Rezension zu „#herzleer – Was ich noch sagen wollte“

herzleer

Inhalt:

Lena Gorelik: Die letzte Nachricht
Anke Weber: Herz Pogo
Sabine Schoder: Herzspieß
Ruth Olshan: Sockenkonferenz
Tanja Heitmann: Nur einmal
Katrin Zipse: Erdbeermond
Jennifer Benkau: Ungesagtes
Maike Stein: Ein halber Sommer lang

Erschienen am: 20.03.2017
Verlag: Oetinger
Genre: Kurzgeschichten
Umfang: 224 Seiten
Preis: 14,99 €
Mehr Infos hier.

inhalt
Was bleibt, wenn die Liebe geht. Acht letzte Nachrichten geliebter Menschen und die Geschichten, wie es zu dieser jeweils letzten Nachricht gekommen ist. Acht Autorinnen verleihen jugendlicher Melancholie eine Stimme und schreiben von der Liebe in ihren unterschiedlichsten Formen. Einer Liebe, die so intensiv ist, dass sie einem den Atem raubt, einer Liebe, die schmerzt, die zerreißt, die nicht sein darf oder zu der es nie gekommen ist. Am Ende bleibt stets die Frage: Was wäre, wenn?
Das zeitlose Thema Liebe modern aufbereitet und mit Leidenschaft von neuen, mutigen Stimmen im Bereich Jugendbuch erzählt.

meine-meinung

Als ich gehört habe, dass Sabine Schoder eine Geschichte zu diesem Buch beisteuert, konnte ich den Erscheinungstermin kaum abwarten. Auch das Thema „Letzte Nachricht“ / „Abschied“ im Bezug auf die Liebe spricht mich sehr an. Von meinen beiden Freundinnen habe ich das Buch schließlich direkt zur Buchmesse, an meinem Geburtstag, geschenkt bekommen. Besser geht’s doch gar nicht.

#herzleer beinhaltet acht Kurzgeschichten, die sich melancholisch mit der Liebe und deren Ende auseinandersetzen. Von verpassten Chancen ist hier zu lesen, genauso wie von gescheiterten Beziehungen oder denen, die gar nicht erst zustande kommen. Alle Geschichten waren auf ihre Weise faszinierend und konnten mich in ihren Bann ziehen. Besonders gut hat mir gefallen, dass ich mich während des Lesens wie bei einem Roman fallen lassen konnte. Keine Geschichte kratzt nur an der Oberfläche, sondern nimmt den Leser mit in ihre eigene Welt und setzt dabei eine ganz bestimmte Atmosphäre frei.

Ein paar Worte zu meinen drei Favoriten im Buch:

In „Herz-Pogo“ erzählt Anke Weber die kurze, intensive Geschichte einer Festivalbegegnug, die mich einfach mitgerissen hat. Die Wucht der Gefühle wird so authentisch beschrieben, dass ich mir sehnlichst ein Happy End für Jo und Nayra gewünscht habe. Zudem hat mir besonders gut gefallen, dass Jo nicht nur umwerfend, sondern auch sehr liebevoll beschrieben wird. Endlich einmal ein männlicher Protagonist, der nicht nur durch sein blendendes Aussehen, sondern auch durch seinen Charakter punktet.
Der locker-leichte Schreibstil hat mich so schnell durch die Seiten fliegen lassen, dass mir beim unvermeidlich traurigen Ende der Geschichte das Herz schwer wurde. Festivalgänger und Musikliebhaber werden sich in dieser Story sofort zu Hause fühlen.

Ich hatte mich so sehr darauf gefreut und wurde nicht enttäuscht. Sabine Schoder ist eine meisterhafte Erzählerin, die in „Herzspieß“ eine fesselnde Story rund um einen magisch-verstaubten Buchladen, die junge Vielleserin Elva und den frechen Levi spinnt, der das Geschäft seiner Oma ordentlich umkrempelt. Im Laufe der Geschichte kommen die beiden Jugendlichen sich näher und beweisen, dass Gegensätze sich tatsächlich anziehen. Bei dieser Geschichte konnte ich schmunzeln, seufzen und fühlte mich inmitten der Bücherberge sofort heimisch. Das Ende hat mich in seiner Dramatik nicht nur überrascht, sondern regelrecht betroffen zurück gelassen. Von allen Geschichten im Buch werde ich diese wohl so schnell nicht vergessen.

