Rezension zu „Pearl – Liebe macht sterblich“ von Julie Heiland

pearl
Autorin: Julie Heiland
Erscheinungsdatum: 24.05.2017
Verlag: Fischer Jugendbuch
Genre: Jugendbuch / Liebe / Fantasy
Umfang: 352 Seiten
Preis: 16,99 € (gebunden)
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die-autorin

Julie Heiland hat Journalistik studiert. Parallel dazu hat sie eine Schauspiel- und Rhetorikausbildung absolviert und schon in einigen Fernsehfilmen mitgespielt. Julie Heiland ist 1991 geboren und lebt in der Nähe von München. Nach der Trilogie »Bannwald«, »Blutwald« und »Sternenwald« ist »Pearl« ihr vierter Roman. Quelle

inhalt

Die ungestillte Sehnsucht nach Liebe macht sie unsterblich. Aber alles, was sie will, ist endlich zu lieben.

„Zweihundert Jahre habe ich die Liebe gesucht, wollte sie mehr als alles andere – nie hat sie sich meiner erbarmt. Ich habe noch nie geliebt. Wurde noch nie geliebt.“
Pearl ist eine Suchende. Ihre Sehnsucht nach Liebe ist so groß, dass sie selbst im Tod keine Ruhe gefunden hat und zur Unsterblichkeit verdammt ist. Sie hat nur eine Möglichkeit, erlöst zu werden: sie muss die wahre, aufrichtige Liebe erfahren. Aber der, den sie endlich lieben kann, stellt sich als ihr größter Feind heraus. Wird er ihre Gefühle erwidern und sie befreien oder wird er ihr Schicksal auf ewig besiegeln?

meine-meinung
Nachdem mir die Bannwald-Trilogie der Autorin so wahnsinnig gut gefallen hat, war schnell klar, dass ich auch „Pearl“ unbedingt lesen musste.

Die Grundidee hat mich sofort angesprochen: Pearl ist 200 Jahre alt. Sie starb als junge Erwachsene, bevor sie Liebe erfahren hat. Seither ist sie dazu verdammt, ewig zu leben – bis sie die wahre Liebe findet. Doch das ist nicht so einfach. Küsst sie den Falschen, entzieht sie ihm seine Gefühle und verdammt ihn dazu, sein Leben ohne Glück und Liebe fortzusetzen. Aus diesem Grund werden die Suchenden gejagt. Weil sie selbst ein kurzweiliges Glücksgefühl aus diesem Gefühlsraub ziehen können, stellen sie eine Bedrohung für die Menschheit dar und sollen auf barbarische Weise aus dem Weg geschafft werden.
Dabei wünscht sich Pearl nichts sehnlicher, als diese unstillbare Sehnsucht endlich hinter sich zu lassen und erlöst zu werden – oder zu sterben.

Gemeinsam mit ihren Freunden Damien und Alexa lebt sie seit 3 Jahren in Venedig und sucht dort nach der wahren Liebe. Der Schauplatz wird so lebendig und detailliert beschrieben, als wäre man dort. Obwohl die Stadt mich eigentlich nicht reizt, habe ich mich in den engen Gassen, den prunkvollen Palazzi und auf den zahlreichen Wasserstraßen sofort wohl gefühlt. Hier ist der Autorin eine richtig tolle Umgebungsbeschreibung gelungen. Man taucht ein in diese ungewöhnliche Stadt und möchte nicht mehr gehen.

Als Pearl auf Noah trifft, spürt sie zum ersten Mal in ihrem langen Leben so etwas wie Glück. Doch Noah birgt ein Geheimnis. Er ist gefährlich und undurchschaubar. Außerdem arbeitet er mit einem Mann namens Hubertus zusammen, der Pearl und ihren Freunden nach dem Leben trachtet.
Die Geschichte wird vorwiegend aus Pearls Sicht erzählt. Aber auch Hubertus kommt in kurzen Kapiteleinschüben zu Wort. Er ist der typische böse Gegenspieler, während Pearl das nicht ganz so typische „Gute“ in der Geschichte verkörpert. Obwohl Hubertus‘ Verhalten nicht besonders überraschend war, konnte ich es doch durch seine tragische Hintergrundgeschichte nachvollziehen.

Im Zentrum der Geschichte steht die Sehnsucht nach der einen, großen Liebe. Mir gefällt die Vorstellung, dass zwei Menschen ausschließlich füreinander geschaffen sind. Der romantische Aspekt kommt hier definitiv nicht zu kurz und lässt die Herzen der Leser/innen höher schlagen.
Auch die Idee der Suchenden und ihre jeweiligen Geschichten haben mir sehr gut gefallen. Ich habe die Szenen beim Lesen wie in einem Film vor meinem inneren Auge ablaufen sehen und könnte mir das Buch sehr gut verfilmt vorstellen.

