Rezension zu „#herzleer – Was ich noch sagen wollte“

herzleer

Inhalt:

Lena Gorelik: Die letzte Nachricht
Anke Weber: Herz Pogo
Sabine Schoder: Herzspieß
Ruth Olshan: Sockenkonferenz
Tanja Heitmann: Nur einmal
Katrin Zipse: Erdbeermond
Jennifer Benkau: Ungesagtes
Maike Stein: Ein halber Sommer lang

Erschienen am: 20.03.2017
Verlag: Oetinger
Genre: Kurzgeschichten
Umfang: 224 Seiten
Preis: 14,99 €
Mehr Infos hier.

inhalt
Was bleibt, wenn die Liebe geht. Acht letzte Nachrichten geliebter Menschen und die Geschichten, wie es zu dieser jeweils letzten Nachricht gekommen ist. Acht Autorinnen verleihen jugendlicher Melancholie eine Stimme und schreiben von der Liebe in ihren unterschiedlichsten Formen. Einer Liebe, die so intensiv ist, dass sie einem den Atem raubt, einer Liebe, die schmerzt, die zerreißt, die nicht sein darf oder zu der es nie gekommen ist. Am Ende bleibt stets die Frage: Was wäre, wenn?
Das zeitlose Thema Liebe modern aufbereitet und mit Leidenschaft von neuen, mutigen Stimmen im Bereich Jugendbuch erzählt.

meine-meinung

Als ich gehört habe, dass Sabine Schoder eine Geschichte zu diesem Buch beisteuert, konnte ich den Erscheinungstermin kaum abwarten. Auch das Thema „Letzte Nachricht“ / „Abschied“ im Bezug auf die Liebe spricht mich sehr an. Von meinen beiden Freundinnen habe ich das Buch schließlich direkt zur Buchmesse, an meinem Geburtstag, geschenkt bekommen. Besser geht’s doch gar nicht.

#herzleer beinhaltet acht Kurzgeschichten, die sich melancholisch mit der Liebe und deren Ende auseinandersetzen. Von verpassten Chancen ist hier zu lesen, genauso wie von gescheiterten Beziehungen oder denen, die gar nicht erst zustande kommen. Alle Geschichten waren auf ihre Weise faszinierend und konnten mich in ihren Bann ziehen. Besonders gut hat mir gefallen, dass ich mich während des Lesens wie bei einem Roman fallen lassen konnte. Keine Geschichte kratzt nur an der Oberfläche, sondern nimmt den Leser mit in ihre eigene Welt und setzt dabei eine ganz bestimmte Atmosphäre frei.

Ein paar Worte zu meinen drei Favoriten im Buch:

In „Herz-Pogo“ erzählt Anke Weber die kurze, intensive Geschichte einer Festivalbegegnug, die mich einfach mitgerissen hat. Die Wucht der Gefühle wird so authentisch beschrieben, dass ich mir sehnlichst ein Happy End für Jo und Nayra gewünscht habe. Zudem hat mir besonders gut gefallen, dass Jo nicht nur umwerfend, sondern auch sehr liebevoll beschrieben wird. Endlich einmal ein männlicher Protagonist, der nicht nur durch sein blendendes Aussehen, sondern auch durch seinen Charakter punktet.
Der locker-leichte Schreibstil hat mich so schnell durch die Seiten fliegen lassen, dass mir beim unvermeidlich traurigen Ende der Geschichte das Herz schwer wurde. Festivalgänger und Musikliebhaber werden sich in dieser Story sofort zu Hause fühlen.

Ich hatte mich so sehr darauf gefreut und wurde nicht enttäuscht. Sabine Schoder ist eine meisterhafte Erzählerin, die in „Herzspieß“ eine fesselnde Story rund um einen magisch-verstaubten Buchladen, die junge Vielleserin Elva und den frechen Levi spinnt, der das Geschäft seiner Oma ordentlich umkrempelt. Im Laufe der Geschichte kommen die beiden Jugendlichen sich näher und beweisen, dass Gegensätze sich tatsächlich anziehen. Bei dieser Geschichte konnte ich schmunzeln, seufzen und fühlte mich inmitten der Bücherberge sofort heimisch. Das Ende hat mich in seiner Dramatik nicht nur überrascht, sondern regelrecht betroffen zurück gelassen. Von allen Geschichten im Buch werde ich diese wohl so schnell nicht vergessen.

Erdbeermond“ von Katrin Zipse bringt das Sommergefühl der Jugend direkt zurück ins Gedächtnis der Leser. Marie, eigentlich vergeben, trifft beim Grillen am See auf ihr Gegenstück Levi. Liebe auf den ersten Blick – was für sie eigentlich undenkbar schien, entwickelt sich zur Nacht ihres Lebens. Auch hier wurde die Wucht der Gefühle so gut beschrieben, dass die Liebesgeschichte, trotz ihres Tempos, keineswegs unglaubwürdig ist. Die Umstände, die zum viel zu schnellen Ende dieser besonderen Nacht führen, sind genauso nachvollziehbar wie schade. Auch hier wäre eine Fortsetzung denkbar – und wünschenswert.

Nicht viel anfangen konnte ich leider mit der Geschichte „Nur einmal“ von Tanja Heitmann. Der Protagonist bleib ungreifbar, seine Motive wurden nicht deutlich und die Naivität der Protagonistin fand ich erschreckend. Auch das Ende ließ mich mehr ratlos als zufrieden zurück.

Thematisch interessant fand ich zwar „Ein halber Sommer lang“ von Maike Stein, dass im frühen geteilten Berlin spielt und sich um eine lesbische Liebe dreht. Doch die Charaktere, der Dialekt und das eingeflochtene Thema Fußball haben mich einfach nicht packen können. Der Schreibstil passt zwar in die Zeit, zu der die Geschichte spielt, war für mich aber leider unmodern und langatmig.

