Gemeinsam Lesen #77 – Und ewig schläft das Pubertier

Heute mache ich zum 77. Mal bei der Aktion “Gemeinsam Lesen” mit. Mehr Infos dazu gibt’s hier.

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Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Und ewig schläft das Pubertier“ von Jan Weiler und bin aktuell auf Seite 50.

Pubertier

Inhalt:

Wenn es erst einmal wach ist, hält es die Welt in Atem: Das Pubertier. Und inzwischen hat sich Nick zu einem Parade-Exemplar entwickelt. Als männliches Pubertier besticht auch er durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Begeisterungsfähigkeit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik.

Er wächst wie Chinagras und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Ansonsten allerdings ist die Kommunikation mit dem Pubertier auf ein Mindestmaß reduziert, es spricht wenig, dafür müffelt und chillt es ausgiebig. Und die Liebe spielt in diesem dritten Teil der Pubertier-Saga eine immer größer werdende Rolle sowie auch die Wahl der richtigen Schuhmode.

Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt. Gemutmaßt werden darf außerdem über die Frage, wann diese verfluchte Pubertät eigentlich aufhört. Der Erzähler schaut manchmal in den Spiegel und denkt: Eigentlich nie.

Chillen, relaxen, ausruhen: willkommen im Leben des Pubertiers.

Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Verträge sind in der heutigen Zeit offensichtlich nichts mehr wert.

Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Die ersten beiden Bände habe ich geliebt! Umso mehr habe ich mich nun auf die Fortsetzung gefolgt. Carla ist mittlerweile 17, macht den Führerschein und hat einen festen Freund. Nick ist 13 und sein ausgeprägtes Schlafbedürfnis erinnert stark an Narkolepsie (Willkommen im Club!). Das Verhalten der beiden Pubertiere hat meine Lachmuskeln bereits auf den ersten 50 Seiten wieder zuverlässig trainiert. Ich bin sehr gespannt, was da noch alles kommt.

Meine eigene Teenagerzeit ist ja noch nicht sooo lange her und in manchen Stories erkenne ich mich durchaus wieder. Das ist erschreckend und witzig zugleich.
Außerdem werde ich selbst in einigen Wochen Mama und zur Abwechslung ist es mal ganz schön, sich nicht nur mit der Entwicklung von Säuglingen zu beschäftigen, sondern gleich im Jugendalter einzusteigen. Kann ja nicht schaden, zu wissen, was in 13 – 17 Jahren auf uns zukommt 😉

Welches Ende eines in 2017 gelesenen Buches würdest du gerne umschreiben? 

Sehr interessante Frage. Da muss ich erstmal recherchieren, was ich alles gelesen habe, denn spontan will mir gar kein Buch einfallen.
Eigentlich haben mich alle Enden versöhnlich zurückgelassen. Wenn, dann würde ich mir für „Franz oder gar nicht“ von Nikola Hotel ein nicht ganz so abruptes Ende wünschen. Da fehlte mir noch ein bisschen Happy-End-Ausschmückung, inklusive Romantik, Liebesschwüre usw. Aber das fällt wohl unter Jammern auf hohem Niveau, denn das Buch war trotzdem toll.

franz-oder-gar-nicht

Ausgerechnet dem berühmten und äußerst attraktiven Fernsehkoch Raphael Franz bricht die junge Anästhesistin Jo während der Narkose einen Schneidezahn ab. Zu dumm, dass sie mit ihren Versuchen, sich zu entschuldigen, alles nur noch schlimmer macht. Jo ist davon überzeugt, dass Raphael ihr den ganzen Ärger heimzahlen wird. Doch was sie nicht ahnt: Raphael kocht nicht nur exzellent, sondern auch vor Leidenschaft …

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Was lest ihr gerade? Welches Ende würdet ihr gerne umschreiben und wieso? Ich bin gespannt auf eure Beiträge und schau heute Abend gerne bei euch vorbei 🙂

