Rezension zu „The One“ von Maria Realf

The One
Autorin: Maria Realf
Erscheinungsdatum: 23.06.2017
Verlag: Rowohlt Taschenbuch-Verlag
Genre: Liebesroman
Umfang: 384 Seiten
Preis: 9,99 € (Taschenbuch)
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die-autorin

Maria Realf ist Journalistin und hat für einige der größten britischen Frauenmagazine gearbeitet, u. a. Cosmopolitan, Cosmopolitan Bride, Fabulous, Marie Claire, Now und You & Your Wedding. Derzeit schreibt sie für das You-Magazin der Mail on Sunday. Sie hat die Romanschule der Agentur Curtis Brown absolviert, wie vor ihr bereits Jo Harper, Nicholas Searle u.v.m. Quelle

inhalt

Ein Herz braucht lange, bis es ein Zuhause findet.

Lizzie steht kurz vor der Hochzeit mit dem attraktiven Sportlehrer Josh. Was er nicht weiß: Er ist die zweite große Liebe ihres Lebens. Nach Alex, der Lizzie so übel mitgespielt hat, dass sie nur mit Hilfe ihrer besten Freundin Megan wieder auf die Beine kam. Zehn Jahre ist es her, seit Lizzie zuletzt von Alex gehört hat – und die Vergangenheit ist für sie endgültig abgeschlossen. Aber jetzt, drei Monate vor Lizzies großem Tag, ist Alex wieder da. Er möchte ihr etwas Wichtiges sagen. Lizzie will davon nichts wissen, doch er lässt nicht locker …

meine-meinung

Verliebt habe mich als Erstes in dieses wunderschöne Cover. Ich bin normalerweise nicht so coverfanatisch, aber die Farben und die Gestaltung springen einfach ins Auge und ich könnte das Buch stundenlang anschauen.
Geschichte über die erste große Liebe, die gescheitert ist und später eine neue Chance bekommt, reizen mich generell sehr. Als ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich: Dieses Buch muss ich lesen!

Die Geschichte wird durch einen personalen Erzähler aus Lizzies Sicht wiedergegeben. Sie beginnt drei Monate vor ihrer Hochzeit mit dem verlässlichen, bodenständigen Sportlehrer Josh. Die beiden sind seit mehreren Jahren ein Paar, haben eine gemeinsame Wohnung und leben in einer stabilen Beziehung. An Josh weiß man, was man hat. Er ist einer von den „Guten“ und trotzdem bekam ich beim Lesen schnell den Eindruck, dass er vielleicht nicht genug für Lizzie ist.

Die Hochzeitsvorbereitungen wechseln sich mit Kapiteln aus der Vergangenheit ab. Man erfährt, wie Lizzie ihre erste große Liebe Alex kennengelernt hat. Da ihre Beziehung in größeren Zeitsprüngen erzählt wird, bekommt man einen guten Eindruck von der tiefen und innigen Verbundenheit zwischen den beiden.
Als er kurz vor der Hochzeit überraschend wieder in Lizzies Leben auftaucht und den Kontakt zu ihr sucht, steht ihre Welt zunächst Kopf. Zehn Jahre ist es her, seitdem er sie Hals über Kopf verlassen und ihr Herz gebrochen hat. Und plötzlich gibt es da etwas, das er ihr unbedingt sagen muss.

Mir hat vor allem dieser Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit gefallen. Nach und nach erfährt man, was damals vorgefallen und warum Alex verschwunden ist. Obwohl man ihn für sein Verhalten hassen möchte, so kann man es doch nachvollziehen. Die beiden verbringen wieder viel Zeit miteinander und versuchen, ihre alten Wunden zu heilen. Hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu Josh und ihrer Loyalität gegenüber Alex findet sich Lizzie bald in einer Zwickmühle wieder. Kann sie Josh wirklich heiraten? Und ist es vielleicht doch mehr als Freundschaft, was sie und Alex heute verbindet?

Der Klappentext verspricht einen berührenden Roman und den bekommt der Leser auch geboten. Schwere Entscheidungen müssen getroffen werden. Gegen Ende des Buches wird es sehr emotional und dramatisch. Das letzte Viertel des Buches spielt ausschließlich in der Gegenwart, kurz vor der Hochzeit, und hier passiert sehr viel. Man liebt und leidet mit Lizzie und wünscht und hofft mit Alex. Am Ende bekommt die Geschichte genau das Finale, das sie verdient.

5 Sterne

Mir hat das Buch rundum gut gefallen. Von mir gibt es fünf verdiente Sterne.

fazit

„The One“ ist ein berührender Roman über die zweite Chance für die erste Liebe. Vor dem Hintergrund einer großen Tragödie muss Lizzie sich zwischen ihrem bodenständigen Verlobten Josh und  ihrer Jugendliebe Alex, der ihr vor 10 Jahren das Herz gebrochen hat, entscheiden. Hier gibt es große Gefühle, spannende Wendungen und einen fesselnden Erzählstil. Romantisch, dramatisch und sehr empfehlenswert!

Buchgeburtstag! „Love happens – Zwei sind einer zu viel“ von Iris Fox

Heute feiert der Debütroman der lieben Iris Fox seinen ersten Geburtstag. Aus dem diesem Grund findet auf Facebook eine große Party statt. Schaut doch mal in der entsprechenden Veranstaltung vorbei.