Julie Heilands Schreibstil ist jugendlich und flüssig. Obwohl das Buch für mich leider einige Längen aufwies, wollte ich stets wissen, wie es weitergeht. Vor allem gegen Ende spitzen sich die Geschehnisse noch einmal auf dramatische Weise zu.
Dennoch muss ich sagen, dass mir der Schreibstil in der Bannwald-Trilogie noch besser gefallen hat. Er war weniger jugendlich, ich empfand ihn sogar als poetischer. Natürlich spielt Pearl in einer ganz anderen Welt, doch in diesem Punkt war ich leider etwas enttäuscht bzw. hatte vielleicht einfach zu viel erwartet. Nichtsdestotrotz gehört Julie Heiland für mich jetzt schon zu den besten deutschen (Nachwuchs)-Romantasy-Autorinnen und ich bin sehr gespannt, was sie als Nächstes schreibt.

4 SterneVon mir gibt es vier Sterne.

fazit

„Pearl“ ist ein toller romantischer Fantasyroman, der mich vor allem durch die Grundidee der Suchenden und ihrer Geschichte und das wundervolle Setting im Herzen Venedigs überzeugt hat. Große Gefühle treffen auf Spannung und unvorhersehbare Wendungen. Trotz kleinerer Längen im Mittelteil ist das Buch für mich ein wahrer Lesegenuss gewesen. Allen Romantikern da draußen wärmstens empfohlen.

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Rezension zu „Water & Air“ von Laura Kneidl

Water & Air
Autorin: Laura Kneidl
Erscheinungsdatum: 03.03.2017
Verlag: Carlsen
Genre: Jugendfantasy / Dystopie
Umfang: 480 Seiten
Preis: 12,99 € (Taschenbuch)
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die-autorin

Laura Kneidl schreibt Romane über unverfrorene Dämonen, rebellische Jäger, stilsichere Vampire und uniformierte Luftgeborene. Sie wurde 1990 in Erlangen geboren und entwickelte bereits früh in ihrem Leben eine Vorliebe für alles Übernatürliche. Inspiriert von zahlreichen Fantasy-Romanen begann sie 2009 an ihrem ersten eigenen Buchprojekt zu arbeiten, seitdem wird ihr Alltag von Büchern, Katzen, Pinterest und Magie begleitet. Quelle

inhalt
Seit dem Anstieg der Meeresspiegel leben die Menschen in Kuppeln unter Wasser oder in der Luft. Mit ihren achtzehn Jahren hat Kenzie noch nie die Sonne gesehen und ihr Leben in der Wasserkolonie unterliegt strengen Normen. Schließlich hält sie es nicht mehr aus und flieht in eine Luftkolonie, um dort einen Neuanfang zu wagen. Doch dann wird sie zur Hauptverdächtigen in einer mysteriösen Mordserie und nur Callum mit dem geheimnisvollen Lächeln hält zu ihr. Aber nicht nur den beiden droht Gefahr, auch das Schicksal der gesamten Kolonie steht auf dem Spiel.

meine-meinung
Nachdem mir Light & Darkness so gut gefallen hatte, war mir schnell klar, dass ich auch das neue Buch von Laura Kneidl unbedingt lesen musste.  Ein paar Wochen lag das Buch auf meinem SUB, bis ich es nach diversen Leserunden- und Reziexemplaren endlich in die Hand nehmen konnte.

Laura Kneidl hat ein außergewöhnliches Setting geschaffen, das mich vom ersten Moment an fasziniert hat. Sei es die Wasserkolonie, aus der Kenzie stammt, die von Genügsamkeit und strengen Regeln geprägt ist und denen sich die junge Protagonistin nicht unterordnen kann oder die Luftkolonie, die einen riesigen schwebenden Glaswürfel darstellt – die Schauplätze in diesem Buch sind gleichermaßen beeindruckend, einzigartig und gut durchdacht. Die Geschichte spielt in einer zerstörten Zukunftswelt, in der der Menschheit nach dem rasanten Anstieg des Meeresspiegels nichts anderes übrig blieb, als diese neuen Lebensräume zu erschließen. Welche Technik alldem zugrunde liegt bleibt offen – ist aber für den Verlauf der Geschichte nicht maßgeblich.

