Rezension zu „Und ewig schläft das Pubertier“ von Jan Weiler

Pubertier
Autor: Jan Weiler
Erscheinungsdatum: 03.07.2017
Verlag: Piper
Genre: Humor
Umfang: 176 Seiten
Preis: 14,00 €

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Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Er war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins. Sein erstes Buch »Maria, ihm schmeckt’s nicht!« gehört zu den erfolgreichsten Büchern der vergangenen Jahrzehnte. Es folgten unter anderem: »Antonio im Wunderland« (2005), »Mein Leben als Mensch« (2009), »Das Pubertier« (2014), »Kühn hat zu tun« (2015) und »Im Reich der Pubertiere« (2016). Jan Weiler verfasst zudem Hörspiele und Hörbücher, die er auch selber spricht. Jan Weiler lebt bei München. Quelle

inhalt

Wenn es erst einmal wach ist, hält es die Welt in Atem: Das Pubertier. Und inzwischen hat sich Nick zu einem Parade-Exemplar entwickelt. Als männliches Pubertier besticht auch er durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Begeisterungsfähigkeit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik.

Er wächst wie Chinagras und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Ansonsten allerdings ist die Kommunikation mit dem Pubertier auf ein Mindestmaß reduziert, es spricht wenig, dafür müffelt und chillt es ausgiebig. Und die Liebe spielt in diesem dritten Teil der Pubertier-Saga eine immer größer werdende Rolle sowie auch die Wahl der richtigen Schuhmode.

Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt. Gemutmaßt werden darf außerdem über die Frage, wann diese verfluchte Pubertät eigentlich aufhört. Der Erzähler schaut manchmal in den Spiegel und denkt: Eigentlich nie.

Chillen, relaxen, ausruhen: willkommen im Leben des Pubertiers!

meine-meinung

Die Pubertiere sind wieder da! Nachdem mir der Vorgänger „Im Reich der Pubertiere“ Lachtränen in die Augen getrieben hat, war ich sehr gespannt auf die neuen Abenteuer aus dem Hause Weiler.

Carla ist mittlerweile 17, hat einen festen Freund und einen ausgeprägten Kommunikationsdrang – nur leider nicht ihren Eltern gegenüber. Dafür klebt sie förmlich an ihrem Smartphone fest und verschickt am Tag gefühlte 5.000 Whats-App-Nachrichten, selbst wenn der Empfänger neben ihr sitzt.
Nick ist 13, schläft oft und viel, und wenn man ihn doch mal zu Gesicht bekommt, liegt meistens etwas im Argen. Zum Beispiel die neue Abo-Falle, die exklusive Premiumfotos leichtbekleideter Damen verspricht. Wie die auf sein Smartphone kommt? Natürlich, weil es neben dem ebenfalls infizierten Handy des besten Kumpels lag. Kenn doch jeder, diese spontane Handy-zu-Handy-Übertragung 😀

Die neuesten Geschichten der Pubertiere haben mich wieder verlässlich zum Lachen gebracht. In manchen Dingen erkannte ich mich sogar selbst wieder. Ob das jetzt gut ist? Auf jeden Fall ist es sehr authentisch, wenn der Vater von den ersten Fahrstunden der Tochter erzählt. Plötzlich wird der eigene Fahrstil kritisiert und die Tochter mutiert selbst zur Fahrlehrerin. Hach ja, kommt mir alles noch sehr bekannt vor.

Je älter die Kinder werden, desto mehr muss der Papa erkennen: Langsam gibt es nicht mehr viel, das er ihnen noch beibringen kann. Beim Abistoff der Tochter ist er raus – zu lange her. Selbst beim Berufsberatungstag an der Schule interessiert sich niemand für den Beruf des Journalisten. Stattdessen gibt Papa Weiler den drei Schülern, die sich zu ihm verirren, anderweitige Life-Hack-Tipps. Überhaupt beschreibt der Autor sich als völlig tiefenentspannt im Umgang mit seinen Pubertieren. So einen Papa wünscht sich jeder Teenager (auch wenn er es nicht zugeben würde, weil Eltern ja meistens trotzdem peinlich sind).

Der schmale Band kommt als Hardcover mit praktischem Lesebändchen daher. Das kleine Format liegt gut in der Hand und lässt sich prima transportieren. Die insgesamt 27 kurzen Geschichten können zwischendurch, vor dem Schlafengehen oder unterwegs verschlungen werden. Wie auch bei den beiden Vorgängern „Das Pubertier“ und „Im Reich der Pubertiere“ hat der Berliner Illustrator Till Hafenbrak tolle Grafiken gezaubert.