Ich möchte euch heute die Charaktere des Buches näher vorstellen. Aber zuerst solltet ihr natürlich wissen, worum es in „Love Happens“ überhaupt geht:

Love happens

Lola hat von Männern die Schnauze voll, nachdem ihr Freund sie mit ihrer besten Freundin betrogen hat. Kurzerhand wechselt sie Uni und Wohnort und will ganz von vorne anfangen. Doch schon bald nach ihrer Ankunft durchkreuzt der gutaussehende Kristof ihren ausgefeilten Plan vom Singleleben. Der charmante Makler zieht ihr den Boden unter den Füßen weg und Lola ist Hals über Kopf verliebt. Und dann trifft sie auch noch Manuel. Der Student ist nicht nur unheimlich hilfsbereit, sondern mindestens auch genauso süß. Das Gefühlschaos ist perfekt und schließlich trifft Lola eine folgenschwere Entscheidung …

Klingt spannend, oder? Genau die richtige Mischung aus Humor, Romantik und Alltagschaos. Das perfekte E-Book für warme Sommertage 🙂

Hier kommen die Protagonisten im Einzelnen:

Lola

Ihr Freund hat sie verlassen – für die beste Freundin!

Die einzig logische Schlussfolgerung für Lola: Sachen packen, Uni wechseln und alles hinter sich lassen. Die Männer können sie mal! Eisern versucht sie sich auf ihr neues Leben fern der Heimat und auf ihr Studium zu konzentrieren. Doch das ist gar nicht so einfach. Wenn einem plötzlich ein gut aussehender Makler begegnet, der den Puls zum Rasen bringt, und ein Musikstudent, der einem in den unmöglichsten Situationen über den Weg läuft, ist man irgendwie abgelenkt.

Manuel, Musikstudent und Sänger

Der smarte Musikstudent weiß eigentlich gar nicht so recht wie ihm geschieht, als Lola wie eine Naturkatastrophe in sein Leben stolpert. Das er ihr mehr als einmal aus der Patsche helfen muss macht ihm nichts aus. Ihn beunruhigt viel mehr der Verdacht, dass sie ihn nicht ausstehen kann. Trotzdem kann er nicht aufhören an sie zu denken.

kristof

Der gut aussehende Immobilienmakler steht mit beiden Beinen fest im Leben. Als er von einem Kollegen den Termin für eine Wohnungsbesichtigung kurzfristig übernimmt ahnt er nicht, das diese Begegnung sein Leben drastisch verändern wird. Ein Blick zwischen Lola und ihm genügt und die Gefühle stehen Kopf. Die Tatsache, dass er verheiratet ist, macht das Ganze nicht unbedingt einfacher. Nur … was soll man machen, wenn diese immense Anziehungskraft größer ist als alles andere?

Cordula

Lolas neue Nachbarin lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Ungewöhnlich. 
Doch von ihrer düsteren, äußeren Erscheinung lässt Lola sich nicht abschrecken. Schnell entsteht eine innige Freundschaft zwischen den beiden und Cordula stellt sich als wahrer Schatz heraus, die mit ihrer offenen Art immer die richtigen Worte für sie findet. Nur beim Sex da könnte sie ruhig etwas leiser sein. Wer will sowas hören?!

Mia

Lola und Mia sind Freundinnen seit dem Kindergarten. Daher sieht Mia es als ihre Pflicht an, ihr in diesen schweren Zeiten zur Seite zu stehen. So oft sie kann besucht sie Lola in der neuen Heimat. Dabei fällt ihr Manuels Mitbewohner Tristan auf, zu dem sie sich schnell hingezogen fühlt. Die quirlige Mia tritt für gewöhnlich in jedes Fettnäpfchen, das sich ihr in den Weg stellt. Dabei will sie doch eigentlich nur, das sich alle vertragen.

Tristan, Manuels WG-Partner und bester Freund

Best Body und Mitbewohner von Manuel. Im Prinzip hat er mit Lola nicht viel am Hut. Sein Interesse gilt eher ihrer Freundin Mia, der er zackig näherkommt. Das zwischen Lola und ihm entwickelt sich mehr und mehr zu einer Hassliebe. Ihre Art geht ihm tierisch auf die Nerven. Andererseits … sein Kumpel steht halt auf sie. Also hängt er da irgendwie mit drin.

Sophie & Dominik, Ex-Freundin und -Freund von Lola, sind heute ein Liebespaar

Sophie und Lola waren mal beste Freundinnen. Das war allerdings bevor Dominik sich dazu entschlossen hat Lola für Sophie zu verlassen. Seitdem herrscht eisige Funkstille.

Neugierig geworden? Dann feiert mit uns Geburtstag und sichert euch tolle Preise!