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Rezension zu „Im Reich der Pubertiere“ von Jan Weiler

Pubertiere

Autor: Jan Weiler

Erscheinungsdatum: 20.01.2016

Erschienen bei: Rowohlt

Genre: Humor / Kurzgeschichten

Umfang: 165 Seiten

Preis: 12 € (gebunden)

ISBN: 978-3463406619

Mehr Infos hier

Der Autor:

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Er war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins. Sein erstes Buch «Maria, ihm schmeckt’s nicht!» gilt als eines der erfolgreichsten Romandebüts der letzten Jahre. Es folgten unter anderem: «Antonio im Wunderland» (2005), «In meinem kleinen Land» (2006), «Drachensaat» (2008), «Mein Leben als Mensch» (2009), «Das Pubertier» (2014) und «Kühn hat zu tun» (2015). Jan Weiler verfasst zudem Hörspiele und Hörbücher, die er auch selber spricht. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Nähe von München. Quelle

Inhalt:

Chaos, Pickel und Hormone

Inzwischen hat es der Pubertier-Forscher nicht mehr nur mit einem weiblichen, sondern auch mit einem männlichen Exemplar der Gattung zu tun. Zu einigen Erkenntnissen ist er bereits gekommen: Pubertiere bewohnen am liebsten schlecht belüftete Räume, in denen sich Müllberge türmen. Die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Vertretern dieser Art erscheinen signifikant: Während das weibliche Pubertier durch maßlosen Konsum, unverständliches Monologisieren und multiples Dauermeckern auffällt, verbringt das Pubertier-Männchen seine Lebenszeit im Wesentlichen mit drei lautlosen Tätigkeiten: Schweigen, Müffeln – und Zocken.

Das klingt alles schlimm, schlimm, schlimm. Doch ohne Pubertiere wäre das Leben arm und öde. Und das Haus zu still und zu leer.

Meine Meinung:

Ich habe schon den Vorgänger „Das Pubertier“ geliebt. Die kurzen, knackigen Geschichten über Teenagermarotten sind einfach zum Schießen! Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, als ich das neue Buch im Neuerwerbungsregal der Bibliothek entdeckt habe (wo es aufgrund des winzigen Formates leider etwas unterging).

Mittlerweile ist das weibliche Pubertier 18, hat Abi und wird erwachsen. Doch bis es soweit ist, passieren viele skurrile Dinge im Hause Weiler. Papas geklauter Rasierschaum, Telefonzentralenatmosphäre und Aufräumfaulheit sind nur drei Ausprägungen der weiblichen Charaktereigenschaften eines übellaunigen Teenagers.
Jan Weiler erzählt wieder mit viel Witz, spitzer Zunge und sicherlich auch der ein oder anderen Übertreibung, welche Eskapaden diesmal auf das Konto seiner Kinder gehen. Mittlerweile ist auch Nick im Pubertieralter angekommen und wird auf die Schippe genommen.

Er klingt wie ein Dudelsack, wächst wie ein Schnittlauchhalm und futtert wie ein Maurer nach der Doppelschicht. (S. 8)

Im Gegensatz zu seiner kommunikativen Schwester hört man von ihm nicht viel. Dafür macht sich das Teenageralter bei ihm auf andere Weise bemerkbar: durch vor-sich-hingammeln, mangelnde Körperhygiene und versaute Witze zum Beispiel.

In 24 kurzen Geschichten widmet sich Weiler dem Verhalten seiner Kinder. Alle Kapitel sind unterhaltsam und witzig. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Viel eher sollte man beim Lesen aufpassen, nicht durch lautes Lachen unangenehm in der Öffentlichkeit aufzufallen. In manchen Geschichten habe ich sogar mein früheres Ich wiedererkannt und konnte herrlich schmunzeln.

