlebt.

5 Sterne
Von mir gibt es die volle Punktzahl.

fazit

„Love and Gelato“ ist ein sommerlich leichtes Jugendbuch, das eine geheimnisvolle Familiengeschichte mit der ersten großen Liebe verknüpft. Vor der wundervollen Kulisse Italiens und einiger skurriler Nebenschauplätze begleiten wir die 16-jährige Lina dabei, wie sie die Vergangenheit ihrer verstorbenen Mutter aufdeckt und Stück für Stück erkennt, was Familie wirklich bedeutet.
Der bildhafte und teils sehr humorvolle Schreibstil sorgt trotz des ernsten Ausgangspunktes stets für Leichtigkeit. Junge Mädchen und junggebliebene Romantiker(innen) bekommen hier ein wundervolles Jugendbuch, das sie mit einem wohlig warmen Gefühl in der Brust zurücklässt – Urlaubsfeeling und Herzklopfen garantiert.

Rezension zu „Wovon du träumst“ von Kira Gembri

Wovon du träumst
Autorin: Kira Gembri
Veröffentlicht: August 2017
Genre: Jugendbuch
Umfang: 328 Seiten
Preis: 3,99 €
(momentan E-Book only, erscheint im November 2017 im Arena-Verlag, Preisänderung für die E-Book-Ausgabe vorbehalten)
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die-autorin

Kira Gembri wurde 1990 als zweitältestes von fünf Kindern in Wien geboren. Dieser schönen Stadt blieb sie auch nach dem Abschluss ihres Masterstudiums der Vergleichenden Literaturwissenschaft treu. Wenn sie nicht gerade Tandem fährt, Cello spielt, ihrem Kater – einem charakterlichen Doppelgänger von Simon’s Cat – hinterherjagt oder in einem der Bücher schmökert, die sich in ihrer Wohnung stapeln, gilt ihre Leidenschaft dem Schreiben humorvoller und romantischer Geschichten.

inhalt
Emilia führt eine Liste von besonderen Träumen: Sie möchte Klavierspielen lernen, ein Konzert besuchen oder einfach nur wissen, wie der Regen klingt. Hinter jedem dieser Punkte steckt für sie jedoch eine große Herausforderung, denn Emilia ist nahezu taub. Dass der Zufall sie ausgerechnet auf Nick treffen lässt, erscheint ihr wie ein schlechter Scherz. Schließlich zeigt der Junge mit dem schiefen Grinsen viel mehr Interesse an Partys als an Musik. Doch während Emilia ihren Träumen nachjagt, begegnen sich die beiden immer wieder – und wie es scheint, sind Nicks laute und Emilias stille Welt gar nicht so weit voneinander entfernt …

meine-meinung
Kira Gembris neuer Roman entführt uns in eine Welt voll scheinbarer Gegensätze. Die gehörlose Emilia trifft auf den Stargeiger Nick. Seine Kindheit verbrachte er in vollen Konzertsälen und wurde als Wunderkind der Klassik gefeiert. Emilia hingegen wünscht sich nichts sehnlicher, als Musik als solche wahrnehmen zu können. Es gibt eine Operation, die es ihr ermöglichen würde, zu hören, doch die Risiken sind hoch. Ganz abgesehen davon, dass ihre Eltern, ebenfalls gehörlos, wenig Verständnis für ihren Wunsch zeigen. Emilia versteckt ihre Gehörlosigkeit vor ihrer Umwelt und gibt sich lieber als hörend aus. Sie kann Lippenlesen und ist auch selbst nicht auf den Mund gefallen. Flapsige Sprüche sind dank einer ausgiebigen Sprachtherapie in ihrer Kindheit kein Problem für sie. Doch ihre Gehörlosigkeit lässt sich nicht immer verbergen. Mehr als einmal gerät sie im Alltag in schwierige Situationen. Und auf einmal ist da Nick, der attraktive Junge mit dem schiefen Grinsen und dem zerzausten schwarzen Haar. Als er im Affekt eines ihrer teuren Hörgeräte zerstört, fühlt er sich dazu verpflichtet, Emilia bei der Abarbeitung ihrer Wünsche-Liste zu unterstützen. Doch aus reinem Pflichtgefühl wird bald mehr …

Zwischen den beiden entsteht eine tiefe Freundschaft. Stück für Stück bauen sie ihre Vorurteile, die sie anfangs gegeneinander hegten, ab. Je näher sich Emilia und Nick kennenlernen, desto mehr begreifen sie, dass ihre Welten doch nicht so weit voneinander entfernt sie, wie sie anfangs dachten. Der vermeintliche Aufreißer und Partyhengst entpuppt sich bald als echter Freund, auf den sich Emilia immer verlassen kann. Und auch sie ist für ihn da, als er ihre Hilfe braucht, um zu erkennen, was er wirklich will. Beide unterstützen sich dabei, ihre Träume zu verwirklichen und gehen dabei über ihre Grenzen hinaus.