Mit 15 € ist das schmale Büchlein nicht gerade preiswert. Trotzdem möchte ich es euch ans Herz legen, wenn ihr melancholische Geschichten mögt, die euch für jeweils eine halbe Stunde in eine andere Welt entführen und dabei genauso atmosphärisch sind wie ein ganzer Roman. Wer die Möglichkeit hat, das Buch auszuleihen oder es geschenkt zu bekommen, der sollte nicht lange zögern.

4 Sterne
Insgesamt vergebe ich 4 Sterne.

fazit

„#herzleer“ beinhaltet acht melancholische Geschichten, die sich mit den verschiedenen Enden einer junge Liebe auseinandersetzen. Allein schon wegen der drei Highlights „Herz-Pogo“, „Herzspieß“ und „Erdbeermond“ hat sich dieses Buch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen und meinem Bücherregal erobert. Mit 15 € zählt das 220-Seiten umfassende Hardcover zwar nicht gerade zu den Schnäppchen, dennoch lohnt sich die Investition. Ich habe nicht nur vielversprechende Autorinnen kennengerlernt, sondern auch echten Herzschmerz verspürt. Bitte mehr davon!

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Tipp: Schaut euch unbedingt auch Charleens Traumbibliotheks Rezension zum Buch an!

Rezension zu „Überlieben in 10 Schritten“ von Rachel McIntyre

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Autorin: Rachel McIntyre

Erschienen am: 18.01.2017

Verlag: Magellan

Genre: Jugendbuch

Umfang: 304 Seiten

Preis: 17,00 € (gebunden)

Mehr Infos hier.

die-autorin

Rachel McIntyre ist in einem Haus voller Bücher aufgewachsen und ihre Leidenschaft für Sprache gibt sie nun als Lehrerin weiter. Sie weiß, dass Jugendliche gute Geschichten lieben – Geschichten, die ihnen dabei helfen, mit den täglichen Herausforderungen ihres Lebens umzugehen. Rachel McIntyre lebt in Nordengland. Nach Sternschnuppenstunden ist Überlieben in 10 Schritten ihr zweiter Roman.

inhalt

Daisy hat die Nase voll! Von Jungs im Allgemeinen und von ihrem Ex im Speziellen. Zeit für einen Neuanfang! Am College ist sowieso alles besser und man hat viel Wichtigeres als Jungs im Kopf. Davon ist Daisy fest überzeugt – zumindest bis sie Toby begegnet. Mr Charming hat es ihr angetan. Alles scheint perfekt, sodass sie die ersten Wolken am Liebeshimmel komplett übersieht. Doch so langsam braut sich ein richtiger Sturm zusammen, dem niemand entkommen kann! Jetzt ist es an Daisy, das Ruder wieder in die Hand zu nehmen …

meine-meinung
Ich habe das Buch im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks gewonnen. Vielen Dank an den Magellan-Verlag und Lovelybooks für den Gewinn!

Nachdem ihr langjähriger Freund und ihre einzig wahre Liebe Matt mit seiner Mutter nach Spanien gezogen ist, hat Daisy genug vom Trübsal-Blasen. Ein Neuanfang muss her. Daisy will weg von ihrer alten Schule, wo sie alles an die gemeinsame Zeit mit Matt erinnert. Sie freut sich auf das College und das damit verbundene, aufregende Studentenleben. Von Jungs hat sie die Nase voll und von ihrem alten Leben sowieso.
Doch am College angekommen, stellt sie schnell fest, dass die schöne, heile Welt aus den Hochglanzprospekten so gar nicht der Realität entspricht: Cliquenbildung, Zickenkrieg, langweilige Schulstunden – alles genau wie vorher. Nur sie steht ohne ihre Freundinnen da und muss sich an den neuen Alltag gewöhnen. Als dann auch noch der filmstarmäßig gutaussehende Toby in ihrem Kurs auftaucht und sich ausgerechnet für sie interessiert, steht Daisys Welt plötzlich Kopf.

Daisy ist eine wahnsinnig tolle Protagonistin. Sie hat das Herz am rechten Fleck und ein sehr lockeres Mundwerk. Über ihre eigensinnigen Wortkreationen musste ich mehr als einmal herzhaft lachen. Der Roman quilt schier über vor herrlich schrägem und pechschwarzem Humor, Sarkasmus und flotten Sprüchen. Da haben die beiden Übersetzerinnen ganze Arbeit geleistet. So liebe ich das!
Inmitten ihres behüteten Elternhauses, der Hochzeitsagentur ihrer noch immer schwer verliebten Eltern und ihrer beiden besten Freundinnen, hat Daisy alles, was sie braucht – bis auf Matt, der ihr immer noch schrecklich fehlt. Da kommt Toby gerade recht. Ein Date oder zwei können ja nicht schaden. Immerhin hat ihr Ex auch schon längst eine bildschöne neue Freundin. Warum also nicht die Vergangenheit für ein paar Stunden vergessen? Doch Toby will mehr von Daisy. Innerhalb kurzer Zeit fährt er die schweren Beziehungsgeschütze auf und weicht kaum mehr von ihrer Seite. Blind vor Glück sieht Daisy nicht, dass ihr neuer Schwarm nicht nur gute Seiten hat. Wird sie sich voll und ganz auf ihn einlassen? Oder rennt Daisy am Ende in ihr Verderben?