 

Rezension zu „No Return: Geheime Gefühle“ von Jennifer Wolf

No return 1
Autorin: Jennifer Wolf
Erschienen am: 01.06.2017
Verlag: Carlsen Impress
Genre: Gay Romance
Umfang: 226 Seiten
Preis: 3,99 € (E-Book only)
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die-autorin

Jennifer Wolf lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in einem kleinen Dorf zwischen Bonn und Köln. Aufgewachsen ist sie bei ihren Großeltern und es war auch ihre Großmutter, die die Liebe zu Büchern in ihr weckte. Aus Platzmangel wurden nämlich alle Bücher in ihrem Kinderzimmer aufbewahrt und so war es unvermeidbar, dass sie irgendwann mal in eins hineinschaute. Als Jugendliche ärgerte sie sich immer häufiger über den Inhalt einiger Bücher, was mit der Zeit zu dem Entschluss führte, einfach eigene Geschichten zu schreiben. Quelle
inhalt

Bandboys in Love

Sie sind die angesagtesten Jungs der gesamten Vereinigten Staaten. Wo auch immer sich die Boyband WrongTurn hinbewegt, folgen ihnen Mädchenkreischen, Liebesbotschaften und nicht selten sogar Heiratsanträge. Teil einer solchen Band zu sein, ist nicht immer leicht, aber das ist es nicht, was den 19-jährigen Songwriter Tony in letzter Zeit aus der Bahn wirft. Denn Tony ist verliebt. In einen Jungen. Und niemand auf der Welt darf es erfahren. Nicht seine Fans, nicht die strenge Bandmanagerin oder die ihnen auf Schritt und Tritt folgenden Reporter und schon gar nicht seine erzkatholischen Eltern. Aber vor allem nicht sein bester Freund und Bandleader Andrew…

meine-meinung
Einiger Blogger durften das Buch bereits vorab lesen und waren schwer begeistert. Nachdem mir die Geschichten der Jahreszeiten von Jennifer Wolf und insbesondere die Gay Romance „Tagwind“ so gut gefallen hatte, wollte ich auch ihr neues Werk unbedingt lesen. Die Gelegenheit dazu bekam ich, als ich das E-Book bei einer Leserunde auf Lovelybooks gewonnen habe. Vielen Dank dafür an dieser Stelle!

Die neue Story spielt im turbulenten Musikbusiness. WrongTurn sind die angesagteste Boyband der USA und mit ihrer Musik megaerfolgreich. Die fünf Jungs lassen Mädchenherzen höher schlagen und sind für jeden Spaß zu haben. Vor allem ihr heimlicher Frontman und Mädchenschwarm Andrew ist heiß begehrt. Auf Tour ist sein Bandkollege Tony so etwas wie sein Zuhause. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren und sind die allerbesten Freunde. Doch, was keiner weiß: Tony ist schwul und heimlich in Drew verliebt.

Die Geschichte wird aus Tonys Perspektive in der Ich-Form erzählt. Dem Sohn erzkatholischer Eltern fällt es schwer, mit seiner Homosexualität umzugehen. Niemand weiß davon und das muss auch so bleiben. Nicht nur seine Eltern würden ihn verstoßen, wenn die Wahrheit ans Licht käme, auch das Management der Band wäre nicht begeistert. Immerhin wurde vertraglich festgehalten, dass die fünf Jungs für die Öffentlichkeit heterosexuelle Singles sein müssen. Doch eine kleine, hartnäckige Gruppe Fans shippt Tony und Drew und verbreitet unter dem Hashtag #Anton Fotos und Videos im Netz, die von einer heimlichen Romanze künden. Als Tony davon erfährt, wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass die Gerüchte wahr wären. Für ihn wird es immer schwerer, Drews Nähe zu ertragen. Drews unbekümmerten Flirts und freundschaftlichen Berührungen reißen Tony schier das Herz aus der Brust. Außerdem schämt er sich für seine Gedanken und Gefühle, die ihm zeitlebens als unnormal und pervers eingetrichtert worden.

Wie auch in ihren anderen Büchern erzeugt die Autorin intensive Emotionen, die der Leser durch den Protagonisten und seine innere Zerrissenheit nachfühlen kann. Nichts bleibt dem armen Tony erspart und mehr als einmal fragt man sich: Wie kann ein Mensch das ertragen? Doch dann erhält er überraschend Unterstützung und beginnt langsam mit sich ins Reine zu kommen.

Die Beziehung zwischen Andrew und Tony ist geprägt von Heimlichkeiten und Missverständnissen. Bis zum Ende habe ich mit den beiden mitgefiebert und mir gewünscht, dass sie zueinander finden. Der gemeine Cliffhanger am Ende des ersten Bandes hat mir dabei einen Strich durch die Rechnung gemacht, doch bereits im August erscheint der Folgeband mit dem Titel „Versteckte Liebe“. Da der erste Band für meinen Geschmack noch recht unschuldig war, hoffe ich auf etwas mehr (natürlich jugendfreie) Erotik bei der Fortsetzung.

Insgesamt hat mir die Geschichte gut gefallen. Meine Erwartungen wurden erfüllt und die knapp 200 Seiten sind auf meinem Kindle nur so verflogen. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir ausgesprochen gut und bringt die starken Emotionen der Protagonisten wunderbar zur Geltung.
Die Geschichte hat mich sehr an „Don’t kiss Ray“ von Susanne Mischke erinnert. Auch in diesem Buch geht es um eine „heimliche“ Liebe vor dem Hintergrund einer Boyband. Jedoch wurde in Mischkes Roman das Problem mit der Vertragsklausel gut gelöst, was hier leider (noch) gar nicht der Fall ist. Im Gegenteil – die Jungs scheinen sie einfach kampflos hinzunehmen. Da erhoffe ich mir vom Folgeband eine überzeugende Lösung.