Kenzie ist eine Protagonistin, die genau weiß, was sie will – und was sie nicht will. Weil sie in ihrer Meereskolonie keine Zukunft sieht, beschließt sie die Flucht nach vorn und verlässt ihr Elternhaus und ihre Freunde Hals über Kopf, um fortan in der Luftkolonie zu leben. Kenzie ist eine mutige 18-Jährige, die sich keine Illusionen darüber macht, dass auch das Leben im Würfel nicht nur gute Seiten hat. Als Flüchtige wird sie nicht gerade mit offenen Armen begrüßt und muss mit der Ablehnung und Skepsis der Einwohner klar kommen. Zum Glück trifft sie auf Callum, der sie bei sich aufnimmt und für sie stark macht. Seine Motive sind nicht so heldenhaft, wie Kenzie anfangs vermutet – doch gerade die Hintergrundgeschichte um Callum fand ich äußerst interessant. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Romanze, auch wenn sie unter keinem guten Stern zu stehen scheint: mysteriöse Mordfälle, für die Kenzie verantwortlich gemacht wird, sowie Raub und Aufstände erschüttern den Frieden in der Luftkolonie.

Die Charaktere haben mir allesamt gut gefallen. Sie sind gut ausgearbeitet und bringen ihre eigenen Geschichten mit sich. Auch die Nebencharaktere spielen wichtige Rollen und bleiben keinesfalls blass. Trotzdem gibt es Kritikpunkte: die Verwicklungen um Callums Mutter waren von Anfang an allzu offensichtlich und auch das Motiv des Bösewichts war mir zu einfach gestrickt. Ebenso die Auflösung der Geschehnisse am Ende – nach wochenlangen zermürbenden Ermittlungen, die nirgendwo hingeführt haben, wird der Mörder zu schnell und zu einfach überführt und ebenso schnell zur Strecke gebracht. Zwar fand ich die Krimi-Elemente des Romans insgesamt gut, nur leider nicht überzeugend umgesetzt.

Insgesamt habe ich verhältnismäßig lange an dem Buch gelesen. Vor allem der Mittelteil hat sich für meinen Geschmack zu sehr in die Länge gezogen. Zwar gab es einige Plottwists, die mir gefallen, mich aber nicht wirklich überrascht haben.
Positiv möchte ich die Liebesgeschichte zwischen Kenzie und Callum hervorheben. Sie entwickelt sich in einem angemessenen Tempo, ist authentisch und für das Alter der Protagonisten sehr erwachsen. Ohne Kitsch oder übertriebene Romantik entspricht diese junge Liebe genau meinen Vorstellungen.

Die Geschichte wird durch einen personalen Erzähler aus Kenzies Sicht erzählt. Dabei werden ihre Gedanken und Gefühle stets gut nachvollziehbar dargestellt. Laura Kneidl schreibt routiniert, leicht und sehr angenehm. Dafür gibt es nochmal einen dicken Pluspunkt.

3_1_2 Sterne
Durch einige kleine Schwächen muss ich dem Buch anderthalb Sterne abziehen, dennoch überwiegt der positive Gesamteindruck der Geschichte, die mir vor allem dank der außergewöhnlichen Schauplätze und der tollen Protagonistin noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

fazit
„Water & Air“ besticht durch außergewöhnlich fantasievolle Schauplätze, die mich beim Lesen tief beeindruckt haben. Die junge Protagonistin Kenzie zeichnet sich durch ihren Mut und ihre Entschlossenheit aus, mit der sie nicht nur für sich selbst, sondern für ein ganzes Volk kämpft. Es gilt nicht nur ein ungerechtes Gesellschaftssystem zu stürzen, sondern auch einen Mörder zu finden, dessen Taten Kenzie angehangen werden. Unterstützung erfährt sie durch den attraktiven Callum, der ihr loyal zur Seite steht und sich als echter Bookboyfriend erweist. Durch die überzeugende Lovestory, die fantasievolle Zukunftswelt und eingeflochtene Krimi-Elemente ist Laura Kneidl ein wunderbares Jugendbuch gelungen, das auch trotz kleiner Schwächen absolut lesenswert ist.

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Rezension zu „Das Juwel – Der schwarze Schlüssel“ von Amy Ewing

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Autorin: Amy Ewing

Übersetzerin: Andrea Fischer

Veröffentlicht am: 27.04.2017

Verlag: Fischer Jugendbuch

Genre: Jugendbuch / Fantasy / Dystopie

Reihe: Das Juwel

Band 1: Die Gabe
Band 2: Die weiße Rose
Band 3: Der schwarze Schlüssel

Umfang: 400 Seiten

Preis: 18,99 € (gebunden)

Mehr Infos hier.

die-autorin
Amy Ewing ist selbst ein großer Fan von Fantasyliteratur. Sie ist in einer Kleinstadt bei Boston aufgewachsen, hat Kreatives Schreiben in New York studiert und lebt in Harlem.
Bei FISCHER FJB erschienen die drei Bände ihrer ›JUWEL‹-Trilogie, ›Die Gabe‹, ›Die Weiße Rose‹ und ›Der Schwarze Schlüssel‹ die große internationale Erfolge und SPIEGEL-Bestseller waren. Quelle

inhalt

Violet Lasting kehrt ins Juwel zurück – die Entscheidung.

