Rezension zu „Pearl – Liebe macht sterblich“ von Julie Heiland

pearl
Autorin: Julie Heiland
Erscheinungsdatum: 24.05.2017
Verlag: Fischer Jugendbuch
Genre: Jugendbuch / Liebe / Fantasy
Umfang: 352 Seiten
Preis: 16,99 € (gebunden)
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Julie Heiland hat Journalistik studiert. Parallel dazu hat sie eine Schauspiel- und Rhetorikausbildung absolviert und schon in einigen Fernsehfilmen mitgespielt. Julie Heiland ist 1991 geboren und lebt in der Nähe von München. Nach der Trilogie »Bannwald«, »Blutwald« und »Sternenwald« ist »Pearl« ihr vierter Roman. Quelle

inhalt

Die ungestillte Sehnsucht nach Liebe macht sie unsterblich. Aber alles, was sie will, ist endlich zu lieben.

„Zweihundert Jahre habe ich die Liebe gesucht, wollte sie mehr als alles andere – nie hat sie sich meiner erbarmt. Ich habe noch nie geliebt. Wurde noch nie geliebt.“
Pearl ist eine Suchende. Ihre Sehnsucht nach Liebe ist so groß, dass sie selbst im Tod keine Ruhe gefunden hat und zur Unsterblichkeit verdammt ist. Sie hat nur eine Möglichkeit, erlöst zu werden: sie muss die wahre, aufrichtige Liebe erfahren. Aber der, den sie endlich lieben kann, stellt sich als ihr größter Feind heraus. Wird er ihre Gefühle erwidern und sie befreien oder wird er ihr Schicksal auf ewig besiegeln?

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Nachdem mir die Bannwald-Trilogie der Autorin so wahnsinnig gut gefallen hat, war schnell klar, dass ich auch „Pearl“ unbedingt lesen musste.

Die Grundidee hat mich sofort angesprochen: Pearl ist 200 Jahre alt. Sie starb als junge Erwachsene, bevor sie Liebe erfahren hat. Seither ist sie dazu verdammt, ewig zu leben – bis sie die wahre Liebe findet. Doch das ist nicht so einfach. Küsst sie den Falschen, entzieht sie ihm seine Gefühle und verdammt ihn dazu, sein Leben ohne Glück und Liebe fortzusetzen. Aus diesem Grund werden die Suchenden gejagt. Weil sie selbst ein kurzweiliges Glücksgefühl aus diesem Gefühlsraub ziehen können, stellen sie eine Bedrohung für die Menschheit dar und sollen auf barbarische Weise aus dem Weg geschafft werden.
Dabei wünscht sich Pearl nichts sehnlicher, als diese unstillbare Sehnsucht endlich hinter sich zu lassen und erlöst zu werden – oder zu sterben.

Gemeinsam mit ihren Freunden Damien und Alexa lebt sie seit 3 Jahren in Venedig und sucht dort nach der wahren Liebe. Der Schauplatz wird so lebendig und detailliert beschrieben, als wäre man dort. Obwohl die Stadt mich eigentlich nicht reizt, habe ich mich in den engen Gassen, den prunkvollen Palazzi und auf den zahlreichen Wasserstraßen sofort wohl gefühlt. Hier ist der Autorin eine richtig tolle Umgebungsbeschreibung gelungen. Man taucht ein in diese ungewöhnliche Stadt und möchte nicht mehr gehen.

Als Pearl auf Noah trifft, spürt sie zum ersten Mal in ihrem langen Leben so etwas wie Glück. Doch Noah birgt ein Geheimnis. Er ist gefährlich und undurchschaubar. Außerdem arbeitet er mit einem Mann namens Hubertus zusammen, der Pearl und ihren Freunden nach dem Leben trachtet.
Die Geschichte wird vorwiegend aus Pearls Sicht erzählt. Aber auch Hubertus kommt in kurzen Kapiteleinschüben zu Wort. Er ist der typische böse Gegenspieler, während Pearl das nicht ganz so typische „Gute“ in der Geschichte verkörpert. Obwohl Hubertus‘ Verhalten nicht besonders überraschend war, konnte ich es doch durch seine tragische Hintergrundgeschichte nachvollziehen.

Im Zentrum der Geschichte steht die Sehnsucht nach der einen, großen Liebe. Mir gefällt die Vorstellung, dass zwei Menschen ausschließlich füreinander geschaffen sind. Der romantische Aspekt kommt hier definitiv nicht zu kurz und lässt die Herzen der Leser/innen höher schlagen.
Auch die Idee der Suchenden und ihre jeweiligen Geschichten haben mir sehr gut gefallen. Ich habe die Szenen beim Lesen wie in einem Film vor meinem inneren Auge ablaufen sehen und könnte mir das Buch sehr gut verfilmt vorstellen.

Julie Heilands Schreibstil ist jugendlich und flüssig. Obwohl das Buch für mich leider einige Längen aufwies, wollte ich stets wissen, wie es weitergeht. Vor allem gegen Ende spitzen sich die Geschehnisse noch einmal auf dramatische Weise zu.
Dennoch muss ich sagen, dass mir der Schreibstil in der Bannwald-Trilogie noch besser gefallen hat. Er war weniger jugendlich, ich empfand ihn sogar als poetischer. Natürlich spielt Pearl in einer ganz anderen Welt, doch in diesem Punkt war ich leider etwas enttäuscht bzw. hatte vielleicht einfach zu viel erwartet. Nichtsdestotrotz gehört Julie Heiland für mich jetzt schon zu den besten deutschen (Nachwuchs)-Romantasy-Autorinnen und ich bin sehr gespannt, was sie als Nächstes schreibt.

4 SterneVon mir gibt es vier Sterne.

fazit

„Pearl“ ist ein toller romantischer Fantasyroman, der mich vor allem durch die Grundidee der Suchenden und ihrer Geschichte und das wundervolle Setting im Herzen Venedigs überzeugt hat. Große Gefühle treffen auf Spannung und unvorhersehbare Wendungen. Trotz kleinerer Längen im Mittelteil ist das Buch für mich ein wahrer Lesegenuss gewesen. Allen Romantikern da draußen wärmstens empfohlen.