„Wovon du träumst“ besticht, wie auch Kira Gembris andere Bücher, durch einen tollen flüssigen und sehr bildhaften Schreibstil. Nicht umsonst zählt sie zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Sie schreibt so grandios, dass die knapp 300 Seiten auf dem Kindle nur so verfliegen. Die angenehm kurzen Kapitel lassen keine Langeweile aufkommen, genauso, wie ich es mag. Auch an humorvollen Dialogen fehlt es nicht. Flapsige Wortgefechte und schlagfertige Sprüche haben mich oftmals zum Lachen gebracht. Trotz des ernsten Themas ist dieser Roman ein absolutes Wohlfühlbuch mit Seufz- und Schmachtgarantie.
Auch Emilias Gehörlosigkeit und ihr damit verbundener innerer Konflikt, der sie zwischen ihren eigenen Wünschen und den Erwartungen ihrer Familie hin- und her taumeln lässt, wird sehr gut beschrieben. Hier merkt man, dass die Autorin intensiv recherchiert hat und in der Lage ist, dieses Thema behutsam und für die Zielgruppe interessant im Jugendbuch umzusetzen.

Mir hat „Wovon du träumst“ sehr gut gefallen. Als kleines Schmankerl gibt es auch ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren aus Kiras anderen Büchern. Da wären zum einen Flocke („Wenn du dich traust), der sich als wahrer Kumpel für Emilia und Nick erweist und immer für ein kleines Schmunzeln im Mundwinkel sorgt und die flippige Kris („Wir beide in Schwarz-Weiß„), die vorübergehend mit Emilia zusammenwohnt. Aber auch ohne Kiras andere Bücher zu kennen, kann man sich voll und ganz auf „Wovon du träumst“ freuen, da alle Bücher in sich abgeschlossen sind und unabhängig voneinander gelesen werden können.

4 1_2 Sterne
Von mir gibt es 4,5 Sterne. Trotz dessen, dass ich das Buch wahnsinnig toll fand, muss ich leider einen kleinen Abzug machen, da ich beim Lesen einfach gemerkt habe, dass mir „Wenn du dich traust“ und Ein Teil von uns etwas besser gefallen haben. Die beiden Geschichten konnten mich insgesamt mehr mitreißen.

fazit
Kira Gembri hat es wieder geschafft: In „Wovon du träumst“ schafft sie eine Welt voll scheinbarer Gegensätze und entspinnt daraus eine tolle, mitreißende Story.
Als die gehörlose Emilia auf den Stargeiger Nick trifft, prallen Welten aufeinander. Und doch entwickelt sich zwischen den beiden eine tiefe Verbundenheit, die sie füreinander einstehen lässt. Mit gewohntem Humor und dank tiefgründiger Recherche schafft es die Autorin, das Thema Gehörlosigkeit spannend und behutsam in ihrem neuen Jugendroman zu verarbeiten. Dank ihres wunderbar bildhaften und locker-flüssigen Schreibstils ist das Buch viel zu schnell zu Ende.
Wieder ein rundum gelungener Kira-Gembri-Roman. Absolute Empfehlung!

Rezension zu „Pearl – Liebe macht sterblich“ von Julie Heiland

pearl
Autorin: Julie Heiland
Erscheinungsdatum: 24.05.2017
Verlag: Fischer Jugendbuch
Genre: Jugendbuch / Liebe / Fantasy
Umfang: 352 Seiten
Preis: 16,99 € (gebunden)
Mehr Infos hier.

die-autorin

Julie Heiland hat Journalistik studiert. Parallel dazu hat sie eine Schauspiel- und Rhetorikausbildung absolviert und schon in einigen Fernsehfilmen mitgespielt. Julie Heiland ist 1991 geboren und lebt in der Nähe von München. Nach der Trilogie »Bannwald«, »Blutwald« und »Sternenwald« ist »Pearl« ihr vierter Roman. Quelle

inhalt

Die ungestillte Sehnsucht nach Liebe macht sie unsterblich. Aber alles, was sie will, ist endlich zu lieben.