Violet und der Geheimbund Der Schwarze Schlüssel bereiten einen Angriff auf den Adel vor, und Violet soll eine zentrale Rolle dabei spielen. Sie muss die jungen Frauen anführen, die die Auktion manipulieren und die Mauern der Einzigen Stadt zum Einstürzen bringen sollen. Doch Violet ist hin- und hergerissen. Ihre Schwester Hazel ist im Palast der Herzogin vom See gefangen. Um ihre Schwester zu retten, muss sie ihre Freunde und die gute Sache im Stich lassen und in das Juwel zurückkehren.

meine-meinung
Nachdem der zweite Band schon ein paar Monate zurückliegt, fiel mir der Einstieg in die Geschichte leider schwer. Zwar werden am Anfang die wichtigsten Ereignisse wiederholt und die Hauptpersonen noch einmal genauer beschrieben, aber dennoch konnte ich bis zum Schluss die vier Gründungshäuser nicht auseinanderhalten. Auch einige der zahlreichen Nebenfiguren habe ich ständig verwechselt. Schuld daran sind u. a.  Namensähnlichkeiten (z. B. Cora und Coral).

Leider hatte ich beim Lesen auch nicht das dringende Bedürfnisse, unbedingt wissen zu wollen, wie die Geschichte endet. Stattdessen nahm ich es hin, dass die Vorbereitungen und Pläne zum Niederschlag des Adels mehr oder weniger vor sich hinplätscherten und Violet ihr eigenes Ding durchzog – gegen den Rat ihrer Freunde.
Als sie schließlich tatsächlich ins Haus am See zurückkehrt, um ihre Schwester zu retten, wurde es zum Glück wieder einigermaßen spannend. Hinter den Kulissen erfährt der Leser viel Neues und teilweise auch Schockierendes. In veränderter Gestalt arbeitet Violet fortan als Kammerzofe, während der Tag der Auktion unweigerlich näher rückt.
Mir kam es so vor, als wenn bis zu diesem Tag sehr wenig geschieht. Zwar werden einige Geheimnisse aufgedeckt, aber für meinen Geschmack wurde sich auch viel mit Nebensächlichkeiten aufgehalten. Fast wirkte es so, als müsste der dritte Band noch ein wenig in die Länge gezogen werden.

Das Finale selbst hat mich nicht enttäuscht. Es kommt zum großen Kampf, auf den ich seit dem zweiten Band gewartet habe. Wie es sich für einen Befreiungsschlag gehört, fließt viel Blut – sowohl auf der Seite der Verbündeten, als auch auf Seiten der Gegner. Einige Mädchen bekommen ihre Rache, andere fallen im Kampf. Auch eine wichtige Hauptfigur verlässt uns, wofür Violet sich selbst die Schuld gibt. Aber keine große Geschichte kommt ohne Opfer aus.

Insgesamt konnte mich der Finalband leider nicht wirklich mitreißen, was ich sehr schade fand, vor allem, weil mir der Schreibstil sehr gut gefallen hatte.

3_1_2 SterneVon mir gibt es 3,5 Sterne.

fazit
Als Finalband kommt „Der schwarze Schlüssel“ leider etwas unspektakulär und auch vorhersehbar daher. Die letzten Geheimnisse werden gelüftet, bevor der große Showdown startet. Bis zum Ende des Buches passiert für meinen Geschmack leider zu wenig, stattdessen hält sich die Autorin mit Nebensächlichkeiten auf.
Insgesamt bildet das Buch einen soliden Abschluss der Reihe, die so vielversprechend begonnen hatte, aber schlussendlich kein Must-Read ist.

Rezension zu „Die weiße Rose“ von Amy Ewing

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Autorin: Amy Ewing

Veröffentlicht am: 25.08.2016

Verlag: Fischer Jugendbuch

Genre: Jugendbuch / Fantasy

Umfang: 400 Seiten

Reihe: Das Juwel

Band 1: Die Gabe
Band 2: Die weiße Rose
Band 3: Der schwarze Schlüssel (ET: 24.05.2017)
zusätzlich E-Book-Only: Das Haus vom Stein, Garnets Geschichte (ET: 24.05.2017)

Mehr Infos hier.

die-autorin

Amy Ewing ist selbst ein großer Fan von Fantasyliteratur. Sie ist in einer Kleinstadt bei Boston aufgewachsen, hat Kreatives Schreiben in New York studiert und lebt in Harlem.
Bei FISCHER FJB erschienen die ersten beiden Bände ihrer ›JUWEL‹-Trilogie, die große internationale Erfolge und SPIEGEL-Bestseller waren. Quelle

inhalt

Sie kann dem Juwel entkommen – aber nicht ihrer Bestimmung.

