Rezension zu „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ von John Green

Schlaft gut

Autor: John Green
Übersetzt von: Sophie Zeitz
Erscheinungsdatum: 10.11.2017
Verlag: Hanser
Genre: Jugendbuch
Umfang: 288 Seiten
Preis: 20 € (Hardcover)
Mehr Infos hier.

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John Green, 1977 geboren, erlangte bereits mit seinem Debüt Eine wie Alaska (2007) Kultstatus unter jugendlichen Lesern. Das Buch wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. war es für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Darauf folgten die Jugendromane Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen) (2008) und Margos Spuren (2010), ebenfalls nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis und ausgezeichnet mit der Corine. Greens Jugendroman Das Schicksal ist ein mieser Verräter (2012) ist ein weltweiter Bestseller, der in 56 Sprachen übersetzt und verfilmt wurde. Auch in Deutschland stand der Titel über ein Jahr auf der Spiegel-Bestsellerliste, wurde u.a. mit dem Buxtehuder Bullen und dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 (Preis der Jugendjury) ausgezeichnet. Im November 2017 erschien Greens neuester Jugendroman in Deutschland Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken. Mit seinem Bruder Hank betreibt John Green einen der weltweit erfolgreichsten Video-Blogs, die Vlogbrothers. Über 5 Millionen Leser folgen ihm auf Twitter. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Indianapolis.

Quelle

inhalt

Der neue Roman vom Bestseller-Autor von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. John Green erzählt über Liebe, Widerstandskraft und wahre Freundschaft.

Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.

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Lange mussten wir auf neuen Lesestoff von Bestsellerautor John Green warten. Fünf Jahre nach dem Megaerfolg von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ legt Green mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ einen weiteren preisverdächtigen Jugendroman vor, der alles hat, was das anspruchsvolle Leserherz sich nur wünschen kann.

Im Fokus der Geschichte steht die 16-jährige Aza, die als Ich-Erzählerin fungiert. Neben den gewöhnlichen Teenager-Problemen (Schule, Familie, Freunde) wird ihr Leben durch eine Angststörung beherrscht. Jeden Tag und jede Minute muss sie gegen ihre inneren Dämonen ankämpfen, um ein halbwegs normales Leben führen zu können. Green beschreibt Azas Ängste so intensiv und nachvolllziehbar, dass mir beim Lesen mehr als einmal mulmig zumute wurde. Einmal angefangen, dreht sich die Spirale immer schneller und Azas Gedanken werden immer gefährlicher. Nichts und niemand vermag es, sie von ihrem Leid zu befreien, dabei wünscht sie sich nichts sehnlicher, als ein ganz gewöhnliches Mädchen sein zu können.
Nicht nur Azas Mutter leidet unter der Krankheit ihrer Tochter, auch ihre beste Freundin Daisy schafft es nicht immer, für sie da zu sein. Als Davis ins Spiel kommt, für den Aza Gefühle entwickelt, wird es immer schwerer, gegen die Zwänge in Innerem anzukämpfen. Eine normale, stabile Beziehung scheint zwischen den beiden Teenagern unmöglich.

Sorgen sind die angemessene Reaktion auf das Leben. Das Leben ist besorgniserregend. 
(S. 55)

John Green zeigt in seinem neuen Buch auf, an welche Grenzen psychisch kranke Menschen stoßen. Ihr Umfeld, ihr Leben und die eigenen Gedanken werden von Azas Ängsten beherrscht. Ein Entkommen scheint unmöglich und auch die ihr verordneten Medikamente und Therapiesitzungen führen nicht zum gewünschten Erfolg.

Green schreibt Bücher für Jugendliche, die fernab der üblichen Lebens- und Liebesgeschichten liegen. Die Charaktere sind ebenso verschroben wie authentisch und gleichzeitig ganz normal. In lockerem, fast sachlichen Ton erzählt er vom Leben, Lieben und Zu-sich-selbst-finden. Dazu gibt es viele zitatwürdige Stellen im Buch, die man sich herausschreiben und immer wieder zur Hand nehmen möchte, weil sie so viel über das Leben aussagen und zudem voller Wahrheit stecken.

Unsere Herzen waren an der gleichen Stelle gebrochen. Das ist so etwas wie Liebe, aber vielleicht nicht ganz dasselbe.
(S. 204)

Wer actionreiche Spannung und große Gefühle sucht, wird bei diesem Buch sicher nicht gut aufgehoben sein. Auch ein filmreifes Happy-End sucht man (wie bei seinen anderen Büchern) vergeblich. Und doch hat mich vor allem das Ende begeistert, das einen Blick über das Hier und Jetzt hinauswagt und eine Zukunft skizziert, die zwar nicht rosa-rot, dafür aber sehr authentisch und gleichzeitig berührend ist.

Die hochwertige Ausstattung der limitierten Hardcoverausgabe kann sich wirklich sehen lassen. Da wird das Lesen auch durch die Optik des Buches zum Genuss.