Erdbeermond“ von Katrin Zipse bringt das Sommergefühl der Jugend direkt zurück ins Gedächtnis der Leser. Marie, eigentlich vergeben, trifft beim Grillen am See auf ihr Gegenstück Levi. Liebe auf den ersten Blick – was für sie eigentlich undenkbar schien, entwickelt sich zur Nacht ihres Lebens. Auch hier wurde die Wucht der Gefühle so gut beschrieben, dass die Liebesgeschichte, trotz ihres Tempos, keineswegs unglaubwürdig ist. Die Umstände, die zum viel zu schnellen Ende dieser besonderen Nacht führen, sind genauso nachvollziehbar wie schade. Auch hier wäre eine Fortsetzung denkbar – und wünschenswert.

Nicht viel anfangen konnte ich leider mit der Geschichte „Nur einmal“ von Tanja Heitmann. Der Protagonist bleib ungreifbar, seine Motive wurden nicht deutlich und die Naivität der Protagonistin fand ich erschreckend. Auch das Ende ließ mich mehr ratlos als zufrieden zurück.

Thematisch interessant fand ich zwar „Ein halber Sommer lang“ von Maike Stein, dass im frühen geteilten Berlin spielt und sich um eine lesbische Liebe dreht. Doch die Charaktere, der Dialekt und das eingeflochtene Thema Fußball haben mich einfach nicht packen können. Der Schreibstil passt zwar in die Zeit, zu der die Geschichte spielt, war für mich aber leider unmodern und langatmig.

Mit 15 € ist das schmale Büchlein nicht gerade preiswert. Trotzdem möchte ich es euch ans Herz legen, wenn ihr melancholische Geschichten mögt, die euch für jeweils eine halbe Stunde in eine andere Welt entführen und dabei genauso atmosphärisch sind wie ein ganzer Roman. Wer die Möglichkeit hat, das Buch auszuleihen oder es geschenkt zu bekommen, der sollte nicht lange zögern.

4 Sterne
Insgesamt vergebe ich 4 Sterne.

fazit

„#herzleer“ beinhaltet acht melancholische Geschichten, die sich mit den verschiedenen Enden einer junge Liebe auseinandersetzen. Allein schon wegen der drei Highlights „Herz-Pogo“, „Herzspieß“ und „Erdbeermond“ hat sich dieses Buch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen und meinem Bücherregal erobert. Mit 15 € zählt das 220-Seiten umfassende Hardcover zwar nicht gerade zu den Schnäppchen, dennoch lohnt sich die Investition. Ich habe nicht nur vielversprechende Autorinnen kennengerlernt, sondern auch echten Herzschmerz verspürt. Bitte mehr davon!

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Tipp: Schaut euch unbedingt auch Charleens Traumbibliotheks Rezension zum Buch an!

Rezension zu „Rush of Love – Verführt“ von Abbi Glines

rush of love
Autorin: Abbi Glines

Erscheinungsdatum: 14.05.2013

Veröffentlicht bei: Piper

Genre: New Adult

Umfang: 240 Seiten

ISBN: 978-3492304382

Preis: 8,99 € (Taschenbuch)

Mehr Infos: hier

Die Autorin:

Abbi Glines, 1977 in Birmingham (Alabama) geboren, schrieb zahlreiche Fantasy- und Jugendbücher, bevor ihr mit ihren »New Adult«-Romanen der internationale Durchbruch gelang. Heute lebt die erfolgreiche Bestsellerautorin mit ihrem Mann und drei Kindern in Fairhope (Alabama). Quelle

Inhalt:

Wenn du willst, was du nicht haben kannst …

Nach dem Tod ihrer Mutter verlässt Blaire ihr Zuhause, um bei ihrem Vater und dessen neuer Familie in einem luxuriösen Strandhaus zu leben. Vor allem ihr attraktiver Stiefbruder Rush lässt sie jedoch immer wieder spüren, dass sie nicht willkommen ist. Er ist so abweisend wie anziehend, so verletzend wie faszinierend, er ist verwirrend und unwiderstehlich – und er kennt ein Geheimnis, das Blaires Herz mit einem Schlag für immer brechen könnte.

Meine Meinung:

Ich habe das E-Book vor ein paar Wochen günstig bei Amazon bekommen und hatte nun über Ostern Zeit zum Lesen. Dies ist mein zweiter Versuch, mich mit dem Genre „New Adult“ anzufreunden.