„Zweihundert Jahre habe ich die Liebe gesucht, wollte sie mehr als alles andere – nie hat sie sich meiner erbarmt. Ich habe noch nie geliebt. Wurde noch nie geliebt.“
Pearl ist eine Suchende. Ihre Sehnsucht nach Liebe ist so groß, dass sie selbst im Tod keine Ruhe gefunden hat und zur Unsterblichkeit verdammt ist. Sie hat nur eine Möglichkeit, erlöst zu werden: sie muss die wahre, aufrichtige Liebe erfahren. Aber der, den sie endlich lieben kann, stellt sich als ihr größter Feind heraus. Wird er ihre Gefühle erwidern und sie befreien oder wird er ihr Schicksal auf ewig besiegeln?

meine-meinung
Nachdem mir die Bannwald-Trilogie der Autorin so wahnsinnig gut gefallen hat, war schnell klar, dass ich auch „Pearl“ unbedingt lesen musste.

Die Grundidee hat mich sofort angesprochen: Pearl ist 200 Jahre alt. Sie starb als junge Erwachsene, bevor sie Liebe erfahren hat. Seither ist sie dazu verdammt, ewig zu leben – bis sie die wahre Liebe findet. Doch das ist nicht so einfach. Küsst sie den Falschen, entzieht sie ihm seine Gefühle und verdammt ihn dazu, sein Leben ohne Glück und Liebe fortzusetzen. Aus diesem Grund werden die Suchenden gejagt. Weil sie selbst ein kurzweiliges Glücksgefühl aus diesem Gefühlsraub ziehen können, stellen sie eine Bedrohung für die Menschheit dar und sollen auf barbarische Weise aus dem Weg geschafft werden.
Dabei wünscht sich Pearl nichts sehnlicher, als diese unstillbare Sehnsucht endlich hinter sich zu lassen und erlöst zu werden – oder zu sterben.

Gemeinsam mit ihren Freunden Damien und Alexa lebt sie seit 3 Jahren in Venedig und sucht dort nach der wahren Liebe. Der Schauplatz wird so lebendig und detailliert beschrieben, als wäre man dort. Obwohl die Stadt mich eigentlich nicht reizt, habe ich mich in den engen Gassen, den prunkvollen Palazzi und auf den zahlreichen Wasserstraßen sofort wohl gefühlt. Hier ist der Autorin eine richtig tolle Umgebungsbeschreibung gelungen. Man taucht ein in diese ungewöhnliche Stadt und möchte nicht mehr gehen.

Als Pearl auf Noah trifft, spürt sie zum ersten Mal in ihrem langen Leben so etwas wie Glück. Doch Noah birgt ein Geheimnis. Er ist gefährlich und undurchschaubar. Außerdem arbeitet er mit einem Mann namens Hubertus zusammen, der Pearl und ihren Freunden nach dem Leben trachtet.
Die Geschichte wird vorwiegend aus Pearls Sicht erzählt. Aber auch Hubertus kommt in kurzen Kapiteleinschüben zu Wort. Er ist der typische böse Gegenspieler, während Pearl das nicht ganz so typische „Gute“ in der Geschichte verkörpert. Obwohl Hubertus‘ Verhalten nicht besonders überraschend war, konnte ich es doch durch seine tragische Hintergrundgeschichte nachvollziehen.

Im Zentrum der Geschichte steht die Sehnsucht nach der einen, großen Liebe. Mir gefällt die Vorstellung, dass zwei Menschen ausschließlich füreinander geschaffen sind. Der romantische Aspekt kommt hier definitiv nicht zu kurz und lässt die Herzen der Leser/innen höher schlagen.
Auch die Idee der Suchenden und ihre jeweiligen Geschichten haben mir sehr gut gefallen. Ich habe die Szenen beim Lesen wie in einem Film vor meinem inneren Auge ablaufen sehen und könnte mir das Buch sehr gut verfilmt vorstellen.