Um einen Vergleich zu seinem bisher erfolgreichsten Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ komme ich an dieser Stelle nicht herum. So gut ich „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ auch fand, so muss ich leider sagen, dass es mich emotional nicht richtig packen konnte. Und obwohl ich die Geschichte als sehr wichtig und lesenswert empfinde, kann ich doch nicht die volle Punktzahl geben.

4 SterneVon mir gibt es vier Sterne.

fazit
Mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ legt John Green fünf Jahre nach seinem Welterfolg „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ein wichtiges, preisverdächtiges Buch vor, das alles bietet, was das anspruchsvolle Leserherz sich wünscht. Von mir gibt es, wie für alle seine Bücher, eine ganz klare Leseempfehlung.

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Rezension zu „Die Therapie“ von Sebastian Fitzek

Therapie
Autor: Sebastian Fitzek

Erscheinungsdatum: Juni 2006

Veröffentlicht bei: Knaur

Genre: Psychothriller

Umfang: 336 Seiten

Preis: 9,99 € (Taschenbuch)

Mehr Infos hier


Der Autor:

Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seine Bücher werden in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Sebastian Fitzek lebt mit seiner Familie in Berlin.

Inhalt:

Keine Zeugen, keine Spuren, keine Leiche. Josy, die zwölfjährige Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen. Ihr Schicksal bleibt ungeklärt.
Vier Jahre später: Der trauernde Viktor hat sich in ein abgelegenes Ferienhaus zurückgezogen. Doch eine schöne Unbekannte spürt ihn dort auf. Sie wird von Wahnvorstellungen gequält. Darin erscheint ihr immer wieder ein kleines Mädchen, das ebenso spurlos verschwindet wie einst Josy. Viktor beginnt mit der Therapie, die mehr und mehr zum dramatischen Verhör wird …


Meine Meinung:

Auf den ersten Psychothriller von Sebastian Fitzek war ich ganz besonders neugierig. „Die Therapie“ hat meine Erwartungen am Ende sogar übertroffen und war so spannend und düster, dass ich am liebsten die Nächte durchgelesen hätte, anstatt zu schlafen und Gefahr zu laufen, von Albträumen gequält zu werden.

Fitzek schafft es, den Leser sofort ins Geschehen hineinzuwerfen und auf jeder Seite zu fesseln. Kurze Kapitel mit spannenden Cliffhangern machen es so gut wie unmöglich, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Die Atmosphäre im Buch ist so  düster und gruselig, dass es mir mehr als einmal am helllichten Tag eiskalt den Rücken hinunter gelaufen ist. So muss ein Psychothriller sein!

Wer Fitzek kennt, der weiß, dass er sich in seinen Büchern geistigen Krankheiten, Wahnvorstellungen und psychischen Härtefällen widmet. In diesem Buch geht es um einen besonders schweren Fall der Schizophrenie, unter der die junge Anna leidet, die Viktor Larenz in der Abgeschiedenheit einer kleinen Nordseeinsel aufsucht. Zur Story will ich gar nicht viel mehr sagen, sonst würde ich nur spoilern.
Es ist unfassbar spannend, ihre Geschichte Stück für Stück mitzuerleben. Immer wieder werden die Therapiesitzungen unterbrochen, schlimme Dinge geschehen, dem Doktor geht es zunehmend schlechter. Je mehr sich die Handlung zuspitzt, desto spannender wird es, bis man gar nicht mehr anders kann, als unbedingt schnell weiterzulesen und das gerade aufgedeckte Puzzleteil an die anderen zu legen.
Nichts ist so, wie es scheint und auch, wenn ich zwischendurch dachte, der Lösung auf der Spur zu sein, so kam es am Ende nochmal ganz anders und völlig überraschend. Fitzeks große Stärke sind die Enden, bei denen er nochmal alles rausholt und den Leser mit offenem Mund und nicht enden wollendem Kopfschütteln zurücklässt.

Diese Geschichte wirkt noch lange nach und macht Lust auf mehr. Ich habe mir mittlerweile noch 4 Fitzek-Bücher gekauft, die ich bald lesen werde und natürlich freue ich mich auch auf „Das Paket“, das am 26.10.2016 erscheint. Mit meinen Freundinnen werde ich ihn auf seiner Jubiläums-Lesereise in Erfurt besuchen und kann es kaum erwarten.

Von mir gibt es die volle Punktzahl.

5 Sterne

Fazit:

Auch der erste Fitzek hat mich restlos umgehauen und sprachlos zurückgelassen. Die düstere Atmosphäre, die nervenaufreibende Spannung und die Entwicklung der Geschichte machen es unmöglich, das Buch wieder aus der Hand zu legen.
Ein Muss für alle Fitzek-Fans und die, die es noch werden wollen.
Absolute Leseempfehlung – aber nicht an dunklen, einsamen Orten 😉