Blaire musste in ihrem jungen Leben schon viel Schlimmes durchmachen. Ihre Zwillingsschwester starb bei einem Autounfall, der Vater verließ die Familie kurz darauf, die Mutter starb an Krebs und hinterließ nichts als Schulden. Blaire musste die Highschool abbrechen und jobben, sich nebenbei um die Mutter kümmern und war ganz allein. Ihr Jugendfreund hat sie verlassen, bevor es ernst zwischen ihnen wurde. Am Ende hat Blaire gerade noch genug Geld, um ihren alten Jeep voll zu tanken und zu ihrem Vater zu fahren, obwohl sie so gut wie keinen Kontakt mehr zu ihm hat. Doch statt ihren Vater und seine neue Frau trifft sie auf ihren Stiefbruder Rush, der von ihrem plötzlichen Auftauchen alles andere als begeistert ist. Trotzdem lässt er sie vorübergehend im Zimmer der Haushälterin wohnen, bis seine Mutter und Blaires Vater aus dem Urlaub zurückkommen. Zwischen den beiden knistert es vom ersten Moment an, doch Rush legt keinen Wert auf eine feste Freundin. Er wechselt die Betthäschen so oft wie seine Unterwäsche und mehr als einmal wird Blaire Zeugin davon. Sie sucht sich einen Job im örtlichen Golfclub und will so schnell es geht wieder verschwinden.

Die Geschichte wird aus Blaires Sicht in der Vergangenheitsform erzählt. Im Buch haben sich einige Fehlerchen eingeschlichen, was mich beim Lesen etwas gestört hat. Außerdem fand ich manche Beschreibungen nicht gut gewählt, aber das könnte auch an der Übersetzung liegen.

Am Anfang dachte ich, die Story könnte ein wenig wie „Eiskalte Engel“ sein. Die verbotene Stiefgeschwister-Beziehung klang reizvoll, aber leider hatte das Buch keinerlei Ähnlichkeit mit meinen Erwartungen. Stattdessen entwickelt sich die Handlung voraussehbar, Blaire verknallt sich in Rush und auch er kann gegen seine Gefühle für sie bald nicht mehr ankämpfen. Was dann folgt sind überspitzte, schreckliche Erotikszenen, die ordinär und total übertrieben waren. Wahrscheinlich gehört das zum Genre, aber ich fand die Umsetzung und Beschreibung einfach nur schrecklich.
Am Ende wird ein Geheimnis gelüftet und Blaire verliert ihr Vertrauen in Rush. Vorerst jedenfalls. Dies ist der erste Band einer Reihe, aber ich habe nicht vor, sie weiter zu verfolgen.

Kennt ihr das Lied „Lush Life“ von Zara Larsson? (Ich dachte bis gerade eben das wäre Rihanna). Sie singt:

It was a crush
But I couldn’t, couldn’t get enough
It was a rush
But I gave it up

Immer wenn ich den Namen Rush gelesen habe, gingen mir diese Songtextzeilen durch den Kopf. Das hat das Lesen nicht vereinfacht 😀

Von mir gibt es für „Rush of Love – Verführt“ leider nur 2,5 Sterne.

2 1_2 Sterne
Fazit:

Typischer und kurzweiliger New-Adult-Roman. Aufgrund der vielen Klischees, einer vorhersehbaren Handlung und der schrecklichen Erotikszenen war dieses Buch leider nichts für mich.

Rezension zu „Will & Will“ von John Green und David Levithan

will
Autoren: John Green & David Levithan

Erscheinungsdatum: 09.09.2013

Veröffentlicht bei: cbt

Genre: Jugendbuch

Umfang: 378 Seiten

ISBN: 978-3570308851

Preis: 8,99 €

Mehr Infos: hier

Die Autoren:

David Levithan wurde NICHT in Frankreich oder Milwaukee geboren, hat weder in Harvard noch in Oxford studiert, und er lebt auch nicht in Manhattan, sondern auf der anderen Seite des Hudson River, in New Jersey. Gemeinsam mit Rachel Cohn hat er u.a. „Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht“ und „Naomi & Ely – Die Freundschaft, die Liebe und alles dazwischen“geschrieben. Sein preisgekrönter Roman „Noahs Kuss… und plötzlich ist alles anders“ hat in den USA mittlerweile Kultstatus.

Corine-Preisträger John Green schrieb die preisgekrönten Bestseller »Eine wie Alaska« und »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«. David Levithan ist der Autor des Bestsellers »Nick & Norah«, der für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. »Will & Will«, der erste gemeinsame Roman der beiden, stand auf der New York Times-Bestsellerliste und wurde unter die Top Ten der romantischsten Bücher des Jahres gewählt. Quelle

Klappentext:

Nur wer wagt – kann Liebe gewinnen

Sie heißen beide Will Grayson, wohnen beide in Chicago, sind beide siebzehn und tragen neben demselben Namen und demselben Alter dasselbe Problem mit sich herum: Aus lauter Angst, das Ding mit der Liebe zu versemmeln, lassen sie sich auf Romantisches gar nicht erst ein. Der eine Will zögert seit Wochen, sich selbst das einzugestehen, was für alle anderen offensichtlich ist: dass er nämlich bis über beide Ohren in seine wunderbare Mitschülerin Jane verliebt ist. Der andere Will flüchtet sich lieber in seine dubiose Online-Beziehung zu einem gewissen Isaac, anstatt sich im real life vor seinen Freunden zu outen. Doch alles ändert sich, als Will & Will eines Abends ganz zufällig aufeinandertreffen …