Violet ist auf der Flucht. Nachdem die Herzogin vom See sie mit Ash, dem angestellten Gefährten des Hauses, ertappt hat, bleibt Violet keine Wahl, als aus dem Palast zu fliehen oder dem sicheren Tod ins Auge zu sehen. Zusammen mit Ash und ihrer besten Freundin Raven rennt Violet aus ihrem unerträglichen Dasein als Surrogat der Herzogin davon. Doch das Juwel zu verlassen ist alles andere als einfach. Auf ihrem Weg durch die Kreise der Einzigen Stadt verfolgen die Regimenter des Adels sie auf Schritt und Tritt. Die drei Geflohenen schaffen es nur äußerst knapp, sich in die sichere Umgebung eines geheimnisvollen Hauses in der Farm zu retten. Hier befindet sich das Herz der Rebellion gegen den Adel. Zusammen mit einer neuen Verbündeten entdeckt Violet, dass ihre Gabe sehr viel mächtiger ist, als sie sich vorstellen konnte. Aber ist Violet stark genug, sich gegen das Juwel zu erheben?

meine-meinung

Achtung, dies ist der zweite Band einer Reihe. Die folgende Rezension enthält Spoiler. Meine Rezension zum ersten Band Die Gabe findet ihr hier.

Als ich endlich Die weiße Rose in die Finger bekam, lag der erste Band schon eine ganze Weile zurück. Erstaunlicherweise habe ich aber sehr gut in die Geschichte hineingefunden, die direkt nach dem Ende des ersten Bandes einsetzt. Die Autorin wiederholt die wichtigsten Ereignisse und erklärt kurz einige Zusammenhänge, sodass mein Gedächtnis wieder aufgefrischt wurde.

Von den märchenhaft schönen Covern dieser Buchreihe sollte man sich nicht in die Irre führen lassen. Diese Bücher haben es in sich und die darin enthaltenen Themen sind nichts für schwache Nerven. Die Reihe spielt in der Einzigen Stadt, die sich auf einer geheimnisvollen Insel befindet und vom Adel regiert wird. Die Stadt ist in mehrere Kreise eingeteilt, die durch hohe Mauern voneinander abgeschottet wurden. Gerade in den äußeren Randbezirken (dem Schlot, der Farm und dem Sumpf), aber auch im prächtigen Juwel selbst trifft man auf alle Arten der modernen Sklaverei. Die Autorin versteht es, die Schicksale der verschiedenen Nebencharaktere, die Violet bei ihrer Flucht helfen, lebendig werden zu lassen und den Leser mitfühlen zu lassen. Ich habe beim Lesen einen regelrechten Hass auf den Adel entwickelt.
Violet, Raven und Ash entkommen ihrem Gefängnis und treffen auf Sil, eine ältere, verbitterte Frau, die einst selbst ein Surrogat war. Doch, anders als die anderen Surrogate, überlebte sie die Geburt ihres Kindes und entkam dem Juwel vor vielen Jahren. Seitdem ist sie Teil einer Widerstandsbewegung, die sich Der schwarze Schlüssel nennt. Ihr Ziel: Den Adel stürzen und das Gleichgewicht in der Stadt und auf der Insel wiederherstellen.

Im Laufe der Geschichte erfährt man viel über die Hintergründe, die Insel und die Rolle der Surrogate, die weit mehr sind als reine Brutkästen für den Adel. Violet erkennt ihre Bestimmung und erfährt, dass ihre Gabe weit über die verhassten Auspizien hinausgeht. Gemeinsam mit Raven, Sil und Ash schmiedet sie einen Plan, um das Juwel zu stürzen. Doch auch der Adel ist nicht untätig und so drängt die Zeit. Zu allem Überfluss setzt die Herzogin vom Haus am See alle Hebel in Bewegung, um die Flucht ihres Surrogats und des Gefährten Ash zu rächen. Und so endet die Geschichte mit einem spannenden Cliffhanger, als Violets schlimmste Alpträume wahr werden.

Wie auch der erste Band lies sich das Buch zügig weglesen. Die Geschichte ist spannend, geheimnisvoll und steckt voller psychischer Gewalt, die dem Leser oftmals Gänsehaut bereitet. Trotzdem konnte das Buch für mich nicht restlos mit dem ersten Band mithalten.  Wie oftmals bei Mittelbänden führen alle Geschehnisse auf das große Finale hin, das ich auch gar nicht mehr erwarten kann. Aber außer Flucht, Pläne-Schmieden und Vorbereitungen treffen passiert leider auch nicht wirklich viel.