Neben der lockeren Liebesgeschichte, die sich rasant entwickelt, spielen auch Werte wie Freundschaft und Familienzusammenhalt eine wichtige Rolle in diesem Buch. Vor allem die enge Bindung zwischen den drei Freundinnen und ihre 10 „goldenen Regeln“ für alle Lebenslagen fand ich super.
Alle Charaktere waren liebevoll ausgearbeitet und man schließt sie schnell ins Herz.
Durch den herrlichen Humor und viele unvorhergesehene Wendungen wird die Geschichte nie langweilig. Die knapp 300 Seiten fliegen vobei wie nix. Neben dem absolut hochwertigen Print finde ich vor allem die Umschlag- und Buchdeckelgestaltung sehr süß. Dieses Buch spricht einfach alle Sinne an!

Was anfangs als locker-witziges Jugendbuch daherkommt, offenbart schnell seine Stärken: ernste Themen, gut verpackt in einer leichten Sprache, und ein offenes Ende ganz nach meinem Geschmack haben dieses Buch zu einem tollen Lesegenuss für mich gemacht. Überlieben in 10 Schritten war mein erstes Buch aus dem Magellan-Verlag, aber es wird definitiv nicht das letzte sein!

5 Sterne
Für dieses wunderbare Buch vergebe ich 5 Sterne.

fazit
Überlieben in 10 Schritten ist ein Jugendbuch ganz nach meinem Geschmack. Die ausgeflippte Protagonistin Daisy, die ihr Herz auf der Zunge trägt und dem Liebeskummer den Kampf ansagt, hat mich wunderbar unterhalten. Liebevoll ausgearbeitete Charaktere, spannende Wendungen und die humorvolle Sprache haben dieses Buch zu einem echten Pageturner gemacht. Ein ganz besonderes Buch – von innen und von außen. Ein absoluter Geheimtipp.

Rezension zu „Ein Sommer ohne uns“ von Sabine Both

Sommer ohne uns

Autorin: Sabine Both

Erscheinungsdatum: 15.02.2016

Veröffentlicht bei: Löwe

Genre: Jugendbuch / Liebe / Drama

Umfang: 240 Seiten

Preis: 12,95 € (broschiert)

ISBN: 978-3785582220

Mehr Infos: hier 

Die Autorin:

Bestsellerautorin Sabine Both lebt mit ihren Kindern in der Nähe von Neuss. Mit dem Schreiben von berührenden Romanen hat sie ihren absoluten Traumjob gefunden. Unter dem Pseudonym Franziska Moll erschienen bereits „Was ich dich träumen lasse“ und „Egal wohin“. Auch in ihrem neuen Band geht es um die Spielarten der Liebe und das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Quelle

Inhalt:

Eine große Liebe. Und eine Auszeit von der Treue. Eine offene Beziehung. Für drei Monate. Zwischen Abi und Studium. Sich ausprobieren. Mit anderen. Danach ist alles wieder wie zuvor und Tom und Verena weiterhin ein Paar. Denn sie lieben sich und wollen für immer zusammen bleiben. Doch ist das wirklich so einfach, wie sie es sich vorstellen? Verena und Tom kennen sich von klein auf, sind ein Paar, seit sie dreizehn sind. Sie gehören einfach zusammen und das soll für immer so bleiben. Aber ein Gedanke lässt Verena – mitten im Abistress und voller Vorfreude auf das anstehende Studium – nicht mehr los: Sie hat noch nie einen anderen Jungen geküsst, geschweige denn Sex mit einem anderen gehabt. Doch sie liebt Tom und sich von ihm zu trennen oder ihn zu betrügen, kommt nicht infrage. Als sie schließlich mit Tom darüber spricht, treffen die beiden eine Vereinbarung: eine offene Beziehung, drei Monate Austobzeit nach dem Abi. Danach ist alles wieder wie vorher und die zwei wieder ein Paar. Zunächst genießen die beiden es, sich auszuprobieren. Doch sie haben nicht mit den Gefühlen gerechnet, die das Arrangement mit sich bringt: Zweifel tun sich auf. Ängste. Werden sie rechtzeitig einen Ausweg finden?

Meine Meinung:

Auf dieses Buch war ich sehr neugierig. Das Thema ist, meines Wissens, im Jugendbuch neu und sehr spannend. Die Meinungen zum Buch gehen weit auseinander, die Bewertung fällt eher mittelmäßig aus. Nachdem das Buch meine Freundin nicht mehr losgelassen hat, musste ich es mir auch kaufen und meine eigene Meinung dazu bilden.

Die Geschichte setzt 5 Jahre vor der eigentlichen Handlung ein. Tom und Verena sind Nachbarskinder, die sich schon ihr Leben lang kennen. Die Eltern sind eng befreundet und glücklich. Die beiden gestehen sich ein, dass sich ihre kindlich-freundschaftflichen Gefühle füreinander geändert haben und es kommt zum ersten Kuss. Von diesem Tag an sind Tom und Verena ein Paar. Sie verstehen sich ohne Worte, sehen sich jeden Tag, kennen den anderen besser als sich selbst und sind füreinander geschaffen.
Fünf Jahre später: Tom und Verena sind 18 und stehen kurz vorm Abi. Die Zukunft ist geplant, beide werden gemeinsam in Marburg studieren und dort zusammen wohnen. Verenas Zwillingsbruder Rollo musste die Klasse wiederholen und lebt von einer Party zur nächsten. Frauen sind austauschbar, er kommt gut an bei den Mädchen. Auch die Stimmung zwischen den Eltern hat sich gewandelt. Als Verena auf den Rocksänger Jesse trifft und Tom sich zu Rollos Affäre Isabell hingezogen fühlt, beschließen die beiden, die Zeit bis zum Studium zu nutzen, um Erfahrungen mit anderen zu sammeln.