4 SterneVon mir gibt es vier Sterne.

fazit

„Geheime Gefühle“ ist der emotionale Auftakt der Gay-Romance-Dilogie „No Return“. Vor dem Hintergrund des Musikbusiness wird die spannende Liebesgeschichte der Boybandmitglieder Tony und Andrew erzählt, die viele Aufs und Abs durchleben müssen. Wie bei ihren anderen Büchern konnte ich auch im neuesten Werk von Jennifer Wolf mitlieben, -leiden und -hoffen. Für Fans des Genres eine klare Empfehlung!

Rezension zu „Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt“ von Kristina Günak

Autorin: Kristina Günak

Veröffentlicht am: 24.04.2017

Verlag: Lyx

Genre: Humor / Liebesroman

Umfang: 288 Seiten

Preis: 10,00 € (Taschenbuch)

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die-autorin
Kristina Günak wurde 1977 in Norddeutschland geboren. Nachdem sie jahrelang als Maklerin arbeitete, ist sie heute als Mediatorin und systemischer Coach tätig. 2011 erschien ihr erster Roman, und seither hat sie sich mit ihren humorvollen Büchern unter Liebesromanleserinnen einen Namen gemacht. Sie schreibt auch unter dem Pseudonym Kristina Steffan. Quelle

inhalt
Bea Weidemann kann es nicht fassen: Schlimm genug, dass ihr kleiner Verlag in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Aber dass sie nun als Tim Bergmanns persönliche Anstandsdame abgestellt wird und mit ihm den Verlag retten soll, ist einfach zu viel für die junge PR-Referentin. Denn der schwierige Bestseller-Autor lässt sich von nichts und niemandem etwas vorschreiben – und ist genau die Sorte Mann, um die Bea sonst einen weiten Bogen macht. Herzklopfen hin oder her. Doch während sie versucht, das Chaos von Tim – und sich – abzuwenden, merkt sie bald, dass auch die Liebe absolut nichts von ihren Plänen hält …

meine-meinung
Bea hat ein Problem: Sie kann einfach nicht Nein sagen. Um ihren kleinen Verlag zu retten, überträgt ihre Chefin ihr die Aufgabe, mit dem störrischen Newcomer-Autor Tim Bergmann auf Lesereise zu gehen. Weil der große Hoffnungsträger auf den Roderich-Literaturpreis es mit dem guten Benehmen nicht so genau nimmt und seine Interviewpartner und Kritiker gerne beleidigt, muss Bea den Anstandswauwau spielen und soll die Lesungsbesucher nebenbei dazu animieren, für den verschrobenen Autor abzustimmen. Denn ohne den Roderich-Preis, das steht leider fest, geht der kleine Königstein-Verlag den Bach runter.

Als Multi-Organisationstalent kümmert sich Bea um die Organisation der Lesereise und bekommt nebenbei noch allerlei andere Aufgaben aufgebrummt. Als sie Tim Bergmann schließlich zum ersten Mal persönlich gegenübersteht, erkennt sie, wie schlimm ihre Lage wirklich ist. Schlecht gelaunt, ungekämmt und mitten in einer Schreibkrise schüchtert der gut aussehende Autor sie ein. Doch schlussendlich bleibt den beiden nichts anders übrig, als sich zusammenzuraufen und die nächsten vier Wochen hinter sich zu bringen. Was beide nicht ahnen: Sie verbindet mehr, als sie für möglich halten.

Dies ist mein erstes Buch von Kristin Günak. Eine humorvolle Lovestory, die in der Buchbranche angesiedelt ist, klang sofort verlockend, deshalb musste ich das Buch unbedingt haben. Die knapp 300 Seiten ließen sich auch wirklich schnell weglesen.
Den Schreibstil der Autorin fand ich sehr angenehm. Auch der fein eingestreute Humor konnte mich überzeugen und wirkte keinesfalls überzogen, wie es manchmal der Fall bei Büchern dieses Genres ist. Die Vergangenheit der Protagonisten verleiht dem leichten Roman eine Tiefe, die ich nicht erwartet hätte.

Auch die Entwicklung der Liebesgeschichte geht langsam und glaubwürdig voran. Je mehr Tim seine harte Schale ablegt, umso leichter fällt es Bea, Vertrauen zu ihm zu fassen. Er ermutigt sie dazu, auch mal Nein zu sagen und für ihre Entscheidungen einzustehen. Genau so einen Mann hat die fleißige Arbeitsbiene, die noch nie zuvor verliebt war, gebraucht. Und auch, wenn er anfangs sehr klischeehaft rüberkommt, habe ich den ruppigen Autor schnell in mein Herz geschlossen.

4 Sterne
Von mir gibt es für diesen rundum gelungenen Roman vier Sterne.

fazit
„Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt“ verbindet eine glaubwürdige Lovestory mit dem spannenden Hintergrund der Buchbranche. Dank des lockeren Schreibstils und des gut portionierten Humors habe ich das Buch sehr genossen. Wer sich eine Liebesgeschichte mit einem erwachsenen Badboy und einer überzeugenden Entwicklung wünscht, der sollte unbedingt einen Blick riskieren.