3_1_2 Sterne

Deshalb gibt es von mir solide 3,5 Sterne.

fazit

Die weiße Rose von Amy Ewing ist etwas schwächer als der erste Band, aber dennoch sehr spannend und geheimnisvoll. Von den wunderschönen Covern der Reihe sollte man sich nicht täuschen lassen, denn die enthaltenen Themen sind nichts für schwache Nerven. Einige Geheimnisse werden gelüftet und neue Verbündete gefunden. Es handelt sich um einen „typischen“ Mittelband, in dem alle Vorbereitungen auf ein großes Finale getroffen werden und ansonsten wenig passiert – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Rezension zu „Plötzlich Banshee“ von Nina MacKay

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Autorin:
Nina MacKay

Veröffentlicht am: 01.09.2016

Veröffentlicht bei: ivi

Genre: Humorvolle Jugendfantasy

Umfang: 392 Seiten

Preis: 15,00 € (broschiert)

Mehr Infos hier


Die Autorin:

Nina MacKay, geboren irgendwann in den ausgeflippten 80er Jahren, arbeitet als Marketing Managerin (wurde aber auch schon im Wonderwoman-Kostüm im Südwesten Deutschlands gesichtet). Außerhalb ihrer Arbeitszeiten erträumt sie sich eigene Welten und führt imaginäre Interviews mit ihren Charakteren. Gerüchten zufolge hat sie früher als Model gearbeitet und einige Misswahlen auf der ganzen Welt gewonnen. Schreiben ist und war allerdings immer ihre größte Leidenschaft. Quelle


Inhalt:

Alana ist eine Banshee, eine Todesfee der irischen Mythologie. Sie sieht über dem Kopf jedes Menschen eine rückwärts laufende Uhr, die in roten Ziffern die noch verbleibenden Monate, Tage, Stunden und Minuten seiner Lebenszeit anzeigt. Da Banshees in dem Ruf stehen, Unglück zu bringen, bleibt sie lieber für sich. Allerdings gestaltet sich das gar nicht so einfach, denn Alana kreischt automatisch in bester Banshee-Manier wie eine Sirene los, wenn ihr ein Mensch begegnet, der in den nächsten Tagen sterben wird. Doch dann tauchen in Santa Fe mehrere Leichen auf, die Alana ins Visier des attraktiven Detectives Dylan Shane geraten lassen. Kann sie das Geheimnis der dunklen Sekte lüften, die scheinbar magische Wesen sammelt? Und werden sowohl Detective Shane als auch ihr bester Freund Clay den Kontakt mit Alana überleben?


Meine Meinung:

Dieses Buch war im September in aller Munde. Viele Blogger haben es gelesen und waren begeistert. Schnell war auch mir klar: Das muss ich haben!

Nun ist es so, dass ich nicht mit jedem Fantasyroman etwas anfangen kann. High Fantasy geht gar nicht und auch die Subgenres müssen einen gewissen Anteil Realität und zumindest eine kleine Liebesgeschichte beinhalten, um mich zu begeistern. All das ist in „Plötzlich Banshee“ gegeben. Trotzdem konnte mich das Buch nicht wirklich umhauen. Woran lag’s?

Zuerst einmal gefällt mir die Grundidee ausgesprochen gut. Von Vampiren, Engeln, Dämonen und jungen Frauen mit übernatürlichen Kräften hat man schon einiges gelesen, von irischen Todesfeen allerdings noch nichts. So plötzlich, wie der Titel es beschreibt, tritt ihre Gabe oder ihr Fluch (je nachdem) nun aber doch nicht in Alanas Leben. Immerhin sieht sie die Lebensuhren ihrer Mitmenschen schon seit ihrer Kindheit ablaufen und brüllt dabei wie am Spieß. Bisher hat sie sich allerdings strikt dagegen gewehrt, sich mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen. Das ändert sich, als in ihrem kleinen Heimatort eine Reihe Morde an Jugendlichen verübt wird, von denen sich schnell herausstellt, dass sie Magische waren – genau wie Alana, ihr bester Freund Clay und alle ihre Freunde. Surprise! Schnell findet sich die junge, schusselige Privatdetektivin an der Seite des attraktiven Detective Shane wieder und ist mitten in die Aufklärung der Morde involviert.