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Rezension zu „Verliebt in Mr. Daniels“ von Brittainy C. Cherry

verliebt mr daniels

Autorin: Brittainy C. Cherry

Erscheinungsdatum: 04.05.2016

Veröffentlicht bei: Lyx Egmont

Genre: Junge Erwachsene / Liebe

Umfang: 374 Seiten

Preis: 9,99 € (Taschenbuch)

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Die Autorin: 

Brittainy C. Cherrys erste große Liebe war die Literatur. Sie hat einen Abschluss der Carroll Universität in Schauspiel und Creative Writing und schreibt hauptberuflich Theaterstücke und Romane. Sie lebt mit ihrer Familie in Milwaukee, Wisconsin. Quelle

Inhalt:

Unsere Liebe verboten zu nennen ist einfach. Einfacher, als zu erkennen, dass wir vom ersten Moment an Seelenverwandte waren. Ich denke, wir sind beides: verbotene Seelenverwandte. Ich hatte nicht vor, mich in ihn zu verlieben, als ich nach Wisconsin kam. Ich hatte weder geplant, in Joes Bar zu stolpern, noch mich Hals über Kopf in Daniels Musik zu verlieren. Ich hatte ja keine Ahnung, dass allein seine Stimme all meine Sorgen wenigstens für einen kurzen Moment vertreiben könnte. Ich wusste nicht, dass sich so das Glück anfühlt. Unsere Liebe war mehr als nur Leidenschaft. Es ging um Familie. Um Verlust. Um das Gefühl, wieder lebendig zu sein. Unsere Liebe war verrückt und schmerzhaft. Sie bestand aus Lachen und Weinen. Sie war wie wir. Und allein deshalb werde ich es niemals bereuen, dass ich mich in meinen Lehrer Mr Daniels verliebt habe!

Meine Meinung:

Ich bin durch die Facebook-Gruppe „Zeilenspringer“ auf das Buch aufmerksam geworden. Ganz viele Mädels haben davon geschwärmt und so habe ich mich anstecken lassen und es sofort in meiner Buchhandlung bestellt.

Ashyln Jennings ist 19 Jahre alt, als ihre Zwillingsschwester Gabrielle an Leukämie stirbt. Ihre Mutter kommt mit der Situation nicht klar und schickt Ashlyn zu ihrem Vater, der in einem anderen Bundesstaat wohnt und zu dem sie so gut wie keinen Kontakt hatte. Mit ihrem Schmerz und ihrem Kummer allein gelassen macht sie sich auf den Weg in ihr neues Zuhause und muss feststellen, dass ihr Dad mittlerweile eine eigene Familie hat – und Ashlyn gar nicht zu brauchen scheint.
Bereits auf der Reise in ihr neues Leben lernt Asyhlyn den gut aussehenden Daniel kennen, der sie spontan zu seinem Kontakt in eine Bar einlädt. Ashyln folgt seiner Einladung und die beiden verlieben sich Hals über Kopf. Ihre gemeinsame Liebe zu Büchern, insbesondere Shakespeare, und all das Schlimme, dass sie in ihrer Vergangenheit erlebt haben, lässt eine tiefe Verbindung entstehen, die weit über eine normale Teenager-Liebelei hinausgeht.
Doch als Ashlyn sich an ihrer neuen Highschool in Daniels Englischkurs wiederfindet, scheint der Traum von einer gemeinsamen Zukunft geplatzt zu sein.

Die Geschichte wird aus Ashlyns und Daniels Sicht erzählt. Jedem neuen Kapitel ist ein Zitat von Daniels Band „Romeos Quest“ vorangestellt. Bereits am Anfang wird deutlich, wie viel Schmerz und Leid die beiden in ihrem jungen Leben schon erleben mussten. Als sie aufeinander treffen, scheint es eine Fügung des Schicksals zu sein, doch mit dem Schulalltag wird schnell deutlich, dass diese Liebe nicht sein darf.
Nun deutet ja bereits der Klappentext an, dass die beiden sich nicht lange gegen ihre Gefühle wehren können und so beginnt eine heimlich Affäre, die immer intensiver wird, je mehr Zeit Ashlyn und Daniel miteinander verbringen. Dabei steht die große Liebe zwischen ihnen im Vordergrund. Mehr als einmal müssen sie an ihrer Beziehung zweifeln und stehen kurz vor der Trennung. Die Autorin schafft es, die zerrissenen Gefühle, die Dramatik und den Tiefgang dieser besonderer Beziehung auf jeder Seite spürbar werden zu lassen. Diese Liebe ist genauso intensiv wie verboten – und trotzdem absolut richtig.

Mir hat vor allem gut gefallen, dass es keine typische „Verbotene-Liebe“-Story ist, bei der der Reiz des Verbotenen im Vordergrund steht, sondern wirklich die tiefe Liebe von Ashlyn und Daniel. Im Laufe der Geschichte müssen sie weitere gemeinsame Schicksalsschläge überwinden und ihre Liebe unter Beweis stellen.
Die vielen kleinen Details machen diese Geschichte so liebenswert: z. B. spielt Daniel in einer Band, die von Shakepeares Stücken inspiriert. Auch die Familiengeschichte rund um Ashlyn und ihren Vater mitsamt seiner neuen Familie hat mir gut gefallen. Die Nebenfiguren habe ich sehr ins Herz geschlossen.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig und trotzdem poetisch. Auch die Erotikszenen wirken nicht übertrieben oder anstößig.

Insgesamt habe ich das Buch absolut genossen. Die Geschichte hat mich keine Sekunde gelangweilt, sondern gut unterhalten und mitfiebern, -lieben und -trauern lassen. So muss eine Liebesgeschichte sein!
Einziger Kritikpunkt: Das Ende war nicht ganz nach meinem Geschmack. Was ich damit meine, müsst ihr aber selbst herausfinden. Für die hoffnungslosen Happy-End-süchtigen Romantiker unter euch ist es vielleicht genau das Richtige. Für mich hätte nicht so dick aufgetragen werden müssen.
Dennoch ist das Buch einfach rundum wundervoll und verdient daher 4,5 Sterne und eine dringende Leseempfehlung.

4 1_2 Sterne

Fazit:

„Verliebt in Mr. Daniels“ war ganz anders und viel besser, als ich erwartet hatte. Diese intensive, sehnsuchtsvolle Liebesgeschichte geht weit über eine verbotene Schüler-Lehrer-Affäre hinaus und trifft mitten ins Herz. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und kann es euch nur wärmstens empfehlen.

Rezension zu „Ein Sommer ohne uns“ von Sabine Both

Sommer ohne uns

Autorin: Sabine Both

Erscheinungsdatum: 15.02.2016

Veröffentlicht bei: Löwe

Genre: Jugendbuch / Liebe / Drama

Umfang: 240 Seiten

Preis: 12,95 € (broschiert)

ISBN: 978-3785582220

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Die Autorin:

Bestsellerautorin Sabine Both lebt mit ihren Kindern in der Nähe von Neuss. Mit dem Schreiben von berührenden Romanen hat sie ihren absoluten Traumjob gefunden. Unter dem Pseudonym Franziska Moll erschienen bereits „Was ich dich träumen lasse“ und „Egal wohin“. Auch in ihrem neuen Band geht es um die Spielarten der Liebe und das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Quelle

Inhalt:

Eine große Liebe. Und eine Auszeit von der Treue. Eine offene Beziehung. Für drei Monate. Zwischen Abi und Studium. Sich ausprobieren. Mit anderen. Danach ist alles wieder wie zuvor und Tom und Verena weiterhin ein Paar. Denn sie lieben sich und wollen für immer zusammen bleiben. Doch ist das wirklich so einfach, wie sie es sich vorstellen? Verena und Tom kennen sich von klein auf, sind ein Paar, seit sie dreizehn sind. Sie gehören einfach zusammen und das soll für immer so bleiben. Aber ein Gedanke lässt Verena – mitten im Abistress und voller Vorfreude auf das anstehende Studium – nicht mehr los: Sie hat noch nie einen anderen Jungen geküsst, geschweige denn Sex mit einem anderen gehabt. Doch sie liebt Tom und sich von ihm zu trennen oder ihn zu betrügen, kommt nicht infrage. Als sie schließlich mit Tom darüber spricht, treffen die beiden eine Vereinbarung: eine offene Beziehung, drei Monate Austobzeit nach dem Abi. Danach ist alles wieder wie vorher und die zwei wieder ein Paar. Zunächst genießen die beiden es, sich auszuprobieren. Doch sie haben nicht mit den Gefühlen gerechnet, die das Arrangement mit sich bringt: Zweifel tun sich auf. Ängste. Werden sie rechtzeitig einen Ausweg finden?

Meine Meinung:

Auf dieses Buch war ich sehr neugierig. Das Thema ist, meines Wissens, im Jugendbuch neu und sehr spannend. Die Meinungen zum Buch gehen weit auseinander, die Bewertung fällt eher mittelmäßig aus. Nachdem das Buch meine Freundin nicht mehr losgelassen hat, musste ich es mir auch kaufen und meine eigene Meinung dazu bilden.

Die Geschichte setzt 5 Jahre vor der eigentlichen Handlung ein. Tom und Verena sind Nachbarskinder, die sich schon ihr Leben lang kennen. Die Eltern sind eng befreundet und glücklich. Die beiden gestehen sich ein, dass sich ihre kindlich-freundschaftflichen Gefühle füreinander geändert haben und es kommt zum ersten Kuss. Von diesem Tag an sind Tom und Verena ein Paar. Sie verstehen sich ohne Worte, sehen sich jeden Tag, kennen den anderen besser als sich selbst und sind füreinander geschaffen.
Fünf Jahre später: Tom und Verena sind 18 und stehen kurz vorm Abi. Die Zukunft ist geplant, beide werden gemeinsam in Marburg studieren und dort zusammen wohnen. Verenas Zwillingsbruder Rollo musste die Klasse wiederholen und lebt von einer Party zur nächsten. Frauen sind austauschbar, er kommt gut an bei den Mädchen. Auch die Stimmung zwischen den Eltern hat sich gewandelt. Als Verena auf den Rocksänger Jesse trifft und Tom sich zu Rollos Affäre Isabell hingezogen fühlt, beschließen die beiden, die Zeit bis zum Studium zu nutzen, um Erfahrungen mit anderen zu sammeln.

Geschichte und Handlung konnten mich überzeugen. Die Entwicklung ist authentisch und ich konnte beide Protagonisten und ihre Entscheidungen stets verstehen. Neben der eigentlichen Haupthandlung werden auch andere Themen angesprochen: Versagensängste (Rollo), sich trennende Eltern, Sehnsucht und Eifersucht, nur um ein paar Stichworte zu nennen. Es gibt außerdem eine manipulative Person, die für Spannung sorgt und Tom und Verena auseinander treiben will.
Der Leser ahnt schnell, dass die Abmachung zwischen beiden nicht lange gut gehen kann. Auch wenn Verena und Tom daran glauben, dass ihre große Liebe den Treuebruch unbeschadet übersteht, zeichnet sich schon relativ früh ab, dass dem nicht so ist. Nun handelt es sich bei „Ein Sommer ohne uns“ um ein Jugendbuch. Dementsprechend wurde das Ende gestaltet. Ich kann damit leben und finde es vollkommen okay. Es hätte allerdings auch anders ausgehen können. Mich würde eure Meinung über das Ende interessieren, sofern ihr das Buch schon gelesen habt.

Kommen wir nun zum großen Haken: der Schreibstil. Amazon beschreibt ihn als „ganz eigen und poetisch„, ich nenne ihn kühl, einfach und distanziert. Die Geschichte wird aus der 3. Person, immer abwechselnd aus Verenas und Toms Sicht, erzählt. Dabei wechseln sich die Perspektiven absatzweise ab. Das ist neu und kannte ich so noch nicht. Durch unterschiedliche Schriftarten sind die Perspektiven aber immer gut voneinander zu unterscheiden. Auf detailreiche Beschreibungen wird verzichtet, die Sätze fallen kurz und knackig aus. Die Autorin formuliert auf den Punkt genau. Auf den ersten Blick wirkt das sehr einfach, ich finde es jedoch gut, dass dem Leser dadurch viel Raum zum Lesen zwischen den Zeilen gegeben wird.
Wenn man sich einmal an diese außergewöhnliche Erzählform gewöhnt hat, liest sich das Buch flott weg. Einige Wendungen geben der Geschichte zum Ende hin nochmal Würze, manche Entwicklungen waren mir dann allerdings zu viel des Guten.
Durch die gewählte Erzählperspektive bleiben die Protagonisten immer fern. Ich konnte keine richtige Verbindung zu ihnen aufbauen, auch wenn an der ein oder anderen Stelle auf ihre Gedanken eingegangen wird.

Zitate:

Es ist raus, ehe er es hat prüfen können. Und er weiß, dass es sich anhört wie etwas, das Tom noch nie zu Verena gesagt hat. Alles an dir ist Vanille. Er hätte so etwas nicht sagen dürfen. Er hätte nicht eine Sekunde länger warten können, so etwas zu sagen. (E-Book, Pos. 1016-1018)

„Eines Tages willst du es wissen. Wie es mit jemand anderem ist. Und wenn du es nicht ausprobierst, wirst du den Gedanken nie los. Und das macht deine Beziehung kaputt. Erst unbemerkt, dann immer deutlicher. Um am Ende hasst ihr euch.“ (E-Book, Pos. 1381-1383)

Jetzt ist das Bild so deutlich wie die Realität. Es macht ihn fertig. Verena mit einem anderen Mann. Mit Schutz. Aber was schützt ihn? (E-Book, Pos. 1617-1619)

Insgesamt kann ich sagen, dass ich das Buch genossen habe. Das Thema war spannend, die Entwicklung von der unschuldigen Jugendliebe hin zur offenen Beziehung auf Zeit mit all ihren Konsequenzen empfand ich als konsequent und nachvollziehbar. Der Schreibstil hat zwar durchaus etwas Poetisches, aber die Erzählperspektive aus der 3. Person hat mir in diesem Buch nicht so gut gefallen wie z. B. bei „Wie das Licht von einem erloschenen Stern“. Sie sorgt für Distanz, was einerseits gut zur Story passt, mich andererseits aber gestört hat.
Wer mal eine etwas andere Geschichte über die erste Liebe kennenlernen möchte, gerne zwischen den Zeilen liest und sich von der ungewöhnlichen Erzählform nicht abschrecken lässt, dem kann ich das Buch durchaus empfehlen.

Viele Blogger bewerten auch die Cover. Das mache ich nicht, aber zu diesem hier möchte ich etwas sagen: die kunstvolle Gestaltung hat was. Auf der Vorderseite zieht man Verena, die sich gegen eine Wand lehnt. Wenn man das Buch aufklappt, steht da Tom.

sommer_cover Quelle

Ein echter Blickfang also. Dennoch gefallen mir die Zeichnungen nicht. Mit echten Menschen hätte es mir wesentlich besser gefallen, aber das ist ja Geschmackssache. Von weitem würde ich jedoch denken, es wäre ein Kinderbuch (ab 10 vielleicht).
Auch der Preis (12,95 € für 240 Seiten Klappenbroschur) kommt mir sehr überzogen vor. Ich habe das nur wenig günstigere E-Book gewählt (für 8,99 €).

Zur Bewertung: Abzüge gibt es für manch übertriebene Entwicklung am Schluss, teilweise gestelzte Dialoge und den Erzählstil, obwohl er mir zeitweise sogar gefallen hat. Aber insgesamt konnte ich durch ihn nicht richtig an Tom und Verena herankommen. Deshalb vergebe ich gute 3 Sterne.

3 Sterne

Fazit:

Über den knappen, distanzierten Stil lässt sich sicher streiten. Mir hat er den Zugang zu den Charakteren erschwert, andererseits konnte ich zwischen den Zeilen lesen. Handlung und Entwicklung haben mich überzeugt. Am Ende wurde es mir etwas too much, doch der Ausgang der Geschichte hat mich versöhnt.
Ein besonderes Buch zu einem spannenden Thema, dem ihr eine Chance geben solltet.

 

 

Rezension zu „Maybe Someday“ von Colleen Hoover

Maybe Someday

Autorin: Colleen Hoover

Erscheinungsdatum: 18.03.2016

Veröffentlicht bei: dtv

Genre: Junge Erwachsene / Liebe

Umfang: 427 Seiten + Bonusmaterial online

ISBN: 978-3423740180

Preis: 12,95 €

Mehr Infos: hier 
Die Autorin:

Colleen Hoover stand mit ihrem Debüt ›Weil ich Layken liebe‹, das sie zunächst als eBook veröffentlichte, sofort auf der Bestsellerliste der ›New York Times‹. Mittlerweile hat sie auch in Deutschland die SPIEGEL-Bestsellerliste erobert. Mit ihren zahlreichen Romanen, die alle zu internationalen Megasellern wurden, verfügt Colleen Hoover weltweit über eine riesengroße Fangemeinde. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Texas. Quelle

Inhalt:

Das Letzte, was Sydney will, als sie bei dem attraktiven Gitarristen Ridge einzieht, ist, sich in ihn zu verlieben. Zu frisch ist die Wunde, die ihr Ex hinterlassen hat. Und auch Ridge hat gute Gründe, seine neue Mitbewohnerin nicht zu nah an sich ranzulassen, denn er hat seit Jahren eine feste Freundin: Maggie – hübsch, sympathisch, klug, witzig. Und dann passiert es doch. Als Sydney beginnt, Ridge beim Songschreiben zu helfen, kommen sie sich näher als erwartet. Auch wenn beide die Stopptaste drücken, bevor wirklich etwas passiert, können sie nichts gegen die immer intensivere Anziehung ausrichten, die sie zu unterdrücken versuchen – vergeblich.

Meine Meinung:

Gott, was habe ich mich auf das neue Buch von Colleen Hoover gefreut! Ich habe dem Erscheinungstermin richtig entgegengefiebert und mich riesig gefreut, als ich die Möglichkeit bekam, das Buch vorab zu lesen. An dieser Stelle: Vielen Dank an dtv!

Leider muss ich sagen, dass mich das Buch nicht so richtig mitreißen konnte. Vielleicht hatte ich nach dem grandiosen „Love & Confess“ zu hohe Erwartungen an die neue Geschichte meiner Lieblingsautorin.

Wie immer ist das Buch wunderbar geschrieben. Colleen Hoover schreibt einfach, benutzt oft kurze Sätze und gerne Wiederholungen. Ihre Bücher lesen sich flüssig und schnell und die Seiten fliegen nur so dahin. Zum ersten Mal hat es mich bei diesem Buch allerdings gestört, dass mehrere Sätze nacheinander mit „Ich“ oder „Er“ beginnen. Das hätte man auch schöner lösen können. Aber wahrscheinlich bin ich hier wieder überkritisch.

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven von Sydney und Ridge erzählt. Wieder einmal wartet einer der beiden Protagonisten mit einem Geheimnis auf, von dem die Leser (und der zweite Prota) am Anfang nichts geahnt haben. Solche Überraschungen gefallen mir gut. Die Kapitel sind kurz und knackig, genauso wie ich es mag.

Sydney wird dem Leser als taffes Mädchen präsentiert. Von Freund und bester Freundin betrogen und hintergangen? Egal, da steh ich drüber! Ich mochte sie von Anfang an sehr, umso mehr hat es mich verwundert, dass sie am Ende des Buches doch recht schüchtern und unsicher rüberkam. Es wollte nicht so richtig zu der Sydney passen, die die restlichen 90 % des Buches ausmacht.
Ridge kommt anfangs als der typische Musiker daher – gut aussehend, in sich gekehrt, ein bisschen arrogant. Sydney ist die erste Person, der er seine Geschichte anvertraut. Die beiden bauen eine ganz besondere Verbindung zueinander auf, die der Leser auch deutlich spüren kann. Trotzdem scheint eine gemeinsame Zukunft aussichtslos. Hin- und her gerissen zwischen ihren tiefen Gefühlen, gegen die sie aus verschiedenen Gründen anzukämpfen versuchen, und ihrem Gewissen entwickeln beide eine schier unstillbare Sehnsucht zueinander. Wie immer konnte mich das Buch vor allem auf der Gefühlsebene überzeugen, weil ich mich stets in die Gedanken und Gefühle der beiden hinein versetzen konnte. „Maybe Someday“ ist ein Buch zum Mit-Leiden, Mit-Schmachten und Mit-Weinen.

Dennoch muss ich leider sagen, dass diese Geschichte für meinen Geschmack zu kitschig daher kam. Ab der Hälfte des Buches ist in gefühlt jedem zweiten Satz „mein Herz“ zu lesen. „Mein Herz zerbricht“, „mein Herz hier“, „mein Herz da“, das war mir einfach zu viel. Auch fand ich, dass einige Szenen unnötig in die Länge gezogen wurden und im gesamten Buch, trotz des erheblichen Umfangs, relativ wenig passiert. Sehr schade.
Das Ende und die Auflösung des Konfliktes waren vorauszusehen, aber natürlich war es das Ende, das die Leserinnen sich wünschen, deshalb fand ich es total okay. Kurz vor Schluss sind mir sogar ein paar Tränchen in die Augen geschossen, obwohl ich nur sehr selten so emotional werde, wenn es um Bücher geht. Von daher: Alles richtig gemacht, Frau Hoover!
Generell muss ich sagen, dass ich mit Geschichten über Musiker / Rockstars relativ wenig anfangen kann. Zwar ist diese Geschichte aufgrund von Ridges „Geheimnis“ total anders, aber die im Buch enthaltenen Songtexte konnten mich nicht überzeugen. So ging es mir schon in der Will & Layken Reihe mit den Poetry Slam Texten. Das ist einfach nicht meins und sowas gefällt mir nicht. Da kommt schon ein gewisser Fremdschämfaktor bei mir auf. Aber das ist sicher Geschmackssache.

Obwohl mir „Maybe Someday“ weniger gefallen hat als z. B. „Love & Confess“ ist es ein lesenswertes Buch, wenn man eine nette, sehnsuchtsvolle Liebesgeschichte für Zwischendurch sucht und nichts gegen eine gehörige Portion Kitsch einzuwenden hat. Von Colleen Hoover bin ich jedoch Besseres gewohnt. Aufgrund der überschaubaren Handlung, der vorauszusehenden Auflösung und dem hohen Schmachtanteil vergebe ich diesmal nur 3 Sterne. Dennoch freue ich mich sehr auf ihr nächstes Buch.

3 Sterne
Fazit:

„Maybe Someday“ ist eine nette Liebesgeschichte für Zwischendurch. Es mangelt weder an großen Gefühlen noch an inneren Gewissenskonflikten. Dennoch bin ich von der Autorin Besseres gewohnt und empfand die Geschichte insgesamt als zu kitschig und teilweise vorhersehbar.

 

Rezension zu „Cry Baby“ von Gillian Flynn

cry baby
Autorin: Gillian Flynn

Erscheinungsdatum: 21.05.2015

Veröffentlicht bei: Fischer Taschenbuch

Genre: Thriller

Umfang: 331 Seiten

ISBN: 978-3596032020

Preis: 9,99 €

Mehr Infos: hier

Die Autorin:

Gillian Flynn ist mit ihrem dritten Buch >Gone Girl< eine weltweite Sensation gelungen: Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste, wurde mehr als 3 Millionen mal verkauft und in 40 Sprachen übersetzt. Die 20th Century Fox verfilmte den Stoff prominent mit Ben Affleck und Rosamunde Pike. Auch die beiden Vorgänger-Bände >Cry Baby< (erhielt gleich zwei >British Dagger Awards<) und >Dark Places< waren große Erfolge und wurden ebenfalls verfilmt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Chicago. Quelle

Inhalt:

›Babydoll‹ steht auf ihrem Bein. ›Petticoat‹ auf ihrer linken Hüfte. ›Böse‹ findet sich ganz in der Nähe. ›Girl‹ prangt über ihrem Herzen, ›schädlich‹ ist in ihr Handgelenk geritzt. Camille Preakers Körper ist übersät mit Wörtern. Wörtern, die sie sich in die Haut geritzt hat. Das letzte Wort, das sie sich einritzte, hieß ›verschwinden‹. Danach stellte sie sich. Den Therapeuten, aber auch ihrer Vergangenheit. In ihrer alten Heimatstadt Wind Gap wurden zwei Teenager entführt und ermordet. Camille Preaker soll den Fall für ihre Zeitung vor Ort recherchieren. Sie findet die Dämonen ihrer Kindheit. Und die verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sondern töten auch.

Meine Meinung:

Nachdem ich von „Gone Girl“ total begeistert war, wollte ich unbedingt noch ein Buch der Autorin lesen. Erst, nachdem ich „Cry Baby“ gekauft habe, wurde mir klar, dass es sich dabei um ihren Debütroman handelt. Weil ich auch zu diesem Buch viele positive Stimmen gelesen habe, war ich sehr gespannt, ob es mich genauso fesseln würde. Dem war leider nicht so. Die Story braucht eine ganze Weile, um in Fahrt zu kommen. Der Schreibstil ist routiniert und überzeugend, trotzdem packte mich die Geschichte leider nicht so unvermittelt und stieß mich auch nicht mitten ins atemlose Geschehen, wie es bei „Gone Girl“ war. Aber der Reihe nach …

Um über den Mord an zwei Schülerinnen zu berichten, besucht Camille Preaker, Anfang 30, ihre kleine Heimatstadt Wind Gap. Widerwillig zieht sie während der Recherchen in ihrem Elternhaus ein, das einem kleinen Palast ähnelt. Camilles Mutter, Adora Crellin, ist die Inhaberin der örtlichen Schweinefabrik, die sie reich gemacht hat. Die Beziehung zwischen Camille und ihrer Mutter ist gestört, um nicht zu sagen unterkühlt. Adora gibt offen zu, Camille nie geliebt und den Tod ihrer anderen Tochter Marian nie überwunden zu haben. Die dritte Tochter, Amma, gerade einmal 13 Jahre alt, scheint zwei Gesichter zu haben: zu Hause mimt sie das liebe Püppchen, das die Mutter sich wünscht, in der Schule hat sie das Sagen, quält und schikaniert ihre Mitschüler, kleidet und benimmt sich wie eine Schlampe. Camille, die zu der jungen Halbschwester so gut wie keine Beziehung hat, schwankt zwischen Faszination und Abscheu, war sie doch in ihrer Jugend ein ähnlicher Wildfang.
Während ihrer Recherchen, mit denen sie nur mühsam voran kommt, lässt sie sich auf den ermittelnden Detective aus Kansas ein. Richard ist gutaussehend und verrückt nach Camille. Trotzdem bekommt sie kaum brauchbare Informationen aus ihm heraus. Es sind ihre ehemaligen Mitschüler und alten Freundinnen, die sie langsam auf die richtige Fährte bringen. Während die halbe Stadt den trauernden Bruder des einen Opfers für den Täter hält, keimt in Camille langsam ein ungeheurer Verdacht. Nicht nur in Bezug auf die Morde an den beiden Mädchen, die gar nicht so brav waren, wie alle behaupten, sondern sie beginnt auch an der Todesursache ihrer verstorbenen Schwester Marian zu zweifeln. 

Camille ist eine zwiegespaltene Person. Das ungeliebte Kind, das den Tod ihrer Schwester nicht überwinden kann, sich selbst verletzt, bis kaum ein Zentimeter unversehrter Haut übrig bleibt, die Frau, die allen gefallen will – all diese Facetten spiegeln sich in ihr wider. Einsamkeit, Alkoholsucht, die schier unerfüllbare Sehnsucht nach Liebe ziehen sie immer tiefer in die Verwicklungen des Falles hinein, bis sie selbst vor intimen Beziehungen zum ermittelnden Detective und dem Hauptverdächtigen keinen Halt mehr macht.
Camille ist eine gebrochene Frau, die selbst nach der Aufklärung der Morde keine Ruhe findet. Es grenzt an ein Wunder, dass es am Ende doch noch irgendwie gut für sie ausgeht. Man wünscht ihr die ganze Zeit das Leben, das sie verdient, weiß aber doch, dass es aufgrund ihrer Kindheit kaum möglich sein dürfte.
Der Spannungsbogen baut sich langsam auf, doch wer dran bleibt, wird belohnt.
Gewalt ist das zentrale Thema dieses Thrillers: sowohl unkontrollierbare körperliche Gewalt, als auch psychische Gewalt, gegen andere und sich selbst gerichtet. Über all den grausamen Taten, die im Schoß der Familie Preaker / Crellin begangen wurden, schwebt die Frage: Ist Gewaltpotential vererbbar? Und wie viel Schuld hat die Erziehung bei der Entwicklung von ebendiesem Gewaltpotential?

Gillian Flynn zeichnet das Psychogramm einer kaputten Familie, bei der es schwer ist, Schuld von Unschuld und Täter von Opfern zu unterscheiden. All das Gute und Böse geht fließend ineinander über und lässt den Leser nur schwer wieder los. Diese Geschichte hallt noch lange nach, ähnlich wie die Bücher von Sebastian Fitzek, der von sich selbst sagt, er schreibt Familiengeschichte.
Einzig das Ende wurde mir etwas zu schnell abgehandelt. Nachdem sich die Autorin für den Anfang so viel Zeit ließ, hätte der Schluss ruhig noch etwas ausgebaut werden können.

Für „Cry Baby“ vergebe ich 4 Sterne.

4 Sterne

Fazit:

Ein ruhig erzählter Thriller über eine kaputte Familie, in der man niemandem trauen kann. Die Grenzen zwischen Tätern und Opfern verschwimmen, bis am Ende nur noch die kaputte, vom Leben gezeichnete Protagonistin übrig bleibt, deren verstörende Geschichte noch lange nachhallt.

Rezension zu „Die Tiefen deines Herzens“ von Antje Szillat

tiefen deines herzens
Autorin: Antje Szillat

Erscheinungsdatum: 23.10.2015

Veröffentlicht bei: dtv

Genre: Jugendbuch / Liebe / Drama

Umfang: 298 Seiten

ISBN: 978-3423716505

Preis: 9,95 €

Mehr Infos hier.

Die Autorin:

Antje Szillat schreibt sehr erfolgreich Bücher für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und schlüpft dabei gern in die unterschiedlichsten Rollen. Mit ihrer Kinderbuchreihe ›Rick‹ landete sie einen großen Erfolg. Sie lebt und arbeitet mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in der Nähe von Hannover.  Quelle

Klappentext:

Die 17-jährige Leni träumt wieder und wieder von seinen Küssen auf ihrer Haut. Aber es ist nicht ihr Freund Felix, der sie um den Verstand bringt, sondern Marc. Warum nur muss sie sich ausgerechnet in Marc verlieben – schrecklich gutaussehend, aber egoistisch und rücksichtslos – und damit ihre Beziehung zu Felix aufs Spiel setzen?

Mehr zum Inhalt:

Leni ist 17 und lebt in Berlin. Seit ihrer Kindheit ist sie mit dem Nachbarsjungen Felix befreundet. Am Abend, bevor sie für einen 3-wöchigen Ferienaufenthalt zur ihrer Tante Clara nach Usedom aufbricht, gesteht Felix ihr, schon lange in sie verliebt zu sein. Leni geht es genauso und die beiden verbringen einen wunderschönen Abend am See.
Auf Usedom lernt sie ihre Tante und deren englischen Freund Jamie kennen. Die Familie hat seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zueinander gehabt, die Gründe dafür bleiben lange unklar. Als Jamies 21-jähriger Neffe Marc auf Usedom auftaucht, ändern sich die entspannten Ferien schlagartig für Leni. Marc ist ein gutaussehnder Macho und Angeber – ein Badboy wie aus dem Bilderbuch. Aber er hat auch seine sanften Seiten und Leni verfällt ihm mehr und mehr. Hin- und hergerissen zwischen ihren tiefen Gefühlen für Felix und ihrer Leidenschaft zu Marc, muss sie sich entscheiden, für wen ihr Herz schlägt …

Meine Meinung:

Vom Klappentext her hatte ich mir eine andere Geschichte vorgestellt. Etwas in Richtung New Adult, mit viel Gefühl und auch ein wenig gut portionierter Erotik. Leider plätschert die Geschichte in der ersten Hälfte erstmal ziemlich unspektakulär vor sich hin und liest sich wie ein Ferienroman für 13-Jährige. Ich konnte deutlich spüren, dass die Autorin eigentlich für Jüngere schreibt und hatte auch meine Probleme mit vielen Dialogen und Formulierungen. Sie wollte wahrscheinlich die Jugendsprache treffen, aber das ist ihr leider gar nicht gelungen. Die Worte, die sie verwendet, waren vielleicht vor 10 – 15 Jahren mal modern. Sehr schade.
Auch mit Leni konnte ich nicht so richtig warm werden. Sie ist einerseits sehr naiv und impulsiv, später verzeiht sie unverzeihliche Dinge einfach so aus Liebe und am Ende reflektiert sie ihr Handeln sehr erwachsen – zu erwachsen für die Protagonistin, finde ich.
Der Schreibstil ist angenehm und das Buch liest sich dadurch ganz schnell weg. Die knapp 300 Seiten im ungewöhnlichen Querformat fliegen nur so dahin. Jedem Kapitel ist ein Zitat vorangestellt, meist geht es darum um Sterne. Da ein bestimmter Stern auch eine Rolle im Buch spielt, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass der Titel des Buch besser anders hätte lauten sollen. „Die Tiefen deines Herzens“ finde ich mittlerweile sogar unpassend.
Im letzten Drittel nimmt die Geschichte so richtig an Fahrt auf. Es wird spannend und Leni springt über ihren eigenen Schatten und tut Dinge, die man ihr gar nicht zugetraut hätte. Gegen Ende wird die Geschichte immer düsterer und Leni immer verzweifelter. Diese Entwicklung hat mir gut gefallen, da sie der Story nochmal einiges an Tempo und Spannung verliehen hat.
Das Ende … naja. Ich fand’s irgendwie ok, aber mehr auch nicht.
Ingesamt ist es kein Buch, das man gelesen haben muss. Ich würde es auch durchaus einer jüngeren Zielgruppe empfehlen: Mädchen zwischen 13 und 15. Es ist nunmal kein All-Age-Titel, wie Titel, Cover und Klappentext Glauben machen wollen.
Da mich die Geschichte um Leni, Felix und Marc leider nicht packen konnte, kann ich nur mickrige 2,5 Sterne vergeben.

2 1_2 Sterne
Fazit:

Nette Ferienlektüre für jüngere Mädchen. Einzig der rasanten Entwicklung gegen Ende und dem düsteren Ausgang der Geschichte konnte ich etwas abgewinnen.

Rezension zu „For Good“ von Ava Reed

for good

Autorin: Ava Reed

Erscheinungsdatum: 29.11.2015

Veröffentlicht bei: Booklover Verlag

Genre: Drama / Liebe

Umfang: 237 Seiten

Preis: 9,99 € (Taschenbuch) bzw. 2,99 € (E-Book)

ISBN: 978-3981755039

Die Autorin:

Die unter dem Pseudonym schreibende Ava Reed, Jahrgang 1987, lebt in Frankfurt am Main, wo sie vor kurzem ihr Lehramtsstudium beendete. Schon während ihrer Kindheit hat sie das Schreiben für sich entdeckt. Mit „Spiegelsplitter“ veröffentlichte sie 2015 ihren ersten Roman bei Carlsen-Impress. Sie hat sich auf romantisch-fantastische Geschichten spezialisiert.

Klappentext:

For Good
Like always

Was würdest du tun, wenn Du das verlierst, was Deinem Leben einen Sinn gab? Das, was Du mehr als alles andere auf dieser Welt geliebt hast. Würdest Du aufgeben?

Nach dem Tod ihrer großen Liebe Ben beginnt Charlie in Trauer zu versinken. Immer wieder erinnert sie sich an die vergangenen Zeiten, in denen sie ihn kennen- und lieben lernte. Doch der Verlust droht sie zu ersticken und blind zu machen für das, was das Leben ausmacht. Charlie zieht sich völlig zurück und beginnt zu verstehen, dass nichts je wieder so sein wird wie es einmal war.

Meine Meinung:

Ich habe mich für die Printversion des schmalen Büchleins entschieden und es an einem Tag gelesen. Der neu gegründete Booklover-Verlag hat sich auf dramatische, romantische und erotische Geschichten spezialisiert, die man für kleines Geld als E-Book erstehen kann. Die Printversion wird über Amazon als Print-On-Demand vertrieben, was ich vorher nicht wusste, doch die Qualität des Buches konnte mich positiv überraschen. Vom Buchsatz über die Schriftgröße lässt sich auch das gedruckte Buch angenehm lesen und von der merkwürdigen Schriftart für die Kapitelkapitelüberschriften und der diletantischen Formatierung der Seitenzahlen mal abgesehen, ist dies eines der wenigen POD-Bücher, die sich angenehm lesen lassen.
Die Geschichte wird aus Charlies Sicht erzählt und setzt fünf Wochen nach Bens Tod ein. Die Kapitel wechseln zwischen den Erinnerungen an die gemeinsame Zeit – vom ersten Treffen bis zu Bens plötzlichem Tod – und der Gegenwart hin und her. Besonders gefallen haben mir die kurzen Gedichte, die den Gegenwarts-Kapiteln vorangestellt sind und von Trauer, Liebe und Sehnsucht erzählen. Sie verleihen Charlies düsteren Gedanken und ihrem tief empfundenen Schmerz eine besondere Tiefe.
Über das Alter der Protagonisten wird zwar nichts verraten, doch sie müssten ungefähr Mitte zwanzig sein, sodass ich das Buch eher dem Genre „Junge Erwachsene“ als dem Jugendbuch zuordnen würde.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Ava Reed formuliert treffend und trifft den Leser mitten im Herz. Die Themen Trauer und Tod werden in all ihren dunklen, hoffnungslosen und schmerzhaften Facetten gut abgebildet. Dazwischen sorgen Charlies Erinnerungen an die glücklichen Zeiten für Aufheiterung, Hoffnung und Nostalgie.
Der Schreibstil hat mich ein wenig an Nicholas Sparks erinnert. Die Protagonisten gehen extrem höflich miteinander um, die Dialoge – gerade in der Kennenlernzeit – kommen für mich nicht wirklich authentisch rüber, sondern wirken sehr überlegt und steif. Auch habe ich mich gefragt, warum zwei junge Menschen, die sich auf dem Unicampus begegnen, siezen? Der Roman spielt im englischsprachigen Raum (ist wohl gerade Mode bei deutschen Autoren), warum siezen sie sich da überhaupt? Manche Formulierungen kamen etwas holprig daher, ab und an sind Zeitformen durcheinander geraten, was bei mir für kurzes Stirnrunzeln sorgte. Aber insgesamt bin ich der Meinung, dass Ava Reed wirklich toll schreibt und ein großes Talent für das Erzählen romantischer Geschichten hat. Ich glaube, dass sie sich in ihrem Schreibstil noch steigern kann und wird – und darauf freue ich mich.
Das Ende war für mich zwar vorhersehbar, aber das schmälert das gelungene, hoffnungsvolle Ende der Geschichte nicht. Bei dramatischen Liebesgeschichten muss man eben auch mit einigen Klischees rechnen.
Wem „P. S. ich liebe dich“ gefallen hat, der sollte sich auch „For Good“ nicht entgehen lassen.
Ein besonderes Schmankerl ist das Zusatzkapitel am Ende, das die Kennenlerngeschichte zwischen Charlie und Ben aus seiner Sicht erzählt. Als persönliches Highlight empfand ich neben den vielen tollen Gedichten übrigens auch die persönliche Playlist der Autorin am Buchende. Wer – wie ich – auf traurige Songs steht, wird sie lieben!
Für diese traurige, aber gleichzeitig schöne Geschichte vergebe ich 3,5 Sterne.

3_1_2 Sterne
Fazit:

Ein kurzweiliges Lesevergnügen für melancholische Stunden. Wer traurige Liebesgeschichten mag, sollte hier zugreifen und die Taschentücher parat halten.