Rezension zu „Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag

Mundvoll

Autorin: Anne Freytag

Erschienen am: 06.03.2017

Veröffentlicht bei: Heyne fliegt

Genre: Jugendbuch / Liebe

Umfang: 400 Seiten

Preis: 14,99 € (broschiert)

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die-autorin
Anne Freytag, geboren 1982, hat International Management studiert und für eine Werbeagentur gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die Autorin veröffentlichte bereits mehrere Romane für Erwachsene, unter anderem unter ihrem Pseudonym Ally Taylor. Mit ihrem ersten Jugendbuch Mein bester letzter Sommer schrieb sie sich direkt in die Herzen ihrer Leser. Der Roman wurde von Buchhändlern und der Presse gleichermaßen gefeiert und nun auf der Leipziger Buchmesse für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert. Anne Freytag liebt Musik, Serien sowie die Vorstellung, durch ihre Geschichten tausend und mehr Leben führen zu können.

In diesem Leben wohnt und arbeitet sie derzeit in München – wenn sie nicht gerade in ferne Länder und fremde Städte reist. Manchmal auch nur in Gedanken …
Quelle

inhalt
Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat. Und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.

Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert.

meine-meinung
Nachdem mir Anne Freytags erster Jugendroman Mein bester letzter Sommer im letzten Jahr so gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt auf ihren neuen Roman. Vor allem das Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe und seine Umsetzung haben mich neugierig gemacht.

Sophie ist 17, Einzelgängerin und sieht aus wie eine ordinäre Version von Schneewittchen: blasse Haut, große blaue Augen und ein unerhört sinnlicher Schmollmund. Kein Wunder, dass die Jungs auf sie fliegen. Weil ihr Vater als Chirurg schwer beschäftigt ist und sie oft allein ist, lässt Sophie keine Gelegenheit aus, um ihrem zweifelhaften Ruf als Schneeflittchen alle Ehre zu machen. Sex mit Jungs bedeutet für sie Ablenkung und für einen kurzen Moment findet sie dabei Ruhe vor ihren Gedanken, die sie ständig auf Trab halten. Aber gefühlt hat sie dabei noch nie etwas, im Gegenteil – hinterher stellten sich die unbedeutenden One-Night-Stands stets als Fehler heraus. Und doch scheint sie es nicht lassen zu können.
Ihr bester Freund Lukas bedeutet die Welt für sie. Blöd nur, dass er zu seiner Freundin Vianne nach Frankreich gezogen und nur noch über Skype erreichbar ist. Trotzdem verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft, die mir gerade in der Konstellation Junge-Mädchen sehr ans Herz ging.
Als Sophies Vater aus heiterem Himmel beschließt, wenige Wochen vor dem Abi von Hamburg zu seiner Freundin nach München zu ziehen, stellt er sie vor vollendete Tatsachen. Auf nichts hat sie weniger Lust, als auf dieses schöne große Haus, in dem die perfekte Lena mit ihren zwei Söhnen und ihrem Mischlingshund Carlos lebt. Und doch stellt sich Sophies neues Leben als gar nicht so schlecht heraus, als sie die Nachbarstochter Alex kennenlernt.

Zwischen Alex und Sophie besteht sofort eine besondere Verbindung. Anfangs gehen sie noch etwas verkrampft miteinander um und müssen sich erst kennenlernen, doch schon bald kann Sophie an nichts anderes mehr denken, als an Alex. Bei einer Party passiert es schließlich: während einer Partie „Wahrheit oder Pflicht“ muss Alex Sophie küssen. Und plötzlich ist alles anders. Hin- und hergerrissen zwischen ihrer Faszination für Alex und ihrer Unsicherheit diesbezüglich, versucht Sophie alles, um zu verdrängen, dass Alex eigentlich einen Freund hat. Und außerdem ist sie schließlich gar nicht lesbisch. Oder etwa doch? Nur weil Alex ein Mädchen ist, heißt es doch nicht, dass Sophie generell auf Mädchen steht?

Anne Freytags wunderbarer Schreibstil hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. In ruhigen Tönen erzählt sie die außergewöhnliche und sehr intensive Liebesgeschichte zweier Mädchen, die von ihren Gefühlen überrumpelt werden. Viele bildhafte Vergleiche machen die Sprache lebendig. Man spürt förmlich, wie sich der eigene Herzschlag beschleunigt, wenn Alex Sophie berührt, man fühlt den Regen auf der eigenen Haut, wenn Sophie in einer Regennacht Hals über Kopf aus dem Club flüchtet, und man platzt schier vor Glück, wenn die beiden Mädchen die Welt aussperren und ganz für sich sein können.

Die zahlreichen Liebesszenen sind anschaulich, aber stets geschmackvoll beschrieben. Die Autorin spart die sexuellen Details aus und überlässt sie der Fantasie des Lesers. Sophies Gefühle werden authentisch und gut nachvollziehbar geschildert. Ihr innerer Konflikt ist stets spürbar, sodass man mit ihr mitlieben und -leiden muss.