4 Sterne

Von mir gibt es vier Sterne.

fazit

Die Pubertiere sind wieder los! Ob in der ersten Fahrstunde, beim Whats-App-Marathon oder während der ersten Annäherung an das andere Geschlecht – Jan Weiler nimmt uns schon zum dritten Mal mit in die Welt seiner Kinder Carla und Nick.
In den authentischen und teils skurrilen Alltagsgeschichten habe ich mich selbst wiedererkannt und herzhaft dabei gelacht. Wie auch die beiden Vorgänger lege ich diesen Band allen Teenagern, den von ihnen geplagten Eltern oder allen, die es mal werden wollen, wärmstens ans Herz.
Da wünscht man sich, dass die Jugend der beiden niemals endet und Jan Weiler niemals die Geschichten ausgehen. Wer nicht genug von den Pubertieren bekommt, hat übrigens die Möglichkeit, ihre Abenteuer ab sofort im Kino zu bestaunen.

Gemeinsam Lesen #77 – Und ewig schläft das Pubertier

Heute mache ich zum 77. Mal bei der Aktion “Gemeinsam Lesen” mit. Mehr Infos dazu gibt’s hier.

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Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Und ewig schläft das Pubertier“ von Jan Weiler und bin aktuell auf Seite 50.

Pubertier

Inhalt:

Wenn es erst einmal wach ist, hält es die Welt in Atem: Das Pubertier. Und inzwischen hat sich Nick zu einem Parade-Exemplar entwickelt. Als männliches Pubertier besticht auch er durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Begeisterungsfähigkeit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik.

Er wächst wie Chinagras und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Ansonsten allerdings ist die Kommunikation mit dem Pubertier auf ein Mindestmaß reduziert, es spricht wenig, dafür müffelt und chillt es ausgiebig. Und die Liebe spielt in diesem dritten Teil der Pubertier-Saga eine immer größer werdende Rolle sowie auch die Wahl der richtigen Schuhmode.

Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt. Gemutmaßt werden darf außerdem über die Frage, wann diese verfluchte Pubertät eigentlich aufhört. Der Erzähler schaut manchmal in den Spiegel und denkt: Eigentlich nie.

Chillen, relaxen, ausruhen: willkommen im Leben des Pubertiers.

Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Verträge sind in der heutigen Zeit offensichtlich nichts mehr wert.

Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Die ersten beiden Bände habe ich geliebt! Umso mehr habe ich mich nun auf die Fortsetzung gefolgt. Carla ist mittlerweile 17, macht den Führerschein und hat einen festen Freund. Nick ist 13 und sein ausgeprägtes Schlafbedürfnis erinnert stark an Narkolepsie (Willkommen im Club!). Das Verhalten der beiden Pubertiere hat meine Lachmuskeln bereits auf den ersten 50 Seiten wieder zuverlässig trainiert. Ich bin sehr gespannt, was da noch alles kommt.

Meine eigene Teenagerzeit ist ja noch nicht sooo lange her und in manchen Stories erkenne ich mich durchaus wieder. Das ist erschreckend und witzig zugleich.
Außerdem werde ich selbst in einigen Wochen Mama und zur Abwechslung ist es mal ganz schön, sich nicht nur mit der Entwicklung von Säuglingen zu beschäftigen, sondern gleich im Jugendalter einzusteigen. Kann ja nicht schaden, zu wissen, was in 13 – 17 Jahren auf uns zukommt 😉

Welches Ende eines in 2017 gelesenen Buches würdest du gerne umschreiben? 

Sehr interessante Frage. Da muss ich erstmal recherchieren, was ich alles gelesen habe, denn spontan will mir gar kein Buch einfallen.
Eigentlich haben mich alle Enden versöhnlich zurückgelassen. Wenn, dann würde ich mir für „Franz oder gar nicht“ von Nikola Hotel ein nicht ganz so abruptes Ende wünschen. Da fehlte mir noch ein bisschen Happy-End-Ausschmückung, inklusive Romantik, Liebesschwüre usw. Aber das fällt wohl unter Jammern auf hohem Niveau, denn das Buch war trotzdem toll.