Nina MacKay hat einen locker-leichten und sehr flüssigen Schreibstil. Insgesamt lässt sich das Buch gut lesen, trotzdem musste ich manchmal zurückblättern, um einige Zusammenhänge zu verstehen oder um bei der Vielzahl der Nebenfiguren den Durchblick zu behalten. Die Autorin schreibt durchaus humorvoll und hat mir auch an der ein oder anderen Stelle ein Schmunzeln entlockt, aber mehr auch leider nicht. Die meisten Witze und Sprüche haben bei mir nicht gezündet und auch der – für meinen Geschmack viel zu häufig verwendete – Spitzname Detective Sockenschuss konnte mir nach der dritten Erwähnung nur noch ein müdes Gähnen entlocken. Trotzdem lockert Alanas unkonventionelle Art die Geschichte auf und sorgt für Pepp.

Ich weiß nicht woran es genau lag, aber ich habe unverhältnismäßig lange an dem knapp 400 Seiten starken Buch gelesen. Das ist kein gutes Zeichen und hat am meisten mich selbst enttäuscht. Im Mittelteil empfand die Geschichte als zu lang gezogen und vor allem die immer wiederkehrenden Fragen, die sich Alana stellt, wurden zu oft wiederholt. Nichts langweilt mich mehr als ausufernde innere Monologe.

Das Ende hat mich dann aber doch mit der Geschichte versöhnt. Die Auflösung, die gebrachten Opfer und alle aufgeklärten Verwicklungen haben mich zufriedengestellt.
Warum also hinterlässt das Buch dann trotzdem nur einen mittelmäßigen Eindruck bei mir? Ich weiß es nicht. Vermutlich ist es wie mit allen Hypes – einfach Geschmackssache.

Von mir gibt es jedenfalls 3,5 Sterne.

3_1_2 Sterne
Fazit:

Die Grundidee der tollpatschigen, irischen Todesfee hat mir durchaus gut gefallen. Trotzdem habe ich bei „Plötzlich Banshee“ wieder einmal feststellen müssen, dass nicht jedes Fantasybuch etwas für mich ist.
Wer humorvolle Jugendfantasy mag, sollte dennoch einen Versuch wagen. Ihr werdet mit einer ungewöhnlichen, gut ausgearbeiteten, locker-leichten Geschichte belohnt, die ihr so schnell nicht vergessen werdet.

Autorenlesung: „Laurin“ von Wolfgang und Heike Hohlbein

Am 21.07.2016 besuchte ich zusammen mit Ingrid von Lebens(LeseLiebe)Lust die Autorenlesung von Wolfgang Hohlbein in meiner Heimatstadt Ilmenau. Die Lesung fand im überschaubar kleinen Kreis im Schulungsraum der modernen Universitätsbibliothek statt. Rund sechzig Besucher haben den Weg dorthin gefunden, um dem größten deutschen Fantasy-Autor der Gegenwart an den Lippen zu hängen.
Organisiert wurde die Lesung von Phantopia, einem studentischen Verein an der Technischen Universität Ilmenau, der, dank verschiedener Förderer, immer wieder große Fantasy-Autoren und -Autorinnen ins beschauliche Ilmenau lockt. Der Verein nennt sogar eine fantastische Bibliothek mit über 2.000 Bänden sein Eigen. (Wenn ihr mal eine Bibliothekarin braucht, Jungs – ihr wisst, wo ihr mich findet!)

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Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren. Seinen Durchbruch erlebte er 1982, als er mit dem Manuskript zu „Märchenmond“, das er gemeinsam mit seiner Frau entwickelt hatte, einen Schreibwettbewerb gewann.
Mittlerweile hat Hohlbein rund 200 Romane verfasst, die sich über 40 Millionen Mal verkauft haben. Sogar ein eigener Preis ist nach ihm benannt, der von seinem Verlag (Ueberreuter) in unregelmäßigen Abständen an deutsche Fantasy-Autoren verliehen wird.
Der Autor bezeichnet sich selbst als Workaholic und schreibt vor allem nachts. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Düsseldorf.

Im Gepäck hatte Hohlbein am Donnerstag sein neues Fantasy-Jugendbuch „Laurin“, das im März bei Ueberreuter erschien. Bevor es losging, musste er „noch kurz das Buch einschalten“, denn der Autor las aus dem E-Book. Hätte ihm das jemand vor zwanzig Jahren gesagt, hätte er lauthals gelacht, erzählte er.

laurin


Darum geht’s in „Laurin“:

Die Geheimnisse unter der Erde

Bei einem heftigen Erdbeben im alten Bergwerk werden Laurin und Dietrich vom Rest der Ausflugsgruppe getrennt und in einem Gang verschüttet; Geröll und Schutt machen den Rückweg binnen Sekunden unmöglich. Auf der Suche nach einem Ausgang geraten die Jugendlichen immer tiefer in die Eingeweide des Bergs. Alsbald entdecken sie merkwürdig leuchtende Steine, einen unterirdischen See und, tief im Bergesinneren, eine Stadt, in der Zwerge wie Sklaven gehalten werden. Rettung ist weit und breit nicht in Sicht. Doch seitdem sie die leuchtenden Steine berührt hat, geht eine seltsame Verwandlung mit Laurin vor. Sie entwickelt ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten, weckt versteinerte und vertrocknete Pflanzen, bringt Leben und Farbe in die unterirdische Welt. Bald zeigt sich: Die abenteuerliche Reise durch die märchenhafte, bedrohliche Welt führt zu dem Geheimnis ihrer eigenen Herkunft.