Die Klappenbroschur überzeugt durch eine liebevolle Umschlaggestaltung. Kleine, zur Geschichte passende Grafiken, kennzeichnen die Anfänge der angenehm kurzen Kapitel; zwei Playlists laden zum Anhören der Songs ein, die im Buch eine wichtige Rolle spielen. Auch das farbenfrohe Cover, das meiner Meinung einfach perfekt zur Geschichte passt, ist ein toller Eyecatcher.

Und trotzdem habe ich unverhältnismäßig lange an diesem Buch gelesen. Obwohl die kurzen Kapitel meinen Lesegewohnheiten sehr entgegenkommen, wollte ich einfach nicht so recht vorankommen. Vielleicht lag es auch daran, dass diese Geschichte eher ruhig daher kommt. Wirkliche Spannung wird erst in den letzten Zügen aufgebaut.
Insgesamt hat mir Mein bester letzter Sommer besser gefallen, was sicher zum Teil auch daran liegt, dass ich auf gefühlt jeder Seite Zitate herausschreiben wollte. Freytags erster Jugendroman war gefüllt mit intelligenten und berührenden Aussagen über das Leben und die Liebe. Diese Lebensweisheiten haben mir hier leider gefehlt. Auch habe ich festgestellt, dass die Liebesgeschichte zwischen den beiden Mädchen mich leider nicht so sehr berührt hat, wie ich mir das vorher erhofft hatte. Vielleicht ist Gay Romance aber auch einfach nicht mein Ding.

4 Sterne
Deshalb vergebe ich 4 Sterne.

fazit
„Den Mund voll ungesagter Dinge“ ist die sanfte Geschichte von Sophie und Alex, die von ihren Gefühlen füreinander überwältigt werden. Innere Konflikte werden glaubhaft dargestellt, äußere Einflüsse machen den beiden zusätzlich das Leben schwer. Die zarte Liebe gleicht einer Fahrt auf der Gefühlsachterbahn, die ich zwar glaubhaft nachvollziehen konnte, die mich aber dennoch nicht auf eine Weise berührt hat, wie ich es mir erhofft hatte.
Wer eine außergewöhnliche Lovestory im Jugendbuchsegment sucht, die sich von der breiten Masse abhebt, der sollte es mit diesem Buch versuchen.

 

 

 

Rezension zu „Pinguine lieben nur einmal“ von Kyra Groh

pinguine

Autorin: Kyra Groh

Erschienen am: 16.09.2013

Verlag: blanvalet

Genre: Liebesroman

Umfang: 384 Seiten

Preis: 9,99 € (Taschenbuch)

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die-autorin

Kyra Groh, geboren 1990, hat in Gießen Geschichte und Fachjournalistik studiert. Sie lebt in Frankfurt, wo sie als Texterin arbeitet.

inhalt

Felicitas (nur ihre Mutter nennt sie so, ihre Freunde sagen Feli zu ihr) ist kompliziert. Ordnung findet sie überbewertet. Deshalb hat sie auch kein Bücherregal. Und sie schämt sich nicht dafür, dass sie süchtig nach dem sat1 „Family Movie” am Dienstag ist, der so schön vorhersehbar ist – Happyend garantiert! Denn leider passiert es nicht oft, dass die Dinge so laufen, wie sie das gerne hätte. Lange dachte Feli, dass es Prinzessinnen-und-Prinz-auf-weißem-Ross-Beziehungen nur im Fernsehen gibt – bis sie Janosch vor die Füße fällt … Und so fangen doch die großen Liebesgeschichten an oder etwa nicht?

meine-meinung

Nachdem mich bereits die beiden Folgeromane der Autorin (Tage zum Sternepflücken und Halb drei bei den Elefanten) sehr begeistert haben, war ich gespannt auf Kyras Debütroman, der umgehend bei mir einziehen musste.

Als die 20-jährige chaotische Studentin Feli ihrem blinden Nachbarn Janosch buchstäblich vor die Füße fällt, ist es sofort um sie geschehen. Sie verliebt sich Hals über Kopf in den sarkastischen und meist schlecht gelaunten, unglaublich attraktiven Jura-Studenten, der sein Leben im Gegensatz zu ihr fest im Griff zu haben scheint. Wo bei Feli das Chaos regiert, ist Janosch auf Ordnung angewiesen. Mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit findet er sich in seinem Alltag zurecht und schafft das, was Feli schwer fällt: ein geordnetes Leben mit einem klaren Ziel vor Augen zu führen.
Auf den ersten Blick passen die beiden überhaupt nicht zusammen. Genau das macht den Reiz der Geschichte aus. Feli, hoffnungslos romantisch und doch voller Selbstzweifel, wünscht sich nichts mehr, als ihr persönliches Happy End, doch Janoschs unberechenbare Launen machen es ihr verdammt schwer, an eine gemeinsame Zukunft glauben zu können.
Als die beiden sich endlich näher kommen, tauchen immer mehr Probleme auf, die die zarte Liebe bedrohen: Janoschs ebenfalls blinde Exfreundin Karo, mit der immer alles leicht und selbstverständlich war, sein bester Freund Simon, der Janosch und Karo wieder zusammenbringen will und einige Geheimnisse aus Janoschs Vergangenheit gefährden die junge Beziehung. Etliche Missverständnisse und verletzte Gefühle führen zu einer Spannung, die die Autorin bis zum Ende aufrecht erhalten kann.