franz-oder-gar-nicht

Ausgerechnet dem berühmten und äußerst attraktiven Fernsehkoch Raphael Franz bricht die junge Anästhesistin Jo während der Narkose einen Schneidezahn ab. Zu dumm, dass sie mit ihren Versuchen, sich zu entschuldigen, alles nur noch schlimmer macht. Jo ist davon überzeugt, dass Raphael ihr den ganzen Ärger heimzahlen wird. Doch was sie nicht ahnt: Raphael kocht nicht nur exzellent, sondern auch vor Leidenschaft …

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Was lest ihr gerade? Welches Ende würdet ihr gerne umschreiben und wieso? Ich bin gespannt auf eure Beiträge und schau heute Abend gerne bei euch vorbei 🙂

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Rezension zu „Im Reich der Pubertiere“ von Jan Weiler

Pubertiere

Autor: Jan Weiler

Erscheinungsdatum: 20.01.2016

Erschienen bei: Rowohlt

Genre: Humor / Kurzgeschichten

Umfang: 165 Seiten

Preis: 12 € (gebunden)

ISBN: 978-3463406619

Mehr Infos hier

Der Autor:

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Er war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins. Sein erstes Buch «Maria, ihm schmeckt’s nicht!» gilt als eines der erfolgreichsten Romandebüts der letzten Jahre. Es folgten unter anderem: «Antonio im Wunderland» (2005), «In meinem kleinen Land» (2006), «Drachensaat» (2008), «Mein Leben als Mensch» (2009), «Das Pubertier» (2014) und «Kühn hat zu tun» (2015). Jan Weiler verfasst zudem Hörspiele und Hörbücher, die er auch selber spricht. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Nähe von München. Quelle

Inhalt:

Chaos, Pickel und Hormone

Inzwischen hat es der Pubertier-Forscher nicht mehr nur mit einem weiblichen, sondern auch mit einem männlichen Exemplar der Gattung zu tun. Zu einigen Erkenntnissen ist er bereits gekommen: Pubertiere bewohnen am liebsten schlecht belüftete Räume, in denen sich Müllberge türmen. Die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Vertretern dieser Art erscheinen signifikant: Während das weibliche Pubertier durch maßlosen Konsum, unverständliches Monologisieren und multiples Dauermeckern auffällt, verbringt das Pubertier-Männchen seine Lebenszeit im Wesentlichen mit drei lautlosen Tätigkeiten: Schweigen, Müffeln – und Zocken.

Das klingt alles schlimm, schlimm, schlimm. Doch ohne Pubertiere wäre das Leben arm und öde. Und das Haus zu still und zu leer.

Meine Meinung:

Ich habe schon den Vorgänger „Das Pubertier“ geliebt. Die kurzen, knackigen Geschichten über Teenagermarotten sind einfach zum Schießen! Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, als ich das neue Buch im Neuerwerbungsregal der Bibliothek entdeckt habe (wo es aufgrund des winzigen Formates leider etwas unterging).

Mittlerweile ist das weibliche Pubertier 18, hat Abi und wird erwachsen. Doch bis es soweit ist, passieren viele skurrile Dinge im Hause Weiler. Papas geklauter Rasierschaum, Telefonzentralenatmosphäre und Aufräumfaulheit sind nur drei Ausprägungen der weiblichen Charaktereigenschaften eines übellaunigen Teenagers.
Jan Weiler erzählt wieder mit viel Witz, spitzer Zunge und sicherlich auch der ein oder anderen Übertreibung, welche Eskapaden diesmal auf das Konto seiner Kinder gehen. Mittlerweile ist auch Nick im Pubertieralter angekommen und wird auf die Schippe genommen.

Er klingt wie ein Dudelsack, wächst wie ein Schnittlauchhalm und futtert wie ein Maurer nach der Doppelschicht. (S. 8)

Im Gegensatz zu seiner kommunikativen Schwester hört man von ihm nicht viel. Dafür macht sich das Teenageralter bei ihm auf andere Weise bemerkbar: durch vor-sich-hingammeln, mangelnde Körperhygiene und versaute Witze zum Beispiel.

In 24 kurzen Geschichten widmet sich Weiler dem Verhalten seiner Kinder. Alle Kapitel sind unterhaltsam und witzig. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Viel eher sollte man beim Lesen aufpassen, nicht durch lautes Lachen unangenehm in der Öffentlichkeit aufzufallen. In manchen Geschichten habe ich sogar mein früheres Ich wiedererkannt und konnte herrlich schmunzeln.