Besonders schön fand ich die Geschichte, in der Weiler versucht, seine Tochter durch perfide Tricks und geschickte Manipulation wieder mit ihrem Exfreund zusammenzubringen. Vater und Ex-Schwiegersohn haben sich immerhin so gut verstanden, dass der Junge es so manches mal gar nicht bis ins Zimmer der Tochter geschafft hat, weil er viel lieber mit Schwiegerpapa Fußball geguckt hat.

Schön fand ich auch die Geschichte über die Abiturfeier der Tochter. Am Sektstand eingeteilt muss Weiler so manch pathetische Rede über sich ergehen lassen und betrinkt sich ganz unabsichtlich so sehr, dass er am Ende zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Einfach herrlich!

Wer wissen möchte, welche kreative Methoden des Spickens heute in der Schule angesagt sind, wird hier auch aufgeklärt. Auf welche Ideen die Schüler kommen, um sich Lernstress zu ersparen – sehr kreativ. Ich konnte herzhaft lachen!

Ganz oft sind die modernen Medien Thema der Geschichten. Vom Minecraft-zockenden Sohnemann, über das Schulreferat, das bis morgen fertig sein muss (natürlich ohne Wikipedia), oder dem Quizduell  mit einem heißen Typen namens Pussylover2005 (hinter dem sich natürlich nur Matthias Schweighöfer höchstpersönlich verbergen kann) bis hin zur Telefonseelsorge für gefühlsgebeutelte Mädels ist alles dabei.

Neben all dem Witz bleibt aber auch Platz für etwas Melancholie. Kindermöbel, Lieblingsbands und Kuscheltiere werden irgendwann ausgemistet. Und so wird auch der Herr Papa traurig beim Gedanken daran, eines Tages vielleicht auf dem Abstellgleis zu landen, wenn die Kinder ausziehen. Bis es soweit ist, hoffe ich aber noch auf viele lustige Geschichten. Gerne über Nick, der ja jetzt im besten Pubertieralter ist. Und ich bin mir sicher, dass es auch über Carla noch viel zu erzählen gäbe.

Zitate:

„Heute Morgen stand eine frische Dose Rasierschaum vor meinem Spiegel. Gut, es ist natürlich kein richtiger Rasierschaum, sondern Beinchenschaum für Sechzehnjährige. Aber die Geste finde ich rührend. Und ich rieche jetzt wie eine frisch rasierte, achtundvierzig Jahre alte Mango.“ (S. 14)

„Er stand barfuß vor mir. (…) Er ist jetzt dreizehn Jahre alt, aber seine Füße sind schon siebzehn. Hoffentlich ruckelt sich das irgendwann wieder zurecht. Oder unser Sohn ist ein Hobbit.“ (S. 30)

Jan Weiler ist übrigens noch bis Anfang 2017 auf Lesereise. Die Tourdaten gibt’s hier.
Ich bin mir sicher, dass es sich lohnt. Genauso sicher bin ich mir, dass sich als Alternative zum Buch auch das Hörbuch lohnt. Die Geschichten sind genau das Richtige für eine langweilige Autofahrt. Vom Preis des Buches bin ich allerdings etwas abgeschreckt. Zwar beinhaltet es tolle Illustrationen, ist fest gebunden und enthält ein Lesebändchen, aber dennoch frage ich mich, ob es ein Taschenbuch – womöglich eins, das beide Pubertier-Bücher zusammenfasst – nicht auch getan hätte.
Aber zum Verschenken oder Schwelgen in Erinnerungen an die eigene Jugend ist dieses kleine Büchlein trotz des hohen Preises sehr zu empfehlen.

Von mir gibt es für dieses rundum gelungene und sehr witzige Buch volle Punktzahl.

5 Sterne
Fazit:

Die Pubertiere sind zurück! Diesmal sind sie zu zweit und lassen garantiert kein Auge trocken. Zum Verschenken an teenagergeplagte Eltern oder zum Schwelgen in der eigenen Jugend ist dieses Buch das Richtige für Zwischendurch. Lachgarantie inklusive! Diesen Familienirrsinn sollte man sich nicht entgehen lassen.