Julie Heilands Schreibstil ist jugendlich und flüssig. Obwohl das Buch für mich leider einige Längen aufwies, wollte ich stets wissen, wie es weitergeht. Vor allem gegen Ende spitzen sich die Geschehnisse noch einmal auf dramatische Weise zu.
Dennoch muss ich sagen, dass mir der Schreibstil in der Bannwald-Trilogie noch besser gefallen hat. Er war weniger jugendlich, ich empfand ihn sogar als poetischer. Natürlich spielt Pearl in einer ganz anderen Welt, doch in diesem Punkt war ich leider etwas enttäuscht bzw. hatte vielleicht einfach zu viel erwartet. Nichtsdestotrotz gehört Julie Heiland für mich jetzt schon zu den besten deutschen (Nachwuchs)-Romantasy-Autorinnen und ich bin sehr gespannt, was sie als Nächstes schreibt.

4 SterneVon mir gibt es vier Sterne.

fazit

„Pearl“ ist ein toller romantischer Fantasyroman, der mich vor allem durch die Grundidee der Suchenden und ihrer Geschichte und das wundervolle Setting im Herzen Venedigs überzeugt hat. Große Gefühle treffen auf Spannung und unvorhersehbare Wendungen. Trotz kleinerer Längen im Mittelteil ist das Buch für mich ein wahrer Lesegenuss gewesen. Allen Romantikern da draußen wärmstens empfohlen.

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Rezension zu „Water & Air“ von Laura Kneidl

Water & Air
Autorin: Laura Kneidl
Erscheinungsdatum: 03.03.2017
Verlag: Carlsen
Genre: Jugendfantasy / Dystopie
Umfang: 480 Seiten
Preis: 12,99 € (Taschenbuch)
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die-autorin

Laura Kneidl schreibt Romane über unverfrorene Dämonen, rebellische Jäger, stilsichere Vampire und uniformierte Luftgeborene. Sie wurde 1990 in Erlangen geboren und entwickelte bereits früh in ihrem Leben eine Vorliebe für alles Übernatürliche. Inspiriert von zahlreichen Fantasy-Romanen begann sie 2009 an ihrem ersten eigenen Buchprojekt zu arbeiten, seitdem wird ihr Alltag von Büchern, Katzen, Pinterest und Magie begleitet. Quelle

inhalt
Seit dem Anstieg der Meeresspiegel leben die Menschen in Kuppeln unter Wasser oder in der Luft. Mit ihren achtzehn Jahren hat Kenzie noch nie die Sonne gesehen und ihr Leben in der Wasserkolonie unterliegt strengen Normen. Schließlich hält sie es nicht mehr aus und flieht in eine Luftkolonie, um dort einen Neuanfang zu wagen. Doch dann wird sie zur Hauptverdächtigen in einer mysteriösen Mordserie und nur Callum mit dem geheimnisvollen Lächeln hält zu ihr. Aber nicht nur den beiden droht Gefahr, auch das Schicksal der gesamten Kolonie steht auf dem Spiel.

meine-meinung
Nachdem mir Light & Darkness so gut gefallen hatte, war mir schnell klar, dass ich auch das neue Buch von Laura Kneidl unbedingt lesen musste.  Ein paar Wochen lag das Buch auf meinem SUB, bis ich es nach diversen Leserunden- und Reziexemplaren endlich in die Hand nehmen konnte.

Laura Kneidl hat ein außergewöhnliches Setting geschaffen, das mich vom ersten Moment an fasziniert hat. Sei es die Wasserkolonie, aus der Kenzie stammt, die von Genügsamkeit und strengen Regeln geprägt ist und denen sich die junge Protagonistin nicht unterordnen kann oder die Luftkolonie, die einen riesigen schwebenden Glaswürfel darstellt – die Schauplätze in diesem Buch sind gleichermaßen beeindruckend, einzigartig und gut durchdacht. Die Geschichte spielt in einer zerstörten Zukunftswelt, in der der Menschheit nach dem rasanten Anstieg des Meeresspiegels nichts anderes übrig blieb, als diese neuen Lebensräume zu erschließen. Welche Technik alldem zugrunde liegt bleibt offen – ist aber für den Verlauf der Geschichte nicht maßgeblich.