Besonders schön fand ich die Geschichte, in der Weiler versucht, seine Tochter durch perfide Tricks und geschickte Manipulation wieder mit ihrem Exfreund zusammenzubringen. Vater und Ex-Schwiegersohn haben sich immerhin so gut verstanden, dass der Junge es so manches mal gar nicht bis ins Zimmer der Tochter geschafft hat, weil er viel lieber mit Schwiegerpapa Fußball geguckt hat.

Schön fand ich auch die Geschichte über die Abiturfeier der Tochter. Am Sektstand eingeteilt muss Weiler so manch pathetische Rede über sich ergehen lassen und betrinkt sich ganz unabsichtlich so sehr, dass er am Ende zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Einfach herrlich!

Wer wissen möchte, welche kreative Methoden des Spickens heute in der Schule angesagt sind, wird hier auch aufgeklärt. Auf welche Ideen die Schüler kommen, um sich Lernstress zu ersparen – sehr kreativ. Ich konnte herzhaft lachen!

Ganz oft sind die modernen Medien Thema der Geschichten. Vom Minecraft-zockenden Sohnemann, über das Schulreferat, das bis morgen fertig sein muss (natürlich ohne Wikipedia), oder dem Quizduell  mit einem heißen Typen namens Pussylover2005 (hinter dem sich natürlich nur Matthias Schweighöfer höchstpersönlich verbergen kann) bis hin zur Telefonseelsorge für gefühlsgebeutelte Mädels ist alles dabei.

Neben all dem Witz bleibt aber auch Platz für etwas Melancholie. Kindermöbel, Lieblingsbands und Kuscheltiere werden irgendwann ausgemistet. Und so wird auch der Herr Papa traurig beim Gedanken daran, eines Tages vielleicht auf dem Abstellgleis zu landen, wenn die Kinder ausziehen. Bis es soweit ist, hoffe ich aber noch auf viele lustige Geschichten. Gerne über Nick, der ja jetzt im besten Pubertieralter ist. Und ich bin mir sicher, dass es auch über Carla noch viel zu erzählen gäbe.

Zitate:

„Heute Morgen stand eine frische Dose Rasierschaum vor meinem Spiegel. Gut, es ist natürlich kein richtiger Rasierschaum, sondern Beinchenschaum für Sechzehnjährige. Aber die Geste finde ich rührend. Und ich rieche jetzt wie eine frisch rasierte, achtundvierzig Jahre alte Mango.“ (S. 14)

„Er stand barfuß vor mir. (…) Er ist jetzt dreizehn Jahre alt, aber seine Füße sind schon siebzehn. Hoffentlich ruckelt sich das irgendwann wieder zurecht. Oder unser Sohn ist ein Hobbit.“ (S. 30)

Jan Weiler ist übrigens noch bis Anfang 2017 auf Lesereise. Die Tourdaten gibt’s hier.
Ich bin mir sicher, dass es sich lohnt. Genauso sicher bin ich mir, dass sich als Alternative zum Buch auch das Hörbuch lohnt. Die Geschichten sind genau das Richtige für eine langweilige Autofahrt. Vom Preis des Buches bin ich allerdings etwas abgeschreckt. Zwar beinhaltet es tolle Illustrationen, ist fest gebunden und enthält ein Lesebändchen, aber dennoch frage ich mich, ob es ein Taschenbuch – womöglich eins, das beide Pubertier-Bücher zusammenfasst – nicht auch getan hätte.
Aber zum Verschenken oder Schwelgen in Erinnerungen an die eigene Jugend ist dieses kleine Büchlein trotz des hohen Preises sehr zu empfehlen.

Von mir gibt es für dieses rundum gelungene und sehr witzige Buch volle Punktzahl.

5 Sterne
Fazit:

Die Pubertiere sind zurück! Diesmal sind sie zu zweit und lassen garantiert kein Auge trocken. Zum Verschenken an teenagergeplagte Eltern oder zum Schwelgen in der eigenen Jugend ist dieses Buch das Richtige für Zwischendurch. Lachgarantie inklusive! Diesen Familienirrsinn sollte man sich nicht entgehen lassen.