Meine Meinung:

Von John-Green-Büchern wurde ich bisher noch nie enttäuscht und auch „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan hat mir gut gefallen. Klar also, dass ich in der Buchhandlung zuschlagen musste, als ich „Will & Will“ vor ein paar Wochen zum ersten Mal sah.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Will’s erzählt. Die Kapitel sind durch die besondere Schreibweise des einen Wills, der alles klein schreibt, auch gut voneinander abgegrenzt. Trotzdem hatte ich anfangs Probleme, in die Geschichte hineinzufinden und die Freundeskreise und Familien den beiden verschiedenen Wills zuzuordnen. Dazu muss ich aber fairerweise sagen, dass es nicht am Buch selbst liegen muss, sondern dass die letzte Woche für mich einfach scheiße war. Aber als der Einstieg dann geglückt war, konnte ich richtig in das Buch eintauchen.
Wie immer schafft John Green es, viel Humor in die Geschichte zu integrieren und kuriose Begegnungen mit liebenswert-nerdigen Protagonisten und einer Prise Lebensweisheiten zu verbinden.
Bei der Übersetzung scheinen ein paar Formulierungen gelitten zu haben (wer sagt z.B. „Doofmann?“) und manche Sätze haben gar komplett ihren Sinn verloren. Echt schade. Deshalb lege ich euch ans Herz – sofern ihr euch das zutraut – das Buch am besten im englischen Original zu lesen.
Schillerndste Persönlichkeit des Buches ist der riesenhafte Tiny Cooper, der für beide Wills eine ganz entscheidende Schlüsselrolle spielt – und dem womöglich lieber das gesamte Buch gewidmet worden wäre. Neben ihm bleiben alle anderen Charaktere einfach blass.
Generell habe ich mir von der Idee mit den zwei Will Graysons, die durch Zufall aufeinandertreffen und durch Tiny einen gemeinsamen Bezugspunkt entwickeln, etwas anderes vorgestellt. Die beiden Wills treffen sich an genau zwei Punkten der Geschichte „in echt“, ansonsten haben sie nicht viel miteinander zu tun – bis auf die ähnlichen Probleme, die schon im Klappentext angesprochen werden. Dafür werden viele Dinge angesprochen, mit denen sich Teenagern gut identifizieren können und das reißt die Qualität der Geschichte für mich dann doch wieder raus.

Lieblingszitate:

glückshormone werden in mir ausgeschüttet. mein gehirn ist überschwemmt von entzücken. liebe ist eine solche droge. (S. 88)

wenn etwas zerbricht, dann ist es nicht das zerbrechen, was verhindert, dass sich alles wieder fügt. es liegt daran, dass ein stück verloren gegangen ist, und sei es noch so winzig – die beiden verbliebenen stücke passen einfach nicht mehr zueinander, egal was man versucht. (S. 215-216)

ich sag ihm andauernd, dass ich nicht sicher bin, ob die gesetze aus „sex and the city“ auch bei uns gelten, wo es weder sex noch eine city gibt. aber dann schaut er mich immer an, als würde ich mit pfeilen auf all die herzförmigen luftballons in seiner seele zielen, deshalb halte ich schnell die klappe. (S. 279)

ich würde ja gern mit ihm in seiner musical-märchen-welt leben, wo hexen wie maura mit einem beherzten wort besiegt werden und die waldbewohner alle glücklich sind, wenn die zwei schwulen jungs am ende hand in hand über die blumenwiese gehen. (…) vielleicht werde ich ihr eines tages einen besuch abstatten, aber ich hab da so meine zweifel. solche welten neigen nicht gerade dazu, einem versager wie mir ein visum auszustellen. (S. 296)

Wer John Green und / oder David Levithan mag und mit zwei Skeptikern in Sache Liebe mitfiebern, -leiden und -lachen will, der sollte bei „Will & Will“ zugreifen, am besten jedoch im englischen Original.
Von mir gibt’s leider nur 3 Sterne, denn für mich persönlich war es leider Greens schwächstes Buch.

3 Sterne
Fazit:

Kurzweilige Geschichte über zwei Jungen, die die gleichen Probleme und Ängste mit sich herumtragen, aber dennoch grundverschieden sind. Konnte mich leider nicht wirklich überzeugen.