Ich hatte das große Glück, das Buch im April zu gewinnen. Es war Teil der wunderbaren LovelyBox „Junge Helden“. Keine Frage also, dass ich mich nach der Arbeit gerne ins Auto setzte, um die knapp hundert Kilometer in die Heimat zu düsen und ein Autogramm zu ergattern.

Hohlbein war nicht alleine angereist, sondern hatte seine Frau dabei, mit der er das Buch gemeinsam geschrieben hat. Wie die Zusammenarbeit zwischen den beiden funktioniert, verriet er auch: Bevor es an den Computer geht, entwickeln die beiden den Verlauf der Geschichte und die Ausgestaltung der Charaktere. Die reine Schreibarbeit liegt bei Wolfgang Hohlbein selbst, seine Frau gibt immer wieder wichtige Anregungen. Während er vor allem für Action und Spannung zuständig ist, kommt dank seiner Frau Heike der kindlich-verspielte Anteil nicht zu kurz.
Am Ende bekommt der Leser dann eine Geschichte, die die Handschrift beider trägt. Ein reiner Wolfgang-Hohlbein-Titel hingegen fällt inhaltlich ganz anders aus, betonte er. Für Hohlbein ist es eine Selbstverständlichkeit, den Namen seiner Frau mit auf den Buchdeckel zu bringen, immerhin ist sie maßgeblich an der Entstehung des Werkes beteiligt.
Die beiden sind mittlerweile seit über vierzig Jahren verheiratet und haben sechs Kinder. Tochter Rebecca ist sogar in die literarischen Fußstapfen ihres Vaters getreten und schreibt selbst Fantasy.
Wolfgang Hohlbein ist über den Schreibprozess hinaus auch an der Covergestaltung und  den Planungen für die Theater- und Musicaladaptionen seiner Bücher beteiligt – eine rundum kreative Familie also.

Hohlbein las einen zusammenhängenden Part von etwa 45 Minuten Länge. Die junge Laurin und ihr bester Freund Didi finden sich im verschütteten Gang des Bergwerks wieder und müssen sich den Weg in die Freiheit hart erkämpfen. Dabei gehen sie an ihre körperlichen Grenzen und zwängen sich bis zur Erschöpfung durch niedrige und enge Tunnel. Plötzlich taucht unerwartete Hilfe in Form einer piepsigen Stimme auf, die nur Laurin hören kann. Die Stimme führt die beiden zu einem geheimen Bergsee, in dem sie endlich ihren entsetzlichen Durst stillen können. Als Laurin der Besitzer der Stimme begegnet, traut sie zunächst ihren Augen nicht. Und als sie dem merkwürdig schillernden Käferwesen ihren Namen verrät, wird es noch mysteriöser, denn der winzige Retter glaubt ihr kein Wort und verschwindet stattdessen empört im Felsen.
Der Lesungsausschnitt endete an einer spannenden Stelle, auf die das enttäuschte Aufstöhnen des Publikums folgte. Richtig so – immerhin sollen die Zuhörer die magische Welt des Stollens ja selbst entdecken.
Ich jedenfalls bin jetzt sehr neugierig auf die Geschichte und werde „Laurin“ auf meine Leseliste für den August setzen.

Die Idee zum Buch basiert übrigens auf der Sage von König Laurins Rosengarten. Diese wurde im 13. Jahrhundert in Österreich überliefert, um das Glühen der Bergregion (das sogenannte Alpenglühen) zur Dämmerungszeit zu erklären. Hohlbein schnappte die Sage bei einer Lesung in Österreich von einem Buchhändler auf.

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Nach der Lesung ergatterten Inka und ich noch Autogramme und ein gemeinsames Foto mit dem Autor.
Für mich war es ein toller Abend und eine wunderbare Lesung in entspannt-lockerer Atmosphäre – und es wird sicher nicht meine letzte im Rahmen von Phantopia gewesen sein.

Besucht den Autor auf seiner Webseite http://www.hohlbein.net/ und auf Facebook.