 

Rezension zu „Achtung! Kann Spuren von Zynismus enthalten!“ von Frank Goldammer

Autor: Frank Goldammerzynismus

Erscheinungsdatum: 15.09.2015

Veröffentlicht bei: Zwiebook

Umfang: 144 Seiten

Genre: Kurzgeschichten / Satire

ISBN: 978-3-943451-21-4

Preis: 10 €

Mehr Infos hier


Der Autor: 

Frank Goldammer wurde 1975 in Dresden geboren, wo er noch immer lebt. Mit Anfang zwanzig begann er zu schreiben und hat bis heute mehrere Romane, Krimis und Kurzgeschichten veröffentlicht. All seine Werke haben einen Bezug zu seiner Heimatstadt Dresden.

Klappentext:

Bei einigen Dingen im Leben braucht es mehr als eine spitze Zunge. Manches kann man nicht mit ein wenig Satire abtun. Da muss etwas Handfesteres her. Und gelegentlich auch etwas Gemeineres. Denn im Stillen sind wir doch alle ein bisschen böse und denken Sachen, die man besser für sich behält. Zum Beispiel über die Kinder anderer Leute. Und die Eltern anderer Kinder. Und über den Nachbarshund. Über ewige Elternabende oder den Politiker von nebenan. Manchmal will es eben raus, aber es darf nicht.
Doch nun gibt es etwas! Dieses kleine Buch, in dem die Satire manchmal über die Stränge schlägt und den Alltag ein bisschen weniger grau erscheinen lässt. Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen – … na ja … und jeder Menge Alkohol.

Meine Meinung:

Der zweite satirische Kurzgeschichtenband von Frank Goldammer erschien zeitgleich mit dem ersten Buch („Dreißig Gründe, mit den Haaren zu knirschen und sich die Zähne zu raufen“, Rezi sie hier).
Dieser Band fällt rund 30 Seiten kürzer aus, dafür sind die einzelnen Geschichten (21 an der Zahl) diesmal länger. Wie auch in seinem orange verpackten Vorgänger lässt uns Frank Goldammer wieder an seinen persönlichen Gedanken und Erfahrungen teilhaben – diesmal in schwarz, denn schwärzer ist auch der Humor geworden. Habe ich bei meiner Bewertung des Vorgängers noch geschrieben, dass es für meinen Geschmack ruhig noch etwas spitzer und bösartiger sein könnte, kann ich das hier nicht mehr bemängeln, denn der Untertitel „Alltagssatire : jetzt noch satirischer“ verspricht nicht zu viel. Die Gedanken sind böser, es wird mehr geflucht und überspitzt – ich hatte also ingesamt wieder eine ganze Menge zu lachen.
Meine Lieblingskapitel widmen sich natürlich wieder den alltäglichen Themen, allen voran die Geschichten über Kinder und Eltern. Das waren die Stories, die ich persönlich am allerbesten fand. Hier eine kleine Kostprobe aus der Geschichte „Freundebuch des Todes“, indem es um die berühmt-berüchtigen Freundschaftsbücher geht, die mittlerweile schon in den Kitas eingezogen sind, obwohl die Kinder noch nicht mal selbst schreiben können – verrückt oder?

„Was wünschst du Tim?
„Alles Gute.“
„Nein, etwas Spezielles.“
„Was heißt das?“
„Etwas … Besonderes.“
„Nudeln.“
„Doch nicht Nudeln!“
„Warum? Tim isst Nudeln gern.“ (S. 123)

Sehr amüsant fand ich auch das Kapitel „Elternabend“, das den dort vorherrschenden Wahnsinn übereifriger Eltern so gut beschreibt, dass ich richtig Mitleid mit dem Autor bekam. Hier einige der besten Fragen von Muttis beim Einschulungselternabend:

„- Hier steht, Schmuck sei beim Sportunterricht verboten. Gilt das auch für Jungs?
 – Hier steht: helle Sohlen zum Sportunterricht. Ist eine beige Sohle auch hell?
(…)
– Muss ich das Sportzeug jede Woche waschen?“ (S. 93)