Kenzie ist eine Protagonistin, die genau weiß, was sie will – und was sie nicht will. Weil sie in ihrer Meereskolonie keine Zukunft sieht, beschließt sie die Flucht nach vorn und verlässt ihr Elternhaus und ihre Freunde Hals über Kopf, um fortan in der Luftkolonie zu leben. Kenzie ist eine mutige 18-Jährige, die sich keine Illusionen darüber macht, dass auch das Leben im Würfel nicht nur gute Seiten hat. Als Flüchtige wird sie nicht gerade mit offenen Armen begrüßt und muss mit der Ablehnung und Skepsis der Einwohner klar kommen. Zum Glück trifft sie auf Callum, der sie bei sich aufnimmt und für sie stark macht. Seine Motive sind nicht so heldenhaft, wie Kenzie anfangs vermutet – doch gerade die Hintergrundgeschichte um Callum fand ich äußerst interessant. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Romanze, auch wenn sie unter keinem guten Stern zu stehen scheint: mysteriöse Mordfälle, für die Kenzie verantwortlich gemacht wird, sowie Raub und Aufstände erschüttern den Frieden in der Luftkolonie.

Die Charaktere haben mir allesamt gut gefallen. Sie sind gut ausgearbeitet und bringen ihre eigenen Geschichten mit sich. Auch die Nebencharaktere spielen wichtige Rollen und bleiben keinesfalls blass. Trotzdem gibt es Kritikpunkte: die Verwicklungen um Callums Mutter waren von Anfang an allzu offensichtlich und auch das Motiv des Bösewichts war mir zu einfach gestrickt. Ebenso die Auflösung der Geschehnisse am Ende – nach wochenlangen zermürbenden Ermittlungen, die nirgendwo hingeführt haben, wird der Mörder zu schnell und zu einfach überführt und ebenso schnell zur Strecke gebracht. Zwar fand ich die Krimi-Elemente des Romans insgesamt gut, nur leider nicht überzeugend umgesetzt.

Insgesamt habe ich verhältnismäßig lange an dem Buch gelesen. Vor allem der Mittelteil hat sich für meinen Geschmack zu sehr in die Länge gezogen. Zwar gab es einige Plottwists, die mir gefallen, mich aber nicht wirklich überrascht haben.
Positiv möchte ich die Liebesgeschichte zwischen Kenzie und Callum hervorheben. Sie entwickelt sich in einem angemessenen Tempo, ist authentisch und für das Alter der Protagonisten sehr erwachsen. Ohne Kitsch oder übertriebene Romantik entspricht diese junge Liebe genau meinen Vorstellungen.

Die Geschichte wird durch einen personalen Erzähler aus Kenzies Sicht erzählt. Dabei werden ihre Gedanken und Gefühle stets gut nachvollziehbar dargestellt. Laura Kneidl schreibt routiniert, leicht und sehr angenehm. Dafür gibt es nochmal einen dicken Pluspunkt.

3_1_2 Sterne
Durch einige kleine Schwächen muss ich dem Buch anderthalb Sterne abziehen, dennoch überwiegt der positive Gesamteindruck der Geschichte, die mir vor allem dank der außergewöhnlichen Schauplätze und der tollen Protagonistin noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

fazit
„Water & Air“ besticht durch außergewöhnlich fantasievolle Schauplätze, die mich beim Lesen tief beeindruckt haben. Die junge Protagonistin Kenzie zeichnet sich durch ihren Mut und ihre Entschlossenheit aus, mit der sie nicht nur für sich selbst, sondern für ein ganzes Volk kämpft. Es gilt nicht nur ein ungerechtes Gesellschaftssystem zu stürzen, sondern auch einen Mörder zu finden, dessen Taten Kenzie angehangen werden. Unterstützung erfährt sie durch den attraktiven Callum, der ihr loyal zur Seite steht und sich als echter Bookboyfriend erweist. Durch die überzeugende Lovestory, die fantasievolle Zukunftswelt und eingeflochtene Krimi-Elemente ist Laura Kneidl ein wunderbares Jugendbuch gelungen, das auch trotz kleiner Schwächen absolut lesenswert ist.

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Rezension zu „Don’t kiss Ray“ von Susanne Mischke

Autorin: Susanne Mischke
Veröffentlicht am: 07.04.2017
Verlag: dtv
Genre: Jugendbuch / Liebe
Umfang: 320 Seiten
Preis: 12,95 € (broschiert)
Mehr Infos hier.