Geschichte und Handlung konnten mich überzeugen. Die Entwicklung ist authentisch und ich konnte beide Protagonisten und ihre Entscheidungen stets verstehen. Neben der eigentlichen Haupthandlung werden auch andere Themen angesprochen: Versagensängste (Rollo), sich trennende Eltern, Sehnsucht und Eifersucht, nur um ein paar Stichworte zu nennen. Es gibt außerdem eine manipulative Person, die für Spannung sorgt und Tom und Verena auseinander treiben will.
Der Leser ahnt schnell, dass die Abmachung zwischen beiden nicht lange gut gehen kann. Auch wenn Verena und Tom daran glauben, dass ihre große Liebe den Treuebruch unbeschadet übersteht, zeichnet sich schon relativ früh ab, dass dem nicht so ist. Nun handelt es sich bei „Ein Sommer ohne uns“ um ein Jugendbuch. Dementsprechend wurde das Ende gestaltet. Ich kann damit leben und finde es vollkommen okay. Es hätte allerdings auch anders ausgehen können. Mich würde eure Meinung über das Ende interessieren, sofern ihr das Buch schon gelesen habt.

Kommen wir nun zum großen Haken: der Schreibstil. Amazon beschreibt ihn als „ganz eigen und poetisch„, ich nenne ihn kühl, einfach und distanziert. Die Geschichte wird aus der 3. Person, immer abwechselnd aus Verenas und Toms Sicht, erzählt. Dabei wechseln sich die Perspektiven absatzweise ab. Das ist neu und kannte ich so noch nicht. Durch unterschiedliche Schriftarten sind die Perspektiven aber immer gut voneinander zu unterscheiden. Auf detailreiche Beschreibungen wird verzichtet, die Sätze fallen kurz und knackig aus. Die Autorin formuliert auf den Punkt genau. Auf den ersten Blick wirkt das sehr einfach, ich finde es jedoch gut, dass dem Leser dadurch viel Raum zum Lesen zwischen den Zeilen gegeben wird.
Wenn man sich einmal an diese außergewöhnliche Erzählform gewöhnt hat, liest sich das Buch flott weg. Einige Wendungen geben der Geschichte zum Ende hin nochmal Würze, manche Entwicklungen waren mir dann allerdings zu viel des Guten.
Durch die gewählte Erzählperspektive bleiben die Protagonisten immer fern. Ich konnte keine richtige Verbindung zu ihnen aufbauen, auch wenn an der ein oder anderen Stelle auf ihre Gedanken eingegangen wird.

Zitate:

Es ist raus, ehe er es hat prüfen können. Und er weiß, dass es sich anhört wie etwas, das Tom noch nie zu Verena gesagt hat. Alles an dir ist Vanille. Er hätte so etwas nicht sagen dürfen. Er hätte nicht eine Sekunde länger warten können, so etwas zu sagen. (E-Book, Pos. 1016-1018)

„Eines Tages willst du es wissen. Wie es mit jemand anderem ist. Und wenn du es nicht ausprobierst, wirst du den Gedanken nie los. Und das macht deine Beziehung kaputt. Erst unbemerkt, dann immer deutlicher. Um am Ende hasst ihr euch.“ (E-Book, Pos. 1381-1383)

Jetzt ist das Bild so deutlich wie die Realität. Es macht ihn fertig. Verena mit einem anderen Mann. Mit Schutz. Aber was schützt ihn? (E-Book, Pos. 1617-1619)

Insgesamt kann ich sagen, dass ich das Buch genossen habe. Das Thema war spannend, die Entwicklung von der unschuldigen Jugendliebe hin zur offenen Beziehung auf Zeit mit all ihren Konsequenzen empfand ich als konsequent und nachvollziehbar. Der Schreibstil hat zwar durchaus etwas Poetisches, aber die Erzählperspektive aus der 3. Person hat mir in diesem Buch nicht so gut gefallen wie z. B. bei „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“. Sie sorgt für Distanz, was einerseits gut zur Story passt, mich andererseits aber gestört hat.
Wer mal eine etwas andere Geschichte über die erste Liebe kennenlernen möchte, gerne zwischen den Zeilen liest und sich von der ungewöhnlichen Erzählform nicht abschrecken lässt, dem kann ich das Buch durchaus empfehlen.

Viele Blogger bewerten auch die Cover. Das mache ich nicht, aber zu diesem hier möchte ich etwas sagen: die kunstvolle Gestaltung hat was. Auf der Vorderseite zieht man Verena, die sich gegen eine Wand lehnt. Wenn man das Buch aufklappt, steht da Tom.

sommer_cover Quelle

Ein echter Blickfang also. Dennoch gefallen mir die Zeichnungen nicht. Mit echten Menschen hätte es mir wesentlich besser gefallen, aber das ist ja Geschmackssache. Von weitem würde ich jedoch denken, es wäre ein Kinderbuch (ab 10 vielleicht).
Auch der Preis (12,95 € für 240 Seiten Klappenbroschur) kommt mir sehr überzogen vor. Ich habe das nur wenig günstigere E-Book gewählt (für 8,99 €).

Zur Bewertung: Abzüge gibt es für manch übertriebene Entwicklung am Schluss, teilweise gestelzte Dialoge und den Erzählstil, obwohl er mir zeitweise sogar gefallen hat. Aber insgesamt konnte ich durch ihn nicht richtig an Tom und Verena herankommen. Deshalb vergebe ich gute 3 Sterne.

3 Sterne

Fazit:

Über den knappen, distanzierten Stil lässt sich sicher streiten. Mir hat er den Zugang zu den Charakteren erschwert, andererseits konnte ich zwischen den Zeilen lesen. Handlung und Entwicklung haben mich überzeugt. Am Ende wurde es mir etwas too much, doch der Ausgang der Geschichte hat mich versöhnt.
Ein besonderes Buch zu einem spannenden Thema, dem ihr eine Chance geben solltet.