Ja, es gibt noch mehr bekloppte Fragen, denen es sich auf den Grund zu gehen lohnt. Da möchte ich gar nicht zu viel vorwegnehmen. Ihr merkt schon, über Kinder und übereifrige Eltern kann ich besonders gut lachen. Aber es wird auch politischer und philosophischer in diesem Band. So geht der Autor in mehreren „Interviews“ mit den Schöpfern der Menschheit zum Beispiel der Frage nach, warum eigentlich die Frau erschaffen wurde – und von wem. Auch da konnte ich herzhaft lachen.
Dieses Büchlein kann ich also wieder all jenen wärmstens empfehlen, die guten schwarzen Humor zu schätzen wissen, über sich und andere lachen können und nichts gegen ein paar Flüche einzuwenden haben. Auch, wer sich schon immer mal gefragt hat, wie die Bestellung bei der Fastfoodkette Subway eigentlich so abläuft oder was der Unterschied wischen dem ist, was Handwerker in der Ausbildung lernen und dem, was sie wirklich veranstalten, wenn man sie denn mal braucht, ist mit dieser herrlich komischen Lektüre gut beraten.
Ich gebe wieder 4,5 von 5 Sternen und hoffe auf eine baldige Fortsetzung. Gerne mit noch mehr Geschichten über Kinder und deren Eltern zum Kopfschütteln und Totlachen!

4 1_2 Sterne

Fazit:

Noch böser, schwärzer und überspitzter als der Vorgänger. Ein Muss für alle Satirefans, die über sich und andere lachen können.

Rezension zu „Dreißig Gründe, mit den Haaren zu knirschen und sich die Zähne zu raufen“ von Frank Goldammer

Autor: Frank Goldammergoldammer

Erscheinungsdatum: 15.09.2015

Veröffentlicht bei: Zwiebook

Umfang: 179 Seiten

Genre: Kurzgeschichten / Satire

ISBN: 978-3943451207

Preis: 10 €

Mehr Infos: hier

Der Autor:

Frank Goldammer wurde 1975 in Dresden geboren, wo er noch immer lebt. Mit Anfang zwanzig begann er zu schreiben und hat bis heute mehrere Romane, Krimis und Kurzgeschichten veröffentlicht. All seine Werke haben einen Bezug zu seiner Heimatstadt Dresden.

Klappentext:

Ist es nicht furchtbar? All diese Sorgen jeden Tag! All dieser wiederkehrende Krimskrams, der Ihnen die Lebensfreude raubt! Erschöpft fallen Sie abends auf die Couch, doch wenn man Sie fragt, was denn so schlimm ist, dann wissen Sie sich gar nicht auszudrücken. Denn es ist alles und doch nichts. Kinder, Arbeit, Urlaub, Verkehr, Rentner, Nachrichten, Telefon … Ist es nicht herrlich, dass jemand da ist, der sich die Zeit nimmt und mit spitzer Feder beschreibt, was Sie tagtäglich auslaugt? Frank Goldammer verschafft Ihnen ein Ventil. Er zeigt: Sie sind nicht allein! Und er sagt Ihnen, wie man mit schwarzem Humor alles überstehen kann.

Meine Meinung:

Manchmal hab ichs gern kurz und knackig – und dann greife ich gerne mal zu einem Kurzgeschichtenband. Ich habe schon einige gelesen, auch von namenhaften Autoren, die mich jedoch meist nur mäßig begeistern konnten. Zu gewollt, zu überheblich, zu arrogant, zu langweilig – war alles schon dabei. Als ich dann gehört habe, dass mein Lieblingssachse zwei satirische Kurzgeschichtenbände im Zwiebookverlag veröffentlicht, wollte ich sie unbedingt lesen. Ich mag derbe Sprüche, bösen Humor, trockenen Humor und spitze Zungen. Bei Frank Goldammer konnte ich mir sofort vorstellen, dass er viel Humorvolles zu erzählen hat. Woher ich das weiß? Unter anderem von seiner Facebookseite. Wer diese noch nicht kennt, sollte sie sich unbedingt mal ansehen. Dort gibt es nicht nur tolle Gewinnspiele (ich war auch schon eine glückliche Gewinnerin!), sondern vor allem super wackelige Handyvideos in bestem Dresdner Dialekt. Seitdem ich in Oberfranken wohne, weiß ich den guten alten sächsischen Dialekt noch mehr zu schätzen und vermisse ihn schwer. Somit bringen Franks Handyvideos ein Stückchen Heimat zurück in mein neues tristes Kleinstadtleben. Und auch in seinen Geschichten fällt mal das ein oder andere sächsische Wort („auf die Gusche fallen“, „nüscht“ usw.), was mich immer sehr freut.
So, genug der Vorworte. Kommen wir zum Buch. Ich fange mal mit den äußeren Werten an: ich hatte ja schon einige Verlagsprodukte in der Hand, deren Qualität nicht annähernd so gut war wie diese schlanke Broschur mit Klappen. Da gibt’s also schon mal gar nix zu meckern. (Ja, ich bin ein oberflächlicher, optischer Mensch – ich gebe es gern und bereitwillig zu.)
Aber nun zum wirklich Wichtigen, dem Inhalt: als Vater von Zwillingen im Vorschulalter, aufmerksamer Beobachter der Umwelt und Analytiker der kleinen und großen Ereignisse des Alltags lässt der Autor uns an seinen ganz persönlichen Gedanken und Erfahrungen teilhaben. In vielen Geschichten habe ich mich selbst wiedererkannt und fast immer gibt es was zum Schmunzeln. Sehr sympathisch finde ich, dass er sich selbst nicht zu ernst nimmt und sogar seine eigene Familie „ihr Fett wegkriegt“, vor allem die Kinder. Es gab keine Geschichte, die mich gelangweilt hätte, sogar wenn es um Fußball geht, und das will schon was heißen. An andere Kurzgeschichtenbände habe ich wie gesagt weniger gute Erinnerungen.
Meine Lieblingsgeschichte ist übrigens „Von wegen – nur mal kurz einkaufen“ (S. 26 – 31), in der der alltägliche Wahnsinn im Supermarkt sehr anschaulich beschrieben wird. Vor allem der gedankliche Schlagabtausch zwischen dem gehetzten Einkäufer und der bitterbösen Kassiererin haben mich sehr zum Lachen gebracht. Aus dieser Geschichte habe ich ein hübsches Zitat herausgesucht:

„Sollten Sie bei solch einer Gelegenheit einmal in einen Stau geraten, habe ich einen Tipp, wie Sie sich die Zeit vertreiben können: Vertauschen Sie einfach ein paar Waren in den herrenlos herumstehenden Wagen und beobachten Sie die Verwirrung, die dadurch entsteht. Achten Sie dabei aber auch auf Ihren eigenen Einkaufswagen; nicht nur einmal bin ich mit zwei Packungen Damenbinden oder einer CD der Wildecker Herzbuben nach Hause gefahren.“ (S. 27)

Lernen kann man bei der Lektüre auch noch so Einiges. Zum Beispiel, wie man mit kleinen Kindern umgeht (oder auch nicht), warum bei einem Reh, das die Fahrbahn kreuzt, Obacht geboten ist, wie die Verständigung in Schweizer Restaurants funktioniert und was es bedeutet, wenn man in London angehupt wird.

„Wenn in Deutschland jemand hupt, heißt das meist: He, du Blödmann! Du Idiot! Die Ampel ist sein einer Zehntelsekunde grün! Und außerdem ist dein Auto viel hässlicher als meins und ich kann viel besser und schneller fahren! Und außerdem habe ich sowieso immer recht, weil ich nämlich in meinem Auto sitze!“ (S. 43)

Sehr unterhaltsam fand ich auch ein Kapitel über den (ganz normalen) Shopping-Wahnsinn seiner Lebensgefährtin, die erst gefühlte zehn Läden abklappern muss, bevor sie dann doch das Teil aus dem ersten Laden kauft. Kennen wir doch alle oder? Aber unsere armen Männer … Ich kann ihn ja schon verstehen, den Frank.
Überhaupt gibt er sehr viel Persönliches preis, jedenfalls kommt das beim Leser so an und das macht ihn noch sympathischer. So mangelt es auch nicht an Ratschlägen über das Verhalten kurz nach einer Scheidung. Nicht schön, aber pragmatisch und tragisch-witzig allemal.
Insgesamt habe ich die Geschichten fast komplett am Stück verschlungen und wurde dabei rundum gut unterhalten. Für meinen Geschmack hätte es ruhiger noch ein bisschen spitzer und bösartiger sein können, aber da lasse ich mich mal vom Nachfolgeband „Achtung! Kann Spuren von Zynismus enthalten“ überraschen, der ja genau das verspricht. Um noch ein bisschen Luft nach oben zu lassen, gebe ich dem Buch deshalb 4,5 von 5 Sternen und möchte noch anmerken, dass es bestimmt bei dem ein oder anderen aus meiner Familie dieses Jahr unter dem Weihnachtsbaum landen wird.

4 1_2 SterneFazit:

Rundum unterhaltsame Geschichten zu Gedanken und Beobachtungen über all die kleinen und großen Dinge, die unseren Alltag bestimmen. Mal bitterböse, mal nachdenklich stimmend, immer selbstironisch. Klare Empfehlung!