die-autorin

Susanne Mischke wurde in Kempten im Allgäu geboren, lebt in Hannover und ist sowohl im Jugendbuch als auch der Belletristik eine der bekanntesten deutschsprachigen Thriller-Autorinnen. Sie wurde ausgezeichnet mit dem Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis für Literatur und der „Agathe“, dem Frauenkrimipreis der Stadt Wiesbaden. Ihre Romane wurden in mehrere Sprachen übersetzt, die Erfolgstitel „Mordskind“ und „Die Eisheilige“ wurden vom ZDF verfilmt. Quelle

inhalt

Waffeln zum Frühstück, Shitstorm am Abend

Am Waffelstand eines Musikfestivals lernen Jill und Ray sich kennen und zwischen ihnen funkt es sofort. Leider fällt das verabredete Date einem Gewittersturm zum Opfer und Jill stellt sich darauf ein, dass sie Ray nie wiedersehen wird – nur um später, beim Konzert der Nachwuchsband „Broken Biscuits“, aus allen Wolken zu fallen: Der Leadsänger der Band, dessen Poster (nicht nur) die Wand ihrer besten Freundin schmückt, ist kein anderer als Ray! Und damit nicht genug: „Hallo, Mädchen mit der Puderzuckernase, falls du da bist … Tut mir leid, dass es vorhin nicht geklappt hat. Versuchen wir es morgen noch mal?“, ruft er ins Publikum. Und handelt sich und Jill ungeahnte Probleme ein: Nicht nur, weil Ray laut Vertrag keine Freundin haben darf, sondern vor allem, weil ein fanatischer Fan die beiden fotografiert hat und im Netz eine wahre Hetzjagd lostritt. Jill und Ray müssen sich trennen, bevor ihre Beziehung richtig begonnen hat, doch vergessen können sie sich nicht …

meine-meinung

Neugierig geworden durch die sehr guten Rezis von Lebens(LeseLiebe)Lust und Charleens Traumbibliothek habe ich mich sehr darüber gefreut, als ich das Buch bei einer Blogtour gewonnen habe. Und das sogar von der Autorin signiert! Vielen lieben Dank dafür an dieser Stelle.

Dass „Don’t kiss Ray“ ein sehr junges Buch ist, wusste ich schon vorher. Trotzdem fand ich es spannend, die Liebesgeschichte von Jill und Ray zu verfolgen, die sich zufällig auf einem Festival treffen und dann doch wieder auseinandergerissen werden. Ihre junge Liebe steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Alles, was in ihnen in die Quere kommen kann, passiert auch: vom Gewitter über hysterische Rockstar-Groupies bis hin zu sittenwidrigen Plattenvertragsklauseln muss Jill so einiges wegstecken. Dabei fand ich es gut, wie erwachsen sich die 16-jährige verhält. Sie reflektiert ihr Verhalten und bleibt sich stets selbst treu. Dem umschwärmten Rocksänger Ray hinterherlaufen? Das hat sie gar nicht nötig. Für diese Message möchte ich die Autorin küssen! Junge Mädchen brauchen viel mehr solcher Vorbilder in Literatur und Film.

Der Roman ist ein Auf und Ab der Gefühle. Auf glückliche Momente der Verliebtheit folgt bittere Ernüchterung. Mit ihren drei besten Freundinnen verkracht sich Jill aufgrund ihrer Heimlichtuerei und auch die Beziehung zu ihrer Mutter leidet zeitweise unter der nervenaufreibenden Beziehung. Das Gefühlschaos der jungen Frau wird dabei stets nachvollziehbar beschrieben, auch wenn ich mir an manchen Stellen weniger Selbstreflexion und mehr Plot gewünscht hätte. Leider haben mich die Wiederholungen von Jills Sorgen und Ängste oftmals in meinem Lesefluss gebremst, sodass ich nach den einzelnen Kapiteln erstmal eine kleine Verschnaufpause brauchte.

Die Geschichte wird abwechselnd in der Ich-Perspektive aus Jills und Rays Sicht erzählt, wobei Jills Parts länger sind. Dennoch fand ich Rays Perspektive ingesamt spannender, vor allem sein Alltag als Vollzeit-Musiker wurde anschaulich dargestellt.
Mir hat besonders gut gefallen, dass auf die üblichen Rockstarklischees im Großen und Ganzen verzichtet wurde. Zwar sieht Ray atemberaubend gut aus und könnte sicherlich an jedem Finger zehn Groupies haben, wenn er das wollte, aber trotzdem ist er auf dem Boden geblieben und hat den Fokus auf die wichtigen Dinge im Leben nicht verloren. Für seine Band würde er alles tun, denn jedes Mitglied hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Durch die angerissenen Backroundstories erhielt der Roman zusätzliche Tiefe, die man bei Jugendbüchern dieses Genres nicht immer findet. Ray versucht zu seinen Gefühlen für Jill zu stehen, aber es wird ihm nicht leicht gemacht. Sein Fehlverhalten, das er selbst als feige bezeichnet, konnte ich ihm jedoch aufgrund der dahinterstehenden Gründe leicht verzeihen. Ich fand es toll, dass er ein junger Mann ist, der weiß, was er im Leben will und sich eben nicht bis zur Besinnungslosigkeit durch die Gegend vögelt. Vom typischen Bad-Boy fehlt hier jede Spur und das empfand ich als sehr angenehm!

Der Schreibstil ist einem Jugendroman angemessen leicht und locker gehalten. Die Charaktere wurden gut ausgearbeitet und die Autorin kratzt nie nur an der Oberfläche. Über einen Zeitraum von 8 Monaten hinweg erlebt der Leser, wie Jill erwachsen wird, die Höhen und Tiefen der ersten Liebe erlebt und sich weiterentwickelt.
Das Ende wurde meiner Meinung nach gut gelöst. Ich hätte gerne gewusst, wie es später mit den beiden weitergeht, doch das bleibt jetzt der Fantasie der Leser überlassen. Ein offenes (Happy)End ist ja nichts Schlechtes.

4 SterneVon mir gibt es vier Sterne.

fazit


„Don’t kiss Ray“
ist ein Rockstar-Liebesroman, der überzeugt. Obwohl das Buch für ein junges Publikum geschrieben wurde, hat mich die Geschichte um Jill und Ray gut unterhalten. Wer eine moderne Liebesgeschichte mit einer starken Protagonistin sucht, die es nicht nötig hat, einem Kerl hinterherzurennen, sondern aufrecht und stolz durchs Leben geht, der sollte sich das Buch unbedingt genauer anschauen. Für mich eine wahre Bereicherung für den Bereich Jugendbuch / Liebesroman.
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Weitere Rezensionen zum Buch findet ihr u. a. bei Charleen und Inka.

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Rezension zu „Water & Air“ von Laura Kneidl

Water & Air
Autorin: Laura Kneidl
Erscheinungsdatum: 03.03.2017
Verlag: Carlsen
Genre: Jugendfantasy / Dystopie
Umfang: 480 Seiten
Preis: 12,99 € (Taschenbuch)
Mehr Infos hier.

 

die-autorin

Laura Kneidl schreibt Romane über unverfrorene Dämonen, rebellische Jäger, stilsichere Vampire und uniformierte Luftgeborene. Sie wurde 1990 in Erlangen geboren und entwickelte bereits früh in ihrem Leben eine Vorliebe für alles Übernatürliche. Inspiriert von zahlreichen Fantasy-Romanen begann sie 2009 an ihrem ersten eigenen Buchprojekt zu arbeiten, seitdem wird ihr Alltag von Büchern, Katzen, Pinterest und Magie begleitet. Quelle

inhalt
Seit dem Anstieg der Meeresspiegel leben die Menschen in Kuppeln unter Wasser oder in der Luft. Mit ihren achtzehn Jahren hat Kenzie noch nie die Sonne gesehen und ihr Leben in der Wasserkolonie unterliegt strengen Normen. Schließlich hält sie es nicht mehr aus und flieht in eine Luftkolonie, um dort einen Neuanfang zu wagen. Doch dann wird sie zur Hauptverdächtigen in einer mysteriösen Mordserie und nur Callum mit dem geheimnisvollen Lächeln hält zu ihr. Aber nicht nur den beiden droht Gefahr, auch das Schicksal der gesamten Kolonie steht auf dem Spiel.

meine-meinung
Nachdem mir Light & Darkness so gut gefallen hatte, war mir schnell klar, dass ich auch das neue Buch von Laura Kneidl unbedingt lesen musste.  Ein paar Wochen lag das Buch auf meinem SUB, bis ich es nach diversen Leserunden- und Reziexemplaren endlich in die Hand nehmen konnte.

Laura Kneidl hat ein außergewöhnliches Setting geschaffen, das mich vom ersten Moment an fasziniert hat. Sei es die Wasserkolonie, aus der Kenzie stammt, die von Genügsamkeit und strengen Regeln geprägt ist und denen sich die junge Protagonistin nicht unterordnen kann oder die Luftkolonie, die einen riesigen schwebenden Glaswürfel darstellt – die Schauplätze in diesem Buch sind gleichermaßen beeindruckend, einzigartig und gut durchdacht. Die Geschichte spielt in einer zerstörten Zukunftswelt, in der der Menschheit nach dem rasanten Anstieg des Meeresspiegels nichts anderes übrig blieb, als diese neuen Lebensräume zu erschließen. Welche Technik alldem zugrunde liegt bleibt offen – ist aber für den Verlauf der Geschichte nicht maßgeblich.

Kenzie ist eine Protagonistin, die genau weiß, was sie will – und was sie nicht will. Weil sie in ihrer Meereskolonie keine Zukunft sieht, beschließt sie die Flucht nach vorn und verlässt ihr Elternhaus und ihre Freunde Hals über Kopf, um fortan in der Luftkolonie zu leben. Kenzie ist eine mutige 18-Jährige, die sich keine Illusionen darüber macht, dass auch das Leben im Würfel nicht nur gute Seiten hat. Als Flüchtige wird sie nicht gerade mit offenen Armen begrüßt und muss mit der Ablehnung und Skepsis der Einwohner klar kommen. Zum Glück trifft sie auf Callum, der sie bei sich aufnimmt und für sie stark macht. Seine Motive sind nicht so heldenhaft, wie Kenzie anfangs vermutet – doch gerade die Hintergrundgeschichte um Callum fand ich äußerst interessant. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Romanze, auch wenn sie unter keinem guten Stern zu stehen scheint: mysteriöse Mordfälle, für die Kenzie verantwortlich gemacht wird, sowie Raub und Aufstände erschüttern den Frieden in der Luftkolonie.

Die Charaktere haben mir allesamt gut gefallen. Sie sind gut ausgearbeitet und bringen ihre eigenen Geschichten mit sich. Auch die Nebencharaktere spielen wichtige Rollen und bleiben keinesfalls blass. Trotzdem gibt es Kritikpunkte: die Verwicklungen um Callums Mutter waren von Anfang an allzu offensichtlich und auch das Motiv des Bösewichts war mir zu einfach gestrickt. Ebenso die Auflösung der Geschehnisse am Ende – nach wochenlangen zermürbenden Ermittlungen, die nirgendwo hingeführt haben, wird der Mörder zu schnell und zu einfach überführt und ebenso schnell zur Strecke gebracht. Zwar fand ich die Krimi-Elemente des Romans insgesamt gut, nur leider nicht überzeugend umgesetzt.

Insgesamt habe ich verhältnismäßig lange an dem Buch gelesen. Vor allem der Mittelteil hat sich für meinen Geschmack zu sehr in die Länge gezogen. Zwar gab es einige Plottwists, die mir gefallen, mich aber nicht wirklich überrascht haben.
Positiv möchte ich die Liebesgeschichte zwischen Kenzie und Callum hervorheben. Sie entwickelt sich in einem angemessenen Tempo, ist authentisch und für das Alter der Protagonisten sehr erwachsen. Ohne Kitsch oder übertriebene Romantik entspricht diese junge Liebe genau meinen Vorstellungen.

Die Geschichte wird durch einen personalen Erzähler aus Kenzies Sicht erzählt. Dabei werden ihre Gedanken und Gefühle stets gut nachvollziehbar dargestellt. Laura Kneidl schreibt routiniert, leicht und sehr angenehm. Dafür gibt es nochmal einen dicken Pluspunkt.

3_1_2 Sterne
Durch einige kleine Schwächen muss ich dem Buch anderthalb Sterne abziehen, dennoch überwiegt der positive Gesamteindruck der Geschichte, die mir vor allem dank der außergewöhnlichen Schauplätze und der tollen Protagonistin noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

fazit
„Water & Air“ besticht durch außergewöhnlich fantasievolle Schauplätze, die mich beim Lesen tief beeindruckt haben. Die junge Protagonistin Kenzie zeichnet sich durch ihren Mut und ihre Entschlossenheit aus, mit der sie nicht nur für sich selbst, sondern für ein ganzes Volk kämpft. Es gilt nicht nur ein ungerechtes Gesellschaftssystem zu stürzen, sondern auch einen Mörder zu finden, dessen Taten Kenzie angehangen werden. Unterstützung erfährt sie durch den attraktiven Callum, der ihr loyal zur Seite steht und sich als echter Bookboyfriend erweist. Durch die überzeugende Lovestory, die fantasievolle Zukunftswelt und eingeflochtene Krimi-Elemente ist Laura Kneidl ein wunderbares Jugendbuch gelungen, das auch trotz kleiner Schwächen absolut lesenswert ist.

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