 

 

Rezension zu „Maybe Someday“ von Colleen Hoover

Maybe Someday

Autorin: Colleen Hoover

Erscheinungsdatum: 18.03.2016

Veröffentlicht bei: dtv

Genre: Junge Erwachsene / Liebe

Umfang: 427 Seiten + Bonusmaterial online

ISBN: 978-3423740180

Preis: 12,95 €

Mehr Infos: hier 
Die Autorin:

Colleen Hoover stand mit ihrem Debüt ›Weil ich Layken liebe‹, das sie zunächst als eBook veröffentlichte, sofort auf der Bestsellerliste der ›New York Times‹. Mittlerweile hat sie auch in Deutschland die SPIEGEL-Bestsellerliste erobert. Mit ihren zahlreichen Romanen, die alle zu internationalen Megasellern wurden, verfügt Colleen Hoover weltweit über eine riesengroße Fangemeinde. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Texas. Quelle

Inhalt:

Das Letzte, was Sydney will, als sie bei dem attraktiven Gitarristen Ridge einzieht, ist, sich in ihn zu verlieben. Zu frisch ist die Wunde, die ihr Ex hinterlassen hat. Und auch Ridge hat gute Gründe, seine neue Mitbewohnerin nicht zu nah an sich ranzulassen, denn er hat seit Jahren eine feste Freundin: Maggie – hübsch, sympathisch, klug, witzig. Und dann passiert es doch. Als Sydney beginnt, Ridge beim Songschreiben zu helfen, kommen sie sich näher als erwartet. Auch wenn beide die Stopptaste drücken, bevor wirklich etwas passiert, können sie nichts gegen die immer intensivere Anziehung ausrichten, die sie zu unterdrücken versuchen – vergeblich.

Meine Meinung:

Gott, was habe ich mich auf das neue Buch von Colleen Hoover gefreut! Ich habe dem Erscheinungstermin richtig entgegengefiebert und mich riesig gefreut, als ich die Möglichkeit bekam, das Buch vorab zu lesen. An dieser Stelle: Vielen Dank an dtv!

Leider muss ich sagen, dass mich das Buch nicht so richtig mitreißen konnte. Vielleicht hatte ich nach dem grandiosen „Love & Confess“ zu hohe Erwartungen an die neue Geschichte meiner Lieblingsautorin.

Wie immer ist das Buch wunderbar geschrieben. Colleen Hoover schreibt einfach, benutzt oft kurze Sätze und gerne Wiederholungen. Ihre Bücher lesen sich flüssig und schnell und die Seiten fliegen nur so dahin. Zum ersten Mal hat es mich bei diesem Buch allerdings gestört, dass mehrere Sätze nacheinander mit „Ich“ oder „Er“ beginnen. Das hätte man auch schöner lösen können. Aber wahrscheinlich bin ich hier wieder überkritisch.

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven von Sydney und Ridge erzählt. Wieder einmal wartet einer der beiden Protagonisten mit einem Geheimnis auf, von dem die Leser (und der zweite Prota) am Anfang nichts geahnt haben. Solche Überraschungen gefallen mir gut. Die Kapitel sind kurz und knackig, genauso wie ich es mag.

Sydney wird dem Leser als taffes Mädchen präsentiert. Von Freund und bester Freundin betrogen und hintergangen? Egal, da steh ich drüber! Ich mochte sie von Anfang an sehr, umso mehr hat es mich verwundert, dass sie am Ende des Buches doch recht schüchtern und unsicher rüberkam. Es wollte nicht so richtig zu der Sydney passen, die die restlichen 90 % des Buches ausmacht.
Ridge kommt anfangs als der typische Musiker daher – gut aussehend, in sich gekehrt, ein bisschen arrogant. Sydney ist die erste Person, der er seine Geschichte anvertraut. Die beiden bauen eine ganz besondere Verbindung zueinander auf, die der Leser auch deutlich spüren kann. Trotzdem scheint eine gemeinsame Zukunft aussichtslos. Hin- und her gerissen zwischen ihren tiefen Gefühlen, gegen die sie aus verschiedenen Gründen anzukämpfen versuchen, und ihrem Gewissen entwickeln beide eine schier unstillbare Sehnsucht zueinander. Wie immer konnte mich das Buch vor allem auf der Gefühlsebene überzeugen, weil ich mich stets in die Gedanken und Gefühle der beiden hinein versetzen konnte. „Maybe Someday“ ist ein Buch zum Mit-Leiden, Mit-Schmachten und Mit-Weinen.

Dennoch muss ich leider sagen, dass diese Geschichte für meinen Geschmack zu kitschig daher kam. Ab der Hälfte des Buches ist in gefühlt jedem zweiten Satz „mein Herz“ zu lesen. „Mein Herz zerbricht“, „mein Herz hier“, „mein Herz da“, das war mir einfach zu viel. Auch fand ich, dass einige Szenen unnötig in die Länge gezogen wurden und im gesamten Buch, trotz des erheblichen Umfangs, relativ wenig passiert. Sehr schade.
Das Ende und die Auflösung des Konfliktes waren vorauszusehen, aber natürlich war es das Ende, das die Leserinnen sich wünschen, deshalb fand ich es total okay. Kurz vor Schluss sind mir sogar ein paar Tränchen in die Augen geschossen, obwohl ich nur sehr selten so emotional werde, wenn es um Bücher geht. Von daher: Alles richtig gemacht, Frau Hoover!
Generell muss ich sagen, dass ich mit Geschichten über Musiker / Rockstars relativ wenig anfangen kann. Zwar ist diese Geschichte aufgrund von Ridges „Geheimnis“ total anders, aber die im Buch enthaltenen Songtexte konnten mich nicht überzeugen. So ging es mir schon in der Will & Layken Reihe mit den Poetry Slam Texten. Das ist einfach nicht meins und sowas gefällt mir nicht. Da kommt schon ein gewisser Fremdschämfaktor bei mir auf. Aber das ist sicher Geschmackssache.

Obwohl mir „Maybe Someday“ weniger gefallen hat als z. B. „Love & Confess“ ist es ein lesenswertes Buch, wenn man eine nette, sehnsuchtsvolle Liebesgeschichte für Zwischendurch sucht und nichts gegen eine gehörige Portion Kitsch einzuwenden hat. Von Colleen Hoover bin ich jedoch Besseres gewohnt. Aufgrund der überschaubaren Handlung, der vorauszusehenden Auflösung und dem hohen Schmachtanteil vergebe ich diesmal nur 3 Sterne. Dennoch freue ich mich sehr auf ihr nächstes Buch.

3 Sterne
Fazit:

„Maybe Someday“ ist eine nette Liebesgeschichte für Zwischendurch. Es mangelt weder an großen Gefühlen noch an inneren Gewissenskonflikten. Dennoch bin ich von der Autorin Besseres gewohnt und empfand die Geschichte insgesamt als zu kitschig und teilweise vorhersehbar.

 

Rezension zu „Die Nacht schreibt uns neu“ von Dani Atkins

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Autorin: Dani Atkins

Erscheinungsdatum: 17.12.2015

Veröffentlicht bei: Knaur

Genre: Liebesroman mit dramatischen Elementen

Umfang: 443 Seiten

Preis: 9,99 €

ISBN: 978-3426517697

Mehr Infos hier.

Die Autorin:

Dani Atkins, 1958 in London geboren und aufgewachsen, lebt heute mit ihrem Mann in einem Dorf im ländlichen Hertfordshire. Sie hat zwei erwachsene Kinder. Nach ihrem Romandebüt „Die Achse meiner Welt“, das die Spiegel-Bestsellerliste und die Herzen der deutschen Leser im Sturm eroberte, folgt die zweite, wunderschöne Liebesgeschichte „Die Nacht schreibt uns neu“. Quelle

Inhalt:

Emma Marshall ist 27 Jahre alt, als sie ihren Job in London aufgibt und zurück in ihre kleine Heimatstadt zieht, um ihrem Vater bei der Betreuung ihrer demenzkranken Mutter zu helfen. Fünf Jahre sind vergangen, seit sie das verschlafene Städtchen verließ, doch scheinbar hat sich nichts geändert: ihre zwei besten Freundinnen Amy und Caroline sind ihr genauso nahe wie früher und auch mit ihrem Exfreund Richard knüpft sie an die alte Beziehung an. Nach einem Jahr neu entflammter Liebe macht er ihr sogar einen Heiratsantrag.
Emma ist glücklich, als sie ihren Junggesellinnenabschied im Kreise ihre Freundinnen feiert, doch auf der Rückfahrt der Party passiert ein schrecklicher Unfall, der ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Der attraktive Amerikaner Jack rettet sie in letzter Minute aus dem Unfallwagen und sorgt seit diesem Abend für ordentlich Gefühlschaos in Emmas Leben. Als Emma klar wird, welche schrecklichen Folgen der Unfall hatte, ist für sie nichts mehr, wie es vorher war.

Meine Meinung:

Lange habe ich mich auf dieses Buch mit dem umwerfend schönen Cover gefreut. Atkins‘ Debütroman „Die Achse meiner Welt“ hat mir vor zwei Jahren sehr gut gefallen, umso gespannter war ich auf ihr neues Buch.
Leider konnte mich „Die Nacht schreibt uns neu“ trotz solider Grundidee und überwiegend sympathischer Charaktere nicht überzeugen.

Was mir nicht gefallen hat:

Dani Atkins Schreibstil empfand ich als zu gewollt, zu umständlich formuliert und schlichtweg unangenehm zu lesen. Die Dialoge waren gestelzt und schäumten nur so über vor übertriebener britischer Höflichkeit. Ich denke nicht, dass irgendjemand so redet. Und auch wenn ein Liebesroman durchaus ein bisschen kitschig sein darf, so finde ich es doch besonders wichtig, dass die Dialoge und Interaktionen zwischen den Personen authentisch wirken. Und das war bei diesem Buch leider nicht der Fall.

Die Handlung wurde seitenweise unnötig in die Länge gezogen. Deswegen empfand ich das Buch leider als langweilig und bin auch nur sehr mühsam vorangekommen. Außerdem waren einige Dinge, die dem Leser häppchenweise serviert wurden, um später einen Überraschungseffekt zu erzeugen, einfach sehr vorhersehbar. Emma braucht z. B. 200 Seiten, um etwas zu kapieren, dass der Leser von Anfang an weiß.

Protagonistin Emma, aus deren Sicht die Geschichte in der Vergangenheitsform erzählt wird, wurde mir zu naiv, widersprüchlich und vollkommen altmodisch konstruiert. In ihren Ansichten repräsentiert sie wohl eher die 58-jährige Autorin wieder, aber wohl kaum eine 27-jährige Frau.

Aber es gab auch positive Aspekte:

Einige Nebencharaktere konnten der Geschichte einen gewissen Charme verleihen, allen voran die herrlich direkte, wild fluchende Monique – Emmas französische Chefin aus der Buchhandlung.

Im Buch werden ernste Themen angesprochen,  die Emma verarbeiten muss, z.B. die Folgen des Unfalls und die Probleme, die die Krankheit der Mutter mit sich bringen. Beides federn die seichte Liebesgeschichte ab und bringen etwas Tiefe in die Handlung.

Nachdem Emma sich ihre Gefühle für ihren heldenhaften Retter Jack endlich eingestanden hat, bleibt es lange offen, für welchen der beiden Männer in ihrem Leben sie sich schlussendlich entscheidet. Das wäre fast spannend, wenn es nicht trotzdem so vorhersehbar wäre.

Das Ende kam total überraschend – diesmal wirklich, falls ihr euch an dieser Stelle denkt: „Jaja, das haben auch alle von Die Achse meiner Welt gesagt, dabei wusste man von Anfang an, was Sache ist“, kann ich euch beruhigen. Zwischen den Kapiteln gibt es sechs kleine Einschübe, die den Leser in eine bestimmte Richtung denken lassen, doch nichts ist, wie es scheint. Wahrscheinlich ist es einzig und allein dem guten Ende zu verdanken, dass ich das Buch nicht grottenschlecht fand.

Insgesamt muss ich für „Die Nacht schreibt uns neu“ trotzdem leider nur zwei Sterne vergeben:

2 Sterne
Fazit: 

Die langatmige Handlung, zu viel britische Höflichkeit und ein umständlicher, gestelzter Schreibstil haben leider dafür gesorgt, dass ich das Buch nicht weiterempfehlen kann.

Rezension zu „All die verdammt perfekten Tage“ von Jennifer Niven

All die verdammt perfekten Tage

Autorin: Jennifer Niven

Erscheinungsdatum: 28.12.2015

Veröffentlicht bei: Limes

Genre: Jugendbuch / Liebe / Drama

Umfang: 394 Seiten

Preis: 14,99 €

ISBN: 978-3809026570

Mehr Infos hier.

Die Autorin:

Jennifer Niven wuchs in Indiana auf, dort, wo auch All die verdammt perfekten Tage spielt. Mit der herzzerreißenden Liebesgeschichte von Violet und Finch hat sie Verlage in aller Welt begeistert – die Rechte wurden in 32 Länder verkauft. In den USA stieg All die verdammt perfekten Tage sofort auf Platz 13 der New-York-Times-Bestsellerliste ein, eine Hollywoodverfilmung ist ebenfalls in Planung. Heute lebt die Autorin mit ihrem Verlobten und ihren »literarischen« Katzen in Los Angeles, wo sie 2000 das Schreiben zu ihrem Hauptberuf machte. Quelle

Inhalt:

Ein Mädchen lernt zu leben – von einem Jungen, der sterben will

Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…

Meine Meinung:

Was für ein Buch!
Am Anfang stehen zwei Teenager auf einem Glockenturm und denken darüber nach, sich das Leben zu nehmen. Theodore Finch, der Schulfreak, rettet die beliebte Violet Markey, die den Tod ihrer Schwester nicht überwinden kann. Doch er erklärt Violet zur Heldin, die ihn gerettet habe – und sie spielt mit. Von diesem Moment an weicht Finch ihr nicht mehr von der Seite und überredet sie schließlich dazu, ein Schulprojekt gemeinsam zu bearbeiten. Und so kommt es, dass sich zwei völlig unterschiedliche Jugendliche, die normalerweise wohl kein Wort miteinander wechseln würden, langsam annähern. In ihrem Schmerz und ihrer Trauer sind sie vereint, entdecken Gemeinsamkeiten, verlieben sich – und bleiben sich doch bis zum Ende hin fremd.

Die Kapitel werden abwechselnd aus Violets und Finchs Perspektive erzählt. Der Leser erfährt viel über die unterschiedlichen Elternhäuser, Freunde und Schulalltage. Es werden  schwere Themen angesprochen, die aber niemals erdrückend wirken. Der sachliche, fast schon neutrale Erzählton sorgt dafür, dass sich das wirklich Tiefliegende im Kopf des Lesers abspielt.

Violet und Finch sind zwei durchweg symapthische Charaktere. Vor allem Finch hat es mir richtig angetan. Er ist unkonventionell, ein bisschen verrückt, kreativ und einfallsreich, sehr klug, aber er steht nur einen Schritt vom Abgrund entfernt. Der Leser erfährt lange nicht, was wirklich mit ihm los ist. Finch nennt seine Probleme den SCHLAF, vor dem er immer zu fliehen versucht, denn er weiß, was es beudeten würde, in der Dunkelheit zu versinken. Als Violet seine Liebe schließlich erwidert, versucht er alles, um seinen inneren Dämonen zu entkommen.
Hat diese Liebe eine Chance? Wenn ihr die vielen Blogger- und Pressestimmen verfolgt habt, wisst ihr es vielleicht schon.

Lieblingszitate:

Man kann nicht verhindern, dass Menschen sterben. Man kann sie nicht daran hindern wegzugehen. Man kann nicht einmal sich selbst daran hindern. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass niemand außer mir selbst mich wachhalten kann. (Finch, S. 150)

Ich könnte nach unten gehen und meiner Mom erzählen, wie es mir geht – wenn sie überhaupt zu Hause ist -, aber sie würde bloß sagen, ich soll mir das Advil aus ihrer Handtasche holen und versuchen, mich zu entspannen, mich nicht so aufzuregen, denn in diesem Haus ist man nur krank, wenn die Krankheit mit einem Fieberthermometer messbar ist. (Finch, S. 194)

Ich liebe die Art, wie ihre Augen glänzen, wenn wir uns unterhalten oder wenn sie mir etwas sagt, das sie für wichtig hält. Die Art, wie sie stumm die Worte mit den Lippen formt, wenn sie liest und sich konzentriert. Die Art, wie sie mich anschaut, als ob es nur mich gäbe, als ob sie durch das Fleisch, die Knochen und all das Schlimme hindurchsehen und mein eigentliches Ich erkennen könnte, das nicht einmal ich selbst sehen kann. (Finch, S. 277)

„All die verdammt perfekten Tage“ ist ein Buch, das lange im Kopf des Lesers nachhallt. Ein ähnlicher Titel wäre z. B. „Mein Herz und andere schwarze Löcher“ von Jasmine Warga (meine Rezension gibt’s hier). „All die verdammt perfekten Tage“ erscheint mir aber noch realistischer, noch tiefgreifender und war emotionaler, trotz (oder gerade wegen?) des eher nüchternen Erzählstils.
Von mir gibt es die volle Punktzahl.

5 SterneFazit:

Ein melancholisches, tauriges und hoffnungslos ehrliches Buch über die Liebe, das Leben und den Tod. Wer es gern etwas schwerer mag, sollte hier unbedingt zugreifen.

Rezension zu „Jonah“ von Laura Newman

jonah
Autorin: Laura Newman

Erscheinungsdatum: 21.12.2015

Veröffentlicht über Books on Demand

Genre: Jugendbuch / Junge Erwachsene

Umfang: 332 Seiten

Preis: 1,99 € E-Book, 18,99 € Hardcover, 10, 99 € Taschenbuch

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Die Autorin:

Die unter Pseudonym schreibende Laura Newman war lange als Mediengestalterin tätig, bevor sie sich ihren Traum vom Schreiben erfüllte. 2013 erschien ihr erstes Buch im Selbstverlag und seitdem veröffentlicht sie fleißig mehrere Jugendbücher verschiedener Genres im Jahr. Laura Newman ist ein echtes Multitalent, denn vom Buchsatz über das Cover, bis hin zu Buchtrailern und zur Vermarktung nimmt sie alles selbst in die Hand – mit, wie ich finde, beeindruckendem Ergebnis! Nie zuvor habe ich so tolle Cover bei einer Self Publisherin gesehen. Die Frau weiß, was sie tut – und belohnt ihre Leser mit, von innen und außen, qualitativ hochwertigen und gut recherchierten Büchern. Neben dem Schreiben betreibt sie außerdem einen Schmuckshop auf Dawanda.
Mehr über Laura erfahrt ihr auf ihrer Facebook-Seite, ihrem Internetauftritt und ihrem Youtube-Kanal.

Inhalt:

Wenn nichts ist, wie es scheint! Emily freut sich auf den Sommer im alten Ferienhaus ihrer Großmutter. Jedes Jahr kommt sie nach Devlins Hope und genießt die Einsamkeit der kleinen Siedlung. Als jedoch plötzlich dieser Typ auftaucht, geraten Emilys Ferienpläne ins Wanken. Jonah ist nicht nur impulsiv und sieht gut aus, seine Vergangenheit birgt außerdem ein großes Geheimnis. Ein Geheimnis, von dem Emily beschließt, es zu lüften! Eine außergewöhnliche Geschichte zwischen zwei Menschen, die sich über Genregrenzen hinwegsetzt.

Meine Meinung:

Nachdem mir „Coherent“ zwar insgesamt ganz gut gefallen, mich jedoch nicht vom Hocker gerissen hat, bin ich ein bisschen vorsichtiger an „Jonah“ herangegangen. Momentan bekommt man das E-Book noch zum günstigen Release-Preis von 1,99 €. Außerdem hat mir die liebe Maaraavillosa von diesem Buch vorgeschwärmt, sodass ich dann doch sehr neugierig war und es mir gekauft habe – und nicht enttäuscht wurde.
Die Geschichte wird aus Emilys Perspektive im Präsens erzählt. Erfreut habe ich festgestellt, dass sich das Buch viel flüssiger liest als „Coherent“. Ich finde, Lauras Schreibstil hat sich nochmal sehr verbessert und hat mir ausgesprochen gut gefallen. Er ist locker, jugendlich und authentisch. Ich konnte mich gut in Emily hineinversetzen und habe mit ihr für Jonah geschwärmt. Die Protagonistin muss man einfach mögen, sie ist ein tolles, mutiges Mädchen, sagt, was sie denkt und handelt immer sehr überzeugend.
Von der Geschichte selbst möchte ich gar nicht so viel mehr erzählen, als der Klappentext erzählt, denn dann müsste ich spoilern. Ich kann nur sagen, dass Jonahs Geheimnis mich ziemlich überrascht hat. Es gibt einen krassen Umbruch in der Geschichte und dieser war für mich überhaupt nicht vorhersehbar. Anhand der vorherigen Andeutungen hätte ich eher mit etwas anderem gerechnet. Damit hat die Autorin mich positiv überrascht. Ab diesem Punkt wird es richtig spannend. Die Story entwickelt sich zu einem richtigen Krimi und ich wollte unbedingt erfahren, wer, wie, was und warum. Unnötige Längen konnte ich dieses Mal auch nicht feststellen. Ich würde sagen, bei „Jonah“ hat Laura Newman alles richtig gemacht!
Einen kleinen Punktabzug muss ich leider für viele falsch gesetzte Kommas geben, die mich beim Lesen oftmals die Stirn haben runzeln lassen. Aber das stört die Geschichte eigentlich nicht nennenswert.
Insgesamt konnte mich „Jonah“ rundum überzeugen, deswegen gibt es von mir 4,5 Punkte und ich empfehle euch diese tolle Geschichte für den E-Book-Reader.

4 1_2 Sterne

Fazit:

Eine tolle, rundum gelungene Geschichte, die ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite gefangen nimmt.