Wie auch in ihren anderen Romanen sprüht Kyras Schreibstil vor Wortwitz und Humor. Im Gegensatz zu ihren Nachfolgewerken enthielt dieses Buch für meinen Geschmack aber fast zu viele Witze, die etwas dezenter platziert besser funktioniert hätten. Dennoch musste ich über die ein oder andere Begebenheit herzlich lachen.

Neben Feli und Janosch sind mir vor allem die Nebenfiguren ans Herz gewachsen. Sei es Felis schwuler türkischer Mitbewohner Cem, der Gynäkologe werden möchte oder Janoschs Schwester Pia, die in Sachen Liebe ein besseres Gespür beweist, als er selbst. Diese und andere Figuren runden die Geschichte wunderbar ab und schubsen die Protagonisten immer wieder in die richtige Richtung, wenn sie sich einmal verrannt haben.

Leider ist mir der Einstieg in die Geschichte diesmal schwer gefallen. Woran das lag, kann ich gar nicht genau sagen. Auch mit dem sehr in den Vordergrund gerückten Humor musste ich erstmal klarkommen. Aber nach den ersten 100 Seiten war ich richtig drin und habe den Roman geradezu verschlungen.

4 Sterne
Insgesamt hat mir Pinguine lieben nur einmal gut gefallen und deshalb gibt es von mir 4 Sterne.

fazit

Mit ihrem Debütroman Pinguine lieben nur einmal hat Kyra Groh einen humorvollen, locker-leichten Liebesroman geschrieben, der genau nach meinem Geschmack ist. Durch Janoschs Blindheit und seine zurückgezogene Art wird die junge Beziehung zwischen ihm und der chaotischen Feli immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Trotzdem steht diese Geschichte anderen modernen Liebesromanen in nichts nach.
Falls ihr diese tolle Autorin noch nicht kennt, solltet ihr sie euch unbedingt merken. Es lohnt sich.

Rezension zu „Let’s Play – Verspieltes Herz“ von Jennifer Wolf

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Autorin: Jennifer Wolf

Erschienen: 05.01.2017

Veröffentlicht bei: Carlsen Impress

Genre: Liebesroman

Umfang: 291 Seiten

Preis: 3,99 € (E-Book only)

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die-autorin
Jennifer Wolf lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in einem kleinen Dorf zwischen Bonn und Köln. Aufgewachsen ist sie bei ihren Großeltern und es war auch ihre Großmutter, die die Liebe zu Büchern in ihr weckte. Aus Platzmangel wurden nämlich alle Bücher in ihrem Kinderzimmer aufbewahrt und so war es unvermeidbar, dass sie irgendwann mal in eins hineinschaute. Als Jugendliche ärgerte sie sich immer häufiger über den Inhalt einiger Bücher, was mit der Zeit zu dem Entschluss führte, einfach eigene Geschichten zu schreiben.

inhalt
Die wahre Liebe kennt kein Game over…

Seit der 22-jährigen Helena Sorrento das Herz gebrochen wurde, weiß sie, dass die Liebe kein Spiel ist und dass das Herz ein Organ darstellt, das es ganz besonders zu schützen gilt. Alles, was sie ihren Gefühlen jetzt noch erlaubt, ist das Eintauchen in dramatische Liebesromane und der Nervenkitzel beim Zuschauen von Let’s Playern – Online-Gamern, die einen direkt in ihre Spieler-Welten mitnehmen. Wie Tausende anderer Frauen schwärmt sie dabei vor allem für den charmanten Let’s-Player Aiden, dessen Stimme alles in ihr zum Stillstehen bringt. Zu gerne würde sie wissen, welcher Mann sich hinter den humorvollen und doch stets so tiefsinnigen Kommentaren verbirgt – und warum er sich seinen Fans nie zeigt …

meine-meinung
Auch wenn ich selbst mit der Gamer-Szene nicht viel am Hut habe, interessierte mich die Umsetzung des Themas sehr. Die vielen guten Rezension der Blogger haben außerdem dazu beigetragen, dass das Buch gleich zum Erscheinungstermin auf meinem Kindle einziehen durfte.

Nach der wunderschönen Jahreszeiten-Reihe war mein Interesse an der Autorin geweckt. Jennifer Wolf schafft es, mit einfachen Mitteln spannende Geschichten zu erzählen, die alles bieten, was das Leserherz begehrt: Romantik, Drama, scheinbar ausweglose Situationen und Selbstzweifel, bis am Ende die Liebe über alle Hindernisse siegt. So ist auch Let’s Play aufgebaut, doch mit dieser Geschichte hatte ich ein paar Probleme. Aber der Reihe nach:

Die Geschichte wird aus der Sicht der 22-jährigen Helena Sorrento erzählt. In der Vergangenheit musste sie viel mitmachen, was sie bis heute verfolgt und dazu geführt hat, dass sie keine Ausbildungsstelle nachweisen kann oder eigenes Geld verdient. Sie lebt kostenfrei in der WG ihrer Freunde Jean und Emilie. Alle sind die glühende Anhänger des TouTube-Stars Aiden, der mit seinen Let’s Plays ein Millionenpublikum begeistert. Wie er aussieht, ist unbekannt, doch seine Stimme, sein Humor und sein gutes Herz haben Helena durch eine schwere Zeit begleitet. Emilie ist sehr verliebt in Aiden und teilweise richtig fanatisch. Das führt später zu einigem Konfliktpotential.
Vor ihrer Vergangenheit in München ist Helena nach Köln geflüchtet, doch auch hier findet sie keine Ruhe. Ein Job oder eine Ausbildung scheinen meilenweit entfernt, stattdessen verbringt sie ihre Freizeit in der Bibliothek, wo sie das Lesen für sich entdeckt hat. An dieser Stelle muss ich (als Bibliothekarin) leider das Bild einer zeitgemäßen Bibliothek kritisieren. Auch scheint die Autorin sich nicht richtig informiert zu haben. Senioren-Dienstag, an dem alle Personen Ü-60 kostenlos in der Bibliothek verweilen dürfen? Totaler Quatsch! Eine Bibliothek ist eine öffentliche Einrichtung, die aus Steuergeldern finanziert wird und generell jedem offen steht. Zum Schmökern und Umsehen braucht man überhaupt keinen Leseausweis. Auch das Bild der mürrischen, stets schlecht gelaunten Bibliothekarin hat mir nur ein müdes Augenrollen entlockt. Bitte, liebe Autoren und Autorinnen, lasst solche Klischees in Zukunft weg oder besucht vorher selbst mal eine Bibliothek. Als Dienstleister im Öffentlichen Dienst sollte man eine gewisse Freundlichkeit an den Tag legen und meiner Erfahrung nach ist das in den meisten Bibliotheken auch der Fall. Von der gelangweilten Bibliothekarin, die an der Theke sitzt und Bücher oder Zeitschriften liest (Hallo, Klischee! Wir haben ja auch sonst nichts zu tun) will ich wirklich nichts mehr lesen.
Aber das nur am Rande …
In der Bibliothek triff Helena auf einen attraktiven Unbekannten, der ihre Nähe zu suchen scheint, auch wenn die beiden noch nie ein Wort miteinander gewechselt haben. Er kauft ihr sogar eine teure Fantasy-Sammler-Ausgabe, die sich im Flohmarktverkauf befindet (sehr unwahrscheinlich, dass sich solche Ausgaben in super gutem Zustand in einer Bibliothek befinden).

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir diesmal leider nicht so leicht wie bei den Jahreszeiten-Büchern. Außerdem ist relativ früh klar, wer Helenas Lese-Date wirklich ist. Spätestens, als sie sich auf der Gamescom wiedersehen, auf der auch Aiden unterwegs ist, ist es allzu offensichtlich.

Die Liebesgeschichte zwischen den beiden entwickelt sich rasant, da sie sich sofort zueinander hingezogen fühlen. Zwar zweifelt Helena an sich selbst (kein Geld, keine Perspektive, etwas Übergewicht) und fragt sich, was der schöne Aiden (der auch nicht makellos ist) von ihr will, aber ihre Gefühle überwinden auch in diesem Buch jede Hürde. Das hat mir sehr gut gefallen und wurde authentisch rübergebracht. Da sprühen die Funken und klopfen die Herzen – auch beim Leser.
Es werden auch schwierige Themen verarbeitet – Helenas Vergangenheit holt sie wieder ein und droht ihr Glück zu zerstören. Dabei wird es sehr dramatisch, mehr möchte ich im Moment aber nicht verraten. Trotzdem hat mir aber das gewisse Etwas gefehlt. Auf einen Plottwist wartet man vergebens. Leider bleibt die Geschichte oberflächlich und vorhersehbar. 
Auch das Ende wurde für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt und ging zu glatt über die Bühne. Es wirkte fast, als wollte die Autorin zum Schluss kommen. Das fand ich sehr schade.

An Jennifer Wolfs Schreibstil hatte ich nur wenig auszusetzen. Mit ihrer lockeren Art und dem gut platzierten Humor fällt es ihr leicht, die Leserinnen in die Geschichte zu ziehen, auch wenn es bei mir diesmal leider nicht der Fall war. Ich habe mich sogar selbst dabei erwischt, dass ich gar nicht wirklich wissen wollte, wie das Buch ausgeht, sondern es einfach nur beenden wollte.

3_1_2 Sterne

In Anbetracht aller Kritikpunkte gibt es von mir 3,5 Sterne.

fazit
Let’s Play von Jennifer Wolf konnte mich leider nicht restlos von sich überzeugen. Trotz der gut durchdachten Story und einem Thema, das frischen Wind ins Liebesroman-Genre bringt, blieb die Geschichte oberflächlich und vorhersehbar. Mir fehlte der ein oder andere Plottwist und auch das Ende wurde für meinen Geschmack zu schnell und zu glatt abgehandelt. Die Lovestory selbst wird hingegen authentisch und liebevoll erzählt.
Für Fans der Autorin trotzdem empfehlenswert, alle anderen sollten sich selbst ein